Revierförster lässt Wald in der südlichen Ahe durchforsten

Alles eine Frage der Balance

Der Harvester fällt einen Baum und schneidet ihn zu.
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So geht modernes Baumfällen heute: Es braucht keine zwei Minuten, um einen Baum zu fällen und zuzuschneiden.

Rotenburg – Knut Sierk kennt das. Immer dann, wenn irgendwo in einem Wald die Motorsägen zu hören sind, gibt es Anrufe von Bürgern. Sie fragen nach, wollen wissen, was passiert – und manchmal auch, ob das alles wirklich sein muss. „Vor allem bei stadtnahen Wäldern kommt es zu Rückmeldungen aus der Bevökerung“, erklärt der Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten. Man könnte also meinen, Tobias Gebers als Revierleiter der Försterei Spange sollte sich in den nächsten Tagen auf etwas gefasst machen.

In der südlichen Ahe – ein Teil von Gebers Revier – hat am Montag die Holzernte begonnen, um einen Teil der dortigen Waldbestände zu pflegen. Die südliche Ahe grenzt direkt an das Gebäude des Forstamtes Rotenburg im Osten und liegt zwischen der Bahnlinie im Norden sowie der Wümme im Süden. Die Waldflächen werden gerne von Wanderern, Joggern, Fahrradfahrern und anderen Naturliebhabern aufgesucht.

Tobias Gebers

Sie alle müssen bis voraussichtlich Ende dieser Woche mit gewissen Einschränkungen leben und werden um Vorsicht gebeten. Die Arbeitsbereiche sind deutlich sichtbar abgesperrt – damit nichts passiert.

Pflege des Waldes auf der einen, Holzernte mit zu erfüllenden Lieferaufträgen auf der anderen Seite: Ist das nicht ein Widerspruch? „Nein“, sagt Tobias Gebers. Die Pflege des Waldbestandes beruhe auf einer Inventur, die alle zehn Jahre vorgenommen wird. Daraus ergeben sich zu erwartende Ernteerträge – und am Ende damit auch Vereinbarungen mit den Abnehmern des Holzes.

Im Fall dieser etwa 16 Hektar großen Fläche geht es in erster Linie um Nadelholz, sagt der Revierförster. Kiefern, Fichten und Douglasien, aber auch Lärchen lässt er entnehmen. Und das mitten im Winter. „Die äußeren Bedingungen könnten kaum besser sein“, freut sich Gebers über den hart gefrorenen Boden. „Dadurch halten sich die Schäden in Grenzen“, fügt er hinzu. Schäden, für die die Erntemaschine, der Harvester, aber auch die Transportfahrzeuge sorgen.

Torsten Diercks zeigt den Greifarm des Harvesters.

Es ist bitterkalt an diesem Montagnachmittag, aber Torsten Diercks aus Walsrode, der den Harvester bedient, als sei es ein Kinderspiel, hat es angenehm warm in seiner Fahrerkabine. Er weiß genau, was zu tun ist. Die zu entnehmenden Bäume sind markiert, und eine Übersicht gibt ihm vor, welche Stammstärken auf welche Längen zu schneiden sind. Das alles geschieht in einem Abwasch. Gleich nach dem Fällen zieht der Greifer den Stamm durch sich durch, um ihn zu entasten und anschließend auf Maß zu schneiden. „Bis zu 100 Festmeter schaffe ich am Tag“, sagt er, während er neben einem der acht großen Reifen seiner Maschine steht.

Der Harvester im Einsatz bei der Arbeit in der Ahe.

Das alles muss möglichst schonend stattfinden. Schließlich basiert die Arbeit auf einem Plan, den Gebers zuvor angelegt und zu Papier hat. Etwa 30 Festmeter pro Hektar werden es am Ende sein, die in der Holzverarbeitung landen. Die Landesforsten bieten Holz unterschiedlicher Qualitäten. Mal dient es als Brennholz, mal für den Bau von Paletten, als Bauholz oder in der Möbelproduktion.

Knut Sierk

Der Wald – er ist eben nicht nur Lebens-, sondern auch Wirtschaftsraum – und zugleich Erholungsraum für die Menschen. Pflege und Ernte sind in einer gesunden Balance zu halten, erklärt Knut Sierk. Er betont, dass es nicht zu einer Rodung komme, sondern es sich um „Einzelentnahmen“ handelt.

Tobias Gebers unterstreicht das. Die Bewirtschaftung der Wälder erfolge nach den Grundsätzen der langfristigen ökologischen Waldentwicklung. Dabei sei es wichtig, die anstehenden Holzerntearbeiten mit den Naturschutzaspekten und den Freizeitinteressen der Bevölkerung in Einklang zu bringen. „Ich fördere durch die gezielte Entnahme einzelner Bäume oder Baumgruppen das Wachstum der verbleibenden Bäume. Die Bäume entwickeln größere Kronen, sind damit stabiler und vitaler und können sich besser gegen äußere Einflüsse wehren. Gleichzeitig entnehme ich instabile Bäume entlang der Wege, von denen eine potenzielle Gefahr ausgehen könnte.“ Gefahr besteht auch in diesen Tagen: Abgesperrte Waldwege dürfen wegen fallender Bäume und Kronenteile während der Erntearbeiten nicht betreten werden.

Gefällt, entastet, geschnitten, markiert – abholbereit.

Gebers will die Menschen dabei bewusst mitnehmen. Daher hat er nicht nur für Absperrungen, sondern auch für Info-Tafeln gesorgt, die ein paar Erklärungen für das liefern, was da im Wald geschieht. Gut möglich also, dass ihn am Ende nicht ein einziger besorgter Anruf erreicht.

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