Serie „Digitales Leben“

Betreuung der Diako-Patienten seit Ende 2016 technisch voll abgesichert

+
Wenn Krankenschwester Lena Böhling im Dienst ist, gehört das iPad immer dazu. „Ich kenne das gar nicht anders“, sagt sie und scannt ein Medikament ein.

Rotenburg - Von Henrik Pröhl. Wenn seit Wochen in dieser Zeitung das Thema Digitalisierung behandelt wird, kommt man um das Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg kaum herum. Und richtig, dort ist man auf alles vorbereitet, arbeitet längst in einem Team an diesem Prozess der Umwandlung.

Doch was bedeutet überhaupt Digitalisierung? Wikipedia sagt: Umwandlung von analogen Signalen in diskrete Werte. Hört sich geheimnisvoll an, und tatsächlich geht es vor allem im Krankenhaus um Diskretion, anders formuliert: um Datenschutz.

Zunächst ermöglicht Katharina Knoop, Referentin für Marketing und Kommunikation, überhaupt die Kontaktaufnahme für die Presse und organisiert ein Treffen mit dem Bereich Unternehmensentwicklung und Qualität. Und so steht Stefanie Raber, Prozess- und Projektmanagement, zur Verfügung. Sie und Frau Knoop geleiten wissbegierige Redakteure über Wirtschaftshöfe und durch das weiträumige Keller-Geschoss in die zweite Etage. 

Hier warten bereits Olaf Schindler und Björn Müller vom Bereich Unternehmensentwicklung und Qualität. Beide kommen „von der Basis“, wie sie sagen, haben ursprünglich Krankenpflege gelernt und sind seit mehr als 20 Jahren im Haus. Zusammen erarbeiten die drei also, was machbar und digital nötig ist für das Diako. „Wir kommen zusammen auf 60 Jahre Berufserfahrung“, verrät Björn Müller. 

Wenn das keine gute Voraussetzung ist! Und die drei sind bestens vorbereitet auf Leute, die es wissen wollen. Eine Computerpräsentation gibt eindrücklich Auskunft über das gesamte Haus. Kostprobe gefällig? Rund 800 Betten, etwa 185.000 Patienten im Jahr, rund 33.000 stationär, 150.000 ambulant behandelt, mehr als 1 110 Geburten. Noch nicht genug gestaunt? Mehr als 2500 Mitarbeiter insgesamt.

Umstellung von Februar bis Dezember 2016

Dass so ein großes Haus auf Digitalisierung angewiesen ist, leuchtet ein. Stefanie Raber hebt deutlich hervor: „Es ist in der IT-Abteilung bei uns im Haus ganze Arbeit bei der Umwandlung geleistet worden. Die digitale Umstellung aller 16 Kliniken des Krankenhauses lief von Februar bis Dezember 2016“, erklärt sie. Kollege Schindler greift zu einer prallen Krankenakte in DIN A4 - freilich nur als Muster –, wie sie noch vor wenigen Jahren zum Einsatz kam. 

„Die ist fast gänzlich überflüssig geworden, enthält nur noch externe Befunde und Dokumente, die eine Unterschrift benötigen“, sagt er lapidar. „Alles ist hier drin“, ergänzt Björn Müller und greift zu einem iPad, nicht mal so groß wie ein kleines Schulheft. „Hier laufen alle Daten zusammen, die während des Aufenthaltes eines Patienten über ihn gesammelt werden.“ Und er zeigt, was der kleine Touch-screen alles hergibt: neben Personen-Daten Befunde, Vitalzeichen, Visiten- und Verlaufsdokumentation. „Aktuell sind hier 450 iPads und 20 mobile Visitenwagen im Einsatz“, sagt Schindler.

Stefanie Raber, Olaf Schindler und Björn Müller sind die Fachleute in Sachen Digitalisierung am Diako in Gesellschaft eines mobilen Visitenwagens. Und ihr treuer Begleiter ist das iPad, ein Alleskönner, der sich unverzichtbar gemacht hat.

Wie aber wird eine solche technische Neuheit eigentlich im Hause aufgenommen? Nicht jeder Mitarbeitende wird sofort „hurra“ geschrien haben. Es gibt schließlich auch PC-Muffel. „Klar, es gab nicht nur Begeisterung“, gesteht Schindler. „Skepsis kam anfangs hier und da aus allen Altersklassen und Bereichen. „Ich selber“, erzählt Müller, „wurde an meinem damaligen Arbeitsplatz auf Station von einem Tag auf den anderen mit dem iPad konfrontiert. Da musste ich einfach ran und durch. Ging aber nach einigem Hin und Her.“ 

Raber: „Es sind die Vorteile, die bei der Digitalisierung überwiegen und letztlich überzeugen.“ Und die Projektmanagerin zählt auf: „Der Datenschutz ist gewährleistet, die Zugriffsmöglichkeiten auf das jeweilige Programm kommen aus allen Bereichen, sodass eine doppelte Buchführung vermieden wird.“ Schindler ergänzt: „Eine berufsgruppenübergreifende Dokumentation ist viel besser möglich, die den Patienten ganzheitlich erfasst und rundum versorgt.“ „Wir sprechen hier von absoluter Transparenz, kurzen und direkten Dienstwegen, also von Qualitätsverbesserung“, sagt Raber.

