André Mendritzki schließt den „Domshof“in Rotenburg

„Ende September mache ich dicht“

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André Mendritzki nimmt Abschied vom Zapfhahn.

Rotenburg - Von Heinz Goldstein. Zurzeit ist der Wirt vom „Domshof“, André Mendritzki, in der Kreisstadt in aller Munde. Es heißt, dass er die älteste noch existierende Kneipe Rotenburgs aufgeben will, die seit 1754 als Schankbetrieb geführt wird. In einem Interview mit der Rotenburger Kreiszeitung spricht er Klartext.

Herr Mendritzki, wie lange gibt es „Andrés Domshof“ noch in der Rotenburger Kneipenlandschaft?

André Mendritzki: Die Frage kann ich Ihnen schnell und präzise beantworten. Ich werde Ende September ohne Wenn und Aber dicht machen.

Warum haben Sie sich zu diesem Schritt entschlossen?

Mendritzki: Ich ziehe die Reißleine. Der Gewinn reicht zum Betreiben der Kneipe nicht mehr aus. Ich musste privates Geld zubuttern. Es ist sicherlich keine leichte Entscheidung für mich, aber in der Gastronomie hat sich in den vergangenen Jahren einiges gravierend zu Ungunsten der Wirte geändert. Viele Mitglieder von Vereinen und Freundeskreise, die zum Beispiel bei mir einen Stammtisch hatten, gibt es nicht mehr. Auch Gäste, die einfach nur in die Kneipe kamen, um zu klönen oder auch über Probleme zu sprechen, gibt es kaum noch. Die Gaststube als sozialer Treffpunkt ist Vergangenheit. Die jüngeren Generationen haben ein anderes Kneipenverhalten.

Hat sich auch das Rauchverbot in den Kneipen bei Ihnen bemerkbar gemacht?

Mendritzki: Ja, da haben Sie Recht. Dieses Verbot ist ein weiterer wesentlicher Faktor, warum bei mir viele Gäste nicht mehr zum gemütlichen Bierchen gekommen sind.

Sie sagten, dass die Einnahmen die Kosten nicht mehr gedeckt haben und sie deshalb schließen. Wie soll es bei Ihnen nun weitergehen. Haben Sie schon feste Pläne?

Mendritzki: Ich habe mir im Laufe der „fetten Jahre“ genügend Geld für die Altersversorgung auf die hohe Kante gelegt. Nun werde ich die Zeit nutzen, die ich als Wirt nicht hatte, um mich intensiv um mein Haus und meinen Garten zu kümmern. Das wird mir und meiner Freundin sicherlich viel Spaß machen. Endlich haben wir dann auch mehr Zeit füreinander.

Sie bleiben in der Wohnung über der Gastwirtschaft. Was wird aus der Kneipe?

Mendritzki: Da habe ich einige Eisen im Feuer. Wenn alles so läuft, wie es besprochen ist, wird eine Wirtin die Kneipe übernehmen. Allerdings sind die Verträge noch nicht unterschrieben. Das hängt noch von einigen Faktoren ab, die ich nicht nennen möchte. Auch ein Verkauf der Immobilie ist nicht ausgeschlossen.

Sie werden in der Stadt auch der „Franzose“ genannt. Warum?

Mendritzki: Ich liebe Frankreich und ganz besonders Korsika. Zudem trinke ich gerne französischen Rotwein und rauche Gitanes aus Frankreich. Außerdem hängen in der Gastwirtschaft Plakate, auf denen für Produkte aus Frankreich geworben wird. So ist ein französisches Ambiente entstanden. Ich habe mein Faible für unsere westlichen Nachbarn 1978, als ich auf Korsika Urlaub machte, entdeckt. Seitdem verbringe ich meinen Urlaub immer am gleichen Ort auf der Insel. Zudem hatte ich früher viele Gerichte aus Frankreich auf meiner Speisenkarte. Das wissen meine Gäste – und so bin ich zu dem Namen gekommen.

Haben Sie jemals daran gedacht, nach Korsika auszuwandern?

Mendritzki: Nein, aber ich kann mir vorstellen, dass ich mir dort eine Ferienwohnung anschaffen werde. Ich bleibe aber in Rotenburg wohnen. Ich bin mit dieser Stadt inzwischen stark verwurzelt.

Seit wann führt die Familie Mendritzki den „Domshof?

Mendritzki: 1961 sind wir nach Rotenburg gezogen. Meine Eltern haben damals den „Domshof“ übernommen. Ich habe die Kneipe seit 1980 bis heute in Eigenregie geführt. In den Anfängen habe ich noch viele Speisen angeboten. Heute beschränkt sich meine Karte auf wenige Gerichte. Der Umsatz besteht zu 90 Prozent aus Getränken.

Sie haben in Ihrer 35-jährigen Tätigkeit als Gastwirt sicherlich einiges erlebt. Gibt es Höhepunkte, die Sie nie vergessen werden?

Mendritzki: Ja, sicherlich habe ich viel erlebt, aber zwei Sachen sind in meinen Erinnerungen besonders haften geblieben. So war 1988 das ZDF bei mir zu Besuch, als für die Sendereihe „Tandem“ in Rotenburg gedreht wurde. In den zwei Wochen habe ich mich mit dem Team angefreundet. Das zweite Highlight in meinem Kneipenleben war die Aufführung vom „Meistertrunk“ im September 2004 in historischen Uniformen mit Feldlager auf dem Kirchhof direkt vor meiner Gastwirtschaft. Ich hatte damals spezielle Speisen passend zur Aufführung und dem historischen Lager kreiert. Die Gäste waren damals begeistert.

Was Sie hat am meisten geärgert?

Mendritzki: Wenn Gesellschaften Essen bestellt hatten und dann nicht zu dem Termin erschienen sind. Da bin ich auf dem Essen sitzen geblieben. Manchmal kamen die Gäste auch zu spät, und ich hatte alles auf den Punkt zubereitet. Das ist schon ärgerlich.

Ist es Ihr Kindheitstraum gewesen, Gastwirt zu werden?

Mendritzki: Nein, eigentlich wollte ich Büchsenmacher werden und hatte auch schon eine Lehrstelle in Bremen. Wegen der Änderung der Ausbildungsbedingungen habe ich die Lehre fallen lassen müssen. Ich hatte meiner Mutter Elfriede oft in der Küche beim Kochen geholfen. Sie fragte mich, ob ich nicht den Beruf eines Kochs erlernen möchte. So ergab es sich, dass ich 1974 im staatlichen Kurhaus in Bad Nenndorf den Beruf des Kochs erlernte. 1977 bestand ich dann die Prüfung. Nach meiner Bundeswehrzeit übernahm ich schließlich von meinen Eltern das Lokal, das ich bis heute gerne geführt habe.

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