Anders als im Landkreis Verden soll Filial-Netz nicht weiter ausgedünnt werden

Banken stehen zu ihren Geschäftsstellen

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Stopp! Auch über die Geschäftsstelle an der Harburger Straße der Sparkasse Rotenburg-Bremervörde waren schon Gerüchte im Umlauf, dass sie geschlossen werden sollte. Doch diese Debatte stoppt das Unternehmen – mit einem Bekenntnis zum Erhalt des derzeitigen Zweigstellen-Netzes.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Hassel, Hoyerhagen, Naddenaverbergen, Bendingbostel, Völkersen – nur ein paar Dörfer in den Landkreisen Verden und Nienburg, in denen noch in diesem Jahr die letzten Geschäftsstellen der großen regionalen Banken schließen. Sowohl die Volksbank Aller-Weser als auch die Kreissparkasse Verden haben in der Nachbarregion große Sparkurse eingeleitet. Die Debatte ist auch im Landkreis Rotenburg eine bekannte. Doch die hiesigen Häuser bekennen sich ausdrücklich zu ihrem Filial-Netz in der Fläche. Es soll bestehen bleiben – vorerst jedenfalls.

„Im Hause der Sparkasse Rotenburg-Bremervörde gibt es zurzeit kein Projekt, das sich systematisch mit der Wirtschaftlichkeit der Standorte beschäftigt“, heißt es aus der Vorstandsetage der größten Bank im Altkreis. Das Geschäftsstellennetz sei bereits vor über zehn Jahren überprüft und gestrafft worden. Unter anderem wurde die Filiale am Neuen Markt in Rotenburg geschlossen. Derzeit umfasse das Netz 22 Standorte, wovon fünf reine Automatenstellen sind. Weitere „Servicestandorte“, wie es im Geschäftsjargon heißt, also vor allem Automaten- oder Selbstbedienungsstationen, seien in Vorbereitung – auch in der Kreisstadt selbst, wo mit dem möglichen Umzug in das Post-Gebäude nach dem Neubau der Servicezentrale in Zeven das nächste Großprojekt anstehen könnte.

Doch die Neueröffnung von Geschäftsstellen auf dem Land wird es auch hier wohl nicht mehr geben. „Auch wir müssen dem Zeitgeist der demografischen Entwicklung und der technischen Entwicklung Rechnung tragen“, sagt Matthias Dittrich, Vorstand der Volksbank Wümme-Wieste mit derzeit zehn Geschäftsstellen sowie jeweils zwei Selbstbedienungsstandorten und Geldautomaten zwischen Fintel und Fischerhude. Das Kundenverhalten habe sich geändert, viele Bankgeschäfte würden online erledigt. Es bedürfe vieler Zugangswege zur Bank. Dittrich: „Dies gelingt heute nicht mehr allein über die Anzahl der Geschäftsstellen, sondern genauso über andere Kundenkontaktpunkte wie beispielsweise elektronische Medien, SB-Geräte, telefonischen Kundenservice-Center oder über mobile Vertriebswege.“ Zwar bleibe das Filialgeschäft auch künftig „wesentlicher Bestandteil unseres Vertriebskonzeptes“, aber: „Generell ist das Kundenverhalten vor Ort entscheidend für die wirtschaftliche Tragfähigkeit einer Geschäftsstelle.“ Und das bedeute: „Derzeit planen wir keine Schließungen von Geschäftsstellen, können dieses aber für die Zukunft auch nicht generell ausschließen.“

Die Sparkasse Scheeßel hatte ihr Filialnetz zuletzt im vergangenen Jahr neu aufgestellt. Die Standorte Hesedorf und Brockel wurden geschlossen, heute ist die Bank noch mit sechs Geschäftsstellen und zwei Selbstbedienungszentren vertreten. „Weitere Entscheidungen zu Veränderungen im Geschäftsstellennetz liegen zur Zeit nicht vor“, versichert der Vorstandsvorsitzende Jürgen Lange. Aber auch er gibt zu bedenken, dass das Kundenverhalten genau im Auge behalten werden muss.

Hinzu kommt, das betonen alle drei großen Institute der Region, die Ungewissheit durch die anhaltende Niedrigzins-Phase und die Anforderungen durch die Bankenaufsicht. Volksbank-Chef Dittrich: „Diese Auflagen auch für kleine, regionale Banken schaffen einen hohen Zusatzbedarf an qualifiziertem Personal, was Kosten verursacht, aber keinen Ertrag bringt.“ Insbesondere die lokalen Kreditinstitute stünden vor großen Herausforderungen, heißt es von der Sparkasse Rotenburg-Bremervörde. Geantwortet wurde darauf zuletzt zwar nicht mit Filial-Schließungen, aber mit höheren Gebühren. Insgesamt könnten Kunden auch in den weniger frequentierten Zentren derzeit aber trotz der Signale aus dem Nachbarkreis gelassen bleiben. Sprecher Christian Voigt: „Der aktuelle Handlungsdruck ist für die Sparkasse Rotenburg-Bremervörde im Vergleich zur Kreissparkasse Verden geringer, da diese in Relation zur Einwohnerzahl ein noch engmaschigeres Geschäftsstellennetz unterhält.“

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