VCD fordert Elektrifizierung der EVB-Bahnstrecken

Alles Gute kommt von oben

Manfred Schuster (l.) vom VCD-Landesvorstand und der ehemalige EVB-Geschäftsführer Heinz Badke zeigen, was nach den jüngsten Investitionen der EVB noch fehlt: die Oberleitungen für die Elektrifizierung des Güterverkehrs. - Foto: Schmidt

Rotenburg/Bremervörde - Die Bremervörder Eisenbahnbrücke über der Oste ist nagelneu, auch die Gleisanlagen der EVB sind für schwere Güterzüge mit Millionenaufwand ertüchtigt worden: Doch eine wichtige Weichenstellung für einen zukunftsweisenden Güterverkehr fehlt nach Meinung vieler Experten noch: die Elektrifizierung der EVB-Strecken von Bremerhaven in Richtung Hamburg oder Bremervörde bis Rotenburg. Darauf weisen Manfred Schuster vom Landesvorstand des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und der ehemalige EVB-Geschäftsführer Heinz Badke hin – auch vor dem Hintergrund der Diskussion um die schädlichen Folgen des Dieselantriebs.

Badke und Schuster sehen das Land Niedersachsen als Mehrheitsgesellschafter der Eisenbahnen- und Verkehrsbetriebe (EVB) in der Pflicht, jetzt in die Zukunft eines nachhaltigen Eisenbahngüterverkehrs zu investieren. Für Schuster, der sich im Landesverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) für eine ökologisch orientierte Verkehrspolitik engagiert, und den Bremervörder Eisenbahnexperten Badke ist es geradezu ein Hohn, dass auch die EVB deutschlandweit mit ihren effizienten und sauberen E-Loks Güter transportiert – doch „ausgerechnet auf ihren eigenen Strecken“, die für den Seehafenhinterlandverkehr von besonderer Bedeutung seien, die Dieselmotoren anwerfen muss.

Auch die große Deutsche Bahn werbe zurecht mit dem Hinweis, Ökostrom zu nutzen, betont Badke. Und kein Land produziere mehr Windenergie als Niedersachsen, ergänzt Schuster. Da stehe es dem Mehrheitsgesellschafter der EVB gut zu Gesicht, jetzt energisch die Elektrifizierung ihrer Strecken voranzutreiben. Logistische Erfordernisse und harte betriebswirtschaftliche Fakten machen nach Einschätzung von Diplom-Ingenieur Badke ein Umsteuern in der Bahnpolitik dringend notwendig: Um auf ihren eigenen Gleisen in der Elbe-Weser-Region Güter zu transportieren, müssten lange Güterzüge in den großen Bahnhöfen des Nordens und Seehäfen zeitaufwendig und damit für teures Geld umgespannt werden, also an Dieselloks gehängt werden. „Das ist unwirtschaftlich und unsinnig“, betont Badke.

Damit die EVB ins Geschäft komme beziehungsweise nicht abgehängt werde, müsse schnellstens die Elektrifizierung der Strecke und nicht zuletzt die Verbindungskurve bei Rotenburg in Angriff genommen werden, betont Schuster. „Wie zu erfahren war, liegen die Pläne dafür in der Schublade“, sagt der VCD-Mann. In diesem Zusammenhang müsse überlegt werden, ob bei der Elektrifizierung nicht gleichzeitig auch die Strecke nach Stade mit einbezogen werde, damit zukünftig Güterverkehre aus dem Hafen- und Industriegebiet Stade-Bützfleth nicht über den Knoten Hamburg abgewickelt werden müssten, sondern die „Bypass-Strecke“ über Bremervörde nutzen könnten. Überdies böte es sich an, quasi in einem Abwasch auch die Kurve bei Hesedorf mitzuplanen. „Planung und Verwirklichung liegen ausschließlich in Händen des Landes Niedersachsen, eine Einbeziehung des Bundes ist lediglich bei einer Akquise von Bundesmitteln nötig“, betonen die beiden Verkehrsexperten.

Die Verbindung zwischen den Seehäfen Bremerhaven und Cuxhaven müsse außerdem zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert werden. Das sei dem Tourismus im Raum Cuxhaven, aber auch dem sich rasant entwickelnden Industriestandort Cuxhaven geschuldet, sind Badke und Schuster überzeugt. Es gehe nicht an, dass Touristen mit dem IC nur bis Bremerhaven kommen und dort samt Gepäck in einen dieselgetriebenen Zug umsteigen müssen, um so an ihr Reiseziel zu kommen, verweist Schuster auf einen „ökologischen Unsinn“. „Dieser Umstand hält viele davon ab, mit der umweltfreundlichen Bahn in den Urlaub zu fahren. Die Hafenwirtschaft in Cuxhaven erlebt derzeit ein zweistelliges Wachstum, was den Export von Autos nach Übersee angeht. Mit der Ansiedlung der Firma Siemens ist ein zweites Unternehmen auf eine gute Bahnanbindung angewiesen. Hier besteht akuter Handlungsbedarf“, so Schuster.

„Die Verbindung zwischen Cuxhaven und Stade muss durchgehend zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert werden. Die ,Behelfsbrücke‘ bei Hechthausen muss endlich ausgetauscht werden“, fordern Badke und Schuster mit Blick über die Kreisgrenze hinaus. Alle stillgelegten oder touristisch genutzte Trassen müssten außerdem reaktiviert werden, um den ländlichen Raum für einen ökologisch wertvollen Raum für den Personenverkehr zu erschließen, sagen sie mit Blick auf die Strecken Osterholz-Scharmbeck, Gnarrenburg und Bremervörde sowie Bremerhaven-Geestland. „Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“ Unter Berufung auf dieses Zitat von Albert Einstein hoffen Schuster und Badke, dass es nach dem Vorbild anderer europäischer Länder, in denen der Bahnverkehr einen höheren Stellenwert in der Verkehrspolitik genieße, auch hierzulande etwas ändert – auf Land- und Bundesebene. J bz

Von Thomas Schmidt

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