Der Weg alter Kleidung

Der DRK hat in Rotenburg mehrere Altkleidercontainer aufgestellt. Die Leerung übernimmt eine Textilfirma. Foto: Witte

Altkleidercontainer, Kleiderkammer oder doch Second-Hand-Laden – es gibt viele Möglichkeiten, getragene Kleidung zu entsorgen oder abzugeben. Aber was passiert eigentlich mit dem Inhalt der Container? Und wo sind die Behälter hin, die die Stadt aufstellen lässt? Uwe Knabe von der Stadtverwaltung und der Fachverband Textilverwertung klären auf.

VON FARINA WITTE

Rotenburg – Neben dem Verkauf auf dem Flohmarkt oder dem Anbieten auf Kleidertauschbörsen werden nach wie vor viele getragene Textilien in Altkleidercontainern abgegeben. Laut dem Fachverband Textilrecycling beträgt das Altkleideraufkommen in Deutschland 1,01 Millionen Tonnen pro Jahr.

Wer in den vergangenen Tagen in Rotenburg Altkleider im Container entsorgen wollte, musste vielleicht unverrichteter Dinge wieder umkehren. Denn die Bremer Firma, die im Auftrag der Stadt Rotenburg an acht Standorten Container aufgestellt hat, hat diese nun abgeholt. Das Unternehmen sei den vertraglich vereinbarten Pflichten nicht nachgekommen, deshalb habe man sich für eine Kündigung entschieden, teilt Uwe Knabe vom Amt für Verkehr, Entsorgung und Umweltschutz mit. Mit der Aufstellung neuer Behälter für Altkleider sei erst im Mai oder Juni zu rechnen, da die Stadt die Aufgabe nun neu ausschreiben wird. Da die Altkleidercontainer, die unter anderem am Rönnebrocksweg, an der Bremer Straße und der Aalter Allee standen, abgebaut sind, gibt es in der nächsten Zeit deutlich weniger Möglichkeiten, alte Klamotten zu entsorgen. Knabe verweist auf vorhandene Container auf Supermarktparkplätzen oder anderen Privatflächen.

Bei diesen Behältern sollte man allerdings auf die Seriösität achten, rät die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Das sei gewährleistet, wenn diese mit einem Siegel, zum Beispiel dem DZI Spendensiegel, dem BSVE Qualitätssiegel oder mit dem Logo Fairwertung, versehen sind. Ein weiterer Indikator sei dabei auch, dass das Unternehmen Kontaktdaten angibt. Rührselige Spendenaufrufe könnten hingegen eine Täuschung sein.

Altkleidercontainer aufgestellt hat in Rotenburg auch der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes. Im Stadtgebiet sind es 13 Container, acht an der Straße Auf dem Rusch und fünf am Wachholderweg. In den anderen Orten im Südkreis stehen weitere Behälter, sodass der Verband auf insgesamt 32 kommt. Die Leerung übernimmt einmal pro Woche die Firma Texaid. Wie auch die von der Stadt beauftragte Firma handelt es sich dabei um einen gewerblichen Entsorger. Die Menge, die in den Containern anfällt ist rückläufig, so DRK-Geschäftsführer Hans Hastedt: „2014 waren es 77 Tonnen, 2018 noch 50 Tonnen.“

Aber welchen Weg geht die Kleidung eigentlich, die im Altkleidercontainern abgegeben werden? Der Fachverband Textilverwertung erklärt, dass die Alttextilien in Sortierbetrieben nach Sorten, Artikeln und Qualität per Hand sortiert werden. Anschließend gehen sie in den Export. Die Zielländer seien vor allem in Osteuropa und Entwicklungsländer in Asien und Afrika. Aus nicht mehr tragfähigen Kleidungsstücken werden zum Beispiel Putzlappen geschnitten oder Recycling-Textilfasern gewonnen. Andere Stoffe werden zu textilen Hartfaserplatten verarbeitet. Aber auch in der Automobilherstellung, im Maschinenbau oder in der Druckindustrie werden alte Textilien genutzt. Auch das DRK gibt einen Teil der Kleidung an Recyclingfirmen ab und finanziert aus dem Erlös soziale Projekte. Der Naturschutzbund (Nabu) Rotenburg sieht in Altkleidercontainern allerdings als die eher schlechtere Alternative.

Der DRK Rotenburg unterhält zusätzlich zu den Containern auch Kleiderkammern in Scheeßel, Rotenburg und Visselhövede. Kleidung, die dort abgegeben wird, wird durch ehrenamtliche Mitarbeiter sortiert und dort wieder ausgegeben. Pro Kleiderkammer und Woche fallen zehn bis 15 Säcke an, schätzt Hastedt. Für den Nabu sind die Kleiderkammern allerdings nicht die beste Option. „Die Weiternutzungsquote ist in lokalen Kleiderkammern unseres Wissens im Allgemeinen niedriger als bei Second-Hand-Läden“, meint Roland Meyer vom Rotenbruger Nabu. Nicht mehr nutzbare oder oder überschüssige Kleidungsstücke gibt der DRK ebenfalls an an Recyclingfirmen weiter.

Wer dafür in Second-Hand-Läden kauft oder Kleidertauschbörsen nutzt, schone Ressourcen, schade dem Klima nicht und spare Geld, meint Meyer: „Und umgekehrt: Wer Kleidung hat, die er nicht mehr braucht, sollte sie an Second-Hand-Läden oder Kleidertauschbörsen geben, damit sie weiter genutzt werden.“ Am wichtigsten sei für Umwelt und Klima aber, dass weniger neu gekauft wird. „In den vergangenen 50 Jahren ist der Verbrauch von Textilien bei uns pro Kopf von 5 auf 25 Kilogramm gestiegen. Jedes Jahr kauft jeder Deutsche durchschnittlich 70 Kleidungsstücke“, beschreibt Meyer das Ausmaß. Damit gehe ein erheblicher Verbrauch an Ressourcen einher. Für besonders bedenklich hält der Nabu den Trend zu „Fast Fashion“: „Geringe Qualität, niedriger Preis, immer kürzere Modezyklen.“ Meyer rät davon ab, getragene Kleidung im Hausmüll zu entsorgen. Dann würden die textilen Ressourcen verloren gehen.

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