Björn Müller setzt noch einen drauf: „Die Medikamentensicherheit ist ab sofort in besonderer Weise in der Klinik für Kinder und Jugendliche gewährleistet. Das funktioniert ab der Aufnahme eines Patienten. Er bekommt einen Strichcode, den er am Armband bis zu seiner Entlassung am Handgelenk trägt. 

Mit dem iPad wird dieser immer wieder abgelesen. So können in der Kinderklinik auch die Strichcodes seiner zu verabreichende Medikamente damit abgeglichen werden. Das iPad macht Irrtümer unmöglich, weil es die Medikation überprüft.“ Man mag aus dem Staunen nicht mehr herauskommen und denkt doch an „1984“ von Georg Orwell. Stefanie Raber gibt Entwarnung: „Die Daten werden nur im Krankenhaus erfasst und gehandhabt, außerhalb unseres W-Lan funktioniert der Daten-Austausch nicht.“ Björn Müller ist in seiner Begeisterung nicht zu bremsen, wenn er sagt: „Die Zusammenfassung von Medikation, Radiologie und Labor macht jeden Ablauf mobil, schneller und sicherer.“

„Die Technik erhöht das Arbeitstempo“

Und die Nachteile? Denn alles hat schließlich seine zwei Seiten. „Zugegeben“, nickt Olaf Schindler, „die Technik erhöht das Arbeitstempo. Das wiederum ermöglicht eine schnellere Behandlung der Patienten.“ Also auch hier wieder zwei Seiten. „Wir haben den Zeitgeist im Diako erkannt und sind bereits zertifiziert“, sagt Björn Müller und zeigt eine Grafik: „Das Electronic Medical Record Adoption Model (Emram) hat unser Krankenhaus mit der Stufe 6 im Digitalisierungsprozess zertifiziert. Damit stehen wir europaweit an der ersten Stelle.“ Respekt.

„Und so ist unser Auftrag für die Zukunft klar“, gibt Stefanie Raber bekannt. „Regelmäßige Schulungen aller Auszubildenden, der Lehrerschaft und neuer Mitarbeiter steht bei uns auf dem Plan. Feedback-Gespräche mit Stationsleitungen und ärztlichen IT-Beauftragten aller Kliniken gehören zu unserem Alltag“, sagt sie. Olaf Schindler spricht vom Lenkungskreise in der Ärzteschaft.

Das Diakonieklinkum ist also bestens aufgestellt. „Einen Nachteil gibt es übrigens noch“, wirft Schindler ein. „Bisher verbrauchen wir noch zu viel Papier. Mag sein, dass wir uns immer wieder absichern wollen.“ „Dabei gibt es für diesen Rückversicherungsdrang eigentlich keinen Anlass“, beruhigt Stefanie Raber. „Alle Daten werden regelmäßig durch unser Ausfall-Konzept gesichert und abgespeichert.“

Nach einer knappen Stunde und dem Foto auf Station ist der Besuch im Diako absolviert. Zurück bleibt das Gefühl, bestens informiert und betreut worden zu sein, so wie es hoffentlich auch den meisten Patienten gehen mag.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Pechvogel Maas: Dritte Flugzeugpanne in drei Monaten

Pechvogel Maas: Dritte Flugzeugpanne in drei Monaten

Totes Mädchen nach Explosion in Wohnhaus gefunden

Totes Mädchen nach Explosion in Wohnhaus gefunden

Selenskyj löst ukrainisches Parlament auf

Selenskyj löst ukrainisches Parlament auf

Projektstart „Eissel –blühende Insel im Grünen“

Projektstart „Eissel –blühende Insel im Grünen“

Meistgelesene Artikel

Schwerer Verkehrsunfall auf der B75 führt zu Sperrung

Schwerer Verkehrsunfall auf der B75 führt zu Sperrung

Randale im Metronom: Polizei muss aggressiven Mann bändigen

Randale im Metronom: Polizei muss aggressiven Mann bändigen

Unbekannter bewirft Zug mit Stein

Unbekannter bewirft Zug mit Stein

Leiter der Beekeschule wehrt sich gegen geplanten Wärmespeicher-Standort

Leiter der Beekeschule wehrt sich gegen geplanten Wärmespeicher-Standort

Kommentare