Erst gucken, dann bieten 

Fundsachen-Versteigerung: Alles weg für 643 Euro

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Kurz vor der Versteigerung besichtigen die Gäste die Angebote, darunter allein 23 Fahrräder.

Rotenburg - Von Guido Menker. Es gibt Momente, da wünscht man sich, aus der einstigen Idee, den Rathaus-Innenhof zu überdachen, wäre einmal Realität geworden. „Schon damals zu teuer“, sagt Frank Rütter. Der Leiter des Ordnungsamtes bereitet sich gerade mit seinen Kollegen auf die zweite Fundsachen-Versteigerung dieses Jahres vor. Der Himmel hat sich wieder zugezogen, es regnet. Aber vielleicht sieht es in einer halben Stunde, wenn die Besichtigung der Angebote starten kann, schon wieder viel besser aus.

An diesem Nachmittag soll die Stadt-Kasse klingeln. Ricarda Rauer, Martin Otto, Bernd Grünberg, Merten Franz und Michael Holsten sind auf alles vorbereitet. Jetzt müssen sie nur noch die 23 Fund-Fahrräder aus dem Keller holen und die Kleinteile auf einem Tisch zur Präsentation auslegen. „Die Fundsachen müssen mindestens ein halbes Jahr bei uns aufbewahrt werden. Erst dann können wir sie versteigern“, erklärt Rütter, während die ersten Gäste schon sehnsüchtig darauf warten, dass es endlich losgeht. Elke Malessa ist gekommen, um zu schauen, ob sie ihren Schlüssel wiederfindet, den sie verloren hat. Jörg Rönnspies ist aus „reiner Neugierde“ dabei. Und auch Günther Köhnke ist zum ersten Mal Gast bei der Fundsachen-Versteigerung: „Ich lese seit 40 Jahren in der Zeitung davon, hatte aber noch nie Zeit, dabei zu sein.“ Jetzt wolle er mal schauen, wie das so abläuft.

Auch Schmuck kommt wieder unter den Hammer.

Am Tisch, auf dem der Schmuck, ein paar Uhren, Kopfhörer, ein Föhn und ein Kindersitz fürs Auto liegen, herrscht dichtes Gedränge. In großen Städten stellen die Ordnungsämter das Angebot zuvor ins Internet. In Rotenburg gibt es immer noch die klassische Besichtigung. Zehn Minuten später startet Martin Otto mit der Versteigerung der Kleinteile. Ein 585er Goldring geht für 60 Euro weg, ein Kinderportemonnaie findet für einen Euro eine neue Besitzerin. „Die Sachen kommen aus dem Krankenhaus, aber auch aus unseren öffentlichen Gebäuden“, sagt Frank Rütter, der gleich als Ausrufer übernimmt und versucht, die Fahrräder an den Mann zu bringen. Bis eine Viertelstunde vor Beginn der Auktion war es möglich, Besitzansprüche geltend zu machen. Jetzt fällt der Hammer.

Am „Grabbeltisch“ ist viel los. - Fotos:

Mehr als 50 Gäste sind gekommen. Der Regen setzt wieder ein, man rückt zusammen, tauscht sich aus, diskutiert, fachsimpelt und überlegt genau, wann es gilt, die Hand zu heben. Etwa 40 Prozent der Fundsachen, die im Rathaus landen, werden von ihren Besitzern abgeholt. In den seltensten Fällen sind es die Fahrräder. „Vielleicht, weil die Versicherung den Schaden übernommen hat“, vermutet Bernd Grünberg.

Nach einer Stunde leert sich der Innenhof. „Alles weg“, freut sich Martin Otto. Er kümmert sich um den Kassensturz: „643 Euro sind zusammengekommen“, sagt er. Im April waren es 727,50 Euro. Geld, das nun in den städtischen Haushalt einfließt, der am Donnerstagabend übrigens Thema im Stadtrat sein wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Überdachung für den Innenhof im Etat-Entwurf für 2018 steht, ist allerdings unwahrscheinlich. Dafür reichen die Einnahmen aus den Versteigerungen nämlich garantiert nicht aus. Es gibt eben Dinge, die ändern sich einfach nicht.

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