Heimatshoppen mit Auflagen wird dankbar angenommen

„Als Provinz abgestempelt“

Das Hygienekonzept an den Ständen wurde von den Besuchern akzeptiert, Menschenansammmlungen blieben aus.
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Das Hygienekonzept an den Ständen wurde von den Besuchern akzeptiert, Menschenansammmlungen blieben aus.

Rotenburg – Flaneure in kleinen Freundes- oder Pärchengruppen, statt weinseliger Laune vor und in den Geschäften eher stilles Staunen angesichts der Illumination einiger Häuserfassaden oder ein gepflegter Shoppingbummel; auf den Straßen Besucher, die die Ergebnisse ihres Einkaufsbummels in Tüten nach Hause tragen oder Crepes, Bratwurst und gebrannte Mandeln im Gehen essen (aufgestellte Sitzplätze waren wegen der Gefahr der Ansammlung von Menschenmengen nicht erlaubt). Der Auftakt des diesjährigen einwöchigen Heimatshoppens hatte wenig mit dem Dämmershoppen der Vorjahre gemein – wie auch, unter Corona-Auflagen?

„Das haben wir im Vorfeld auch deutlich kommuniziert“, betont Cornelia Gewiehs von der IG City Marketing und Haupt-Drahtzieherin der Veranstaltung im reduzierten Format. Schon am Tag war sie die Fußgängerzone mit den Buden mehrfach abgegangen, hatte die Einhaltung des gebotenen Hygienekonzepts überprüft, in einem Fall nachgebessert und auch selbst Hand ans Flatterband zum Schaffen einer Barriere und somit Vermeiden von Menschenansammlungen gelegt. Kein einfacher Job, stand die Vorsitzende des Zusammenschlusses der Rotenburger Gewerbetreibenden doch im Spannungsfeld zwischen Ausstellern und dem Gesundheitsamt. Nicht alle Budenbesitzer – gerade mal vier waren vom sechsseitigen Konzept übrig geblieben – wollten verstehen, dass in der Wümmestadt eben andere Maßstäbe gelten als anderswo. Genau das war auch der Unternehmerin selbst im Vorfeld schwergefallen. Ein Beispiel: Das Kinder-Riesenrad mit Einzelgondeln, in Hamburg oder Hannover mit demselben Sicherheitskonzept ohne Weiteres akzeptiert, wurde hier von offizieller Seite abgelehnt. Die Begründung des Gesundheitsamtes sei gewesen, dass es einen Menschenauflauf verursachen könnte. Gewiehs ist die Enttäuschung anzumerken: „Schwer zu verkraften, wie man hier als Provinz abgestempelt wird.“

Keine Livemusik, keine Stehtische oder gar temporäre Gastronomie, geschweige denn Alkohol-Ausschank – vieles von dem, was in vergleichbaren Situationen in anderen niedersächsischen Orten funktioniert, hatten die Organisatoren laut Gewiehs auf das Konzept in Rotenburg heruntergebrochen; „das, was letztlich vom Gesundheitsamt zugebilligt wurde, ist wenig genug“.

Einem Standbetreiber, der seinem Unmut noch kurz vor dem Start per Handy Luft macht, entgegnet sie: „Was wäre die Alternative – eine komplette Absage der Veranstaltung? Das wäre auch für Sie nicht schön.“ Sie sieht die örtlichen Gewerbetreibenden in der Pflicht, die Innenstadt nach dem Lockdown wieder zu beleben. Nicht alle ihrer Mitstreiter sind mit im Boot; am Abend, als die Besucher an den vier Buden vorbeiziehen, bleiben viele Schaufenster dunkel. Dennoch begrüßen die meisten die Aktion, sowohl die Gäste als auch die Budenbetreiber. Zum Beispiel Katja Thiessen, die hinter Plexiglas und einem Berg von Schmalzgebäck steht. Sie und ihr Mann sind zum ersten Mal dieses Jahr mit ihrer Waffelbäckerei unterwegs, Einnahmen hatten sie seit Dezember keine; „Hamburger Dom – alles abgesagt“. Doch ihr geht es nicht nur ums Geld, „mal wieder etwas zu tun, tut der Seele gut“. Sie hofft auf den Nikolausmarkt hier, für den das Heimatshoppen eine Art Testballon sein soll. Laut Annabell Thiel, zum siebten Mal mit ihrem Stand mit Currywurst und Fritten auf Rotenburger Veranstaltungen, könnte das klappen: „Die Leute halten von alleine Abstand, sie wissen die Mühe, die wir uns hier mit dem Sicherheitskonzept geben, zu schätzen.“

Das bestätigt Besucher Olaf Laudan: „Eine tolle Aktion, nur schade, dass nicht mehr Geschäftsleute mitmachen.“ Er schätzt es, hier „außerhalb der normalen Berufszeiten Kontakte zu pflegen“ und die „kuschelige Atmosphäre der Illuminationen, so gemütlich wie Rotenburg“. Dass ein Nikolausmarkt mit ungleich mehr Besuchern hier funktionieren könnte, kann er sich durchaus vorstellen: „Die meisten Menschen hier sind vernünftig genug, sich an die Regeln zu halten.“ Und auch die beiden zweiköpfigen Security-Teams, die immer mal wieder den Kopf in die Ladentüren stecken, mussten nach eigenem Bekunden den ganzen Abend nicht ein einziges Mal eingreifen.

Als gegen 21 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden, ist das für einen definitiv zu früh: Malte Holsten. Die Illuminationen vom „Sound Patrol“-Inhaber und seinen Mitstreitern, die den Stadtstreek und einige Fassaden ins rechte Licht setzen, entfalten gerade mit Einbruch der Dunkelheit erst ihre richtige Wirkung.  hey

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