Filialnetz bleibt

Alles beim Alten bei der neuen Sparkasse

+
Ulrich Messerschmidt (l.) war Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Osterholz. Nun steht er an der Seite des Vorsitzenden der Sparkasse Rotenburg Osterholz, Reinhard Krüger. Vorstandsmitglied Stefan Kalt (r.) soll 2020 in die erste Reihe rücken.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Für Journalisten ist es meist schwierig, etwas zu melden, was es nicht gibt. Und doch steht genau das beim traditionellen Bilanzpressegespräch zum Mittagessen des größten Kreditinstituts der Region im Mittelpunkt.

Der Vorstand der fusionierten Sparkasse Rotenburg Osterholz möchte vor allem eine Nachricht verbreiten: Für Kunden ändert sich im Grunde gar nichts bei der nunmehr zehntgrößten Sparkasse in Niedersachsen. Kontoführungsgebühren, Ansprechpartner, die örtlichen Filialen und EC-Karten: Alles bleibt beim Alten. 

Während im Hintergrund für die seit dem 1. Januar offiziell vollzogene Fusion ein Jahr lang hart gearbeitet wurde, dürften die rund 130.000 Kunden nur nach und nach etwas von den Umstellungen bemerken. „Das war eine bärenstarke Leistung unserer Mitarbeiter“, sagt Reinhard Krüger, Vorstandsvorsitzender der alten Sparkasse Rotenburg-Bremervörde und nun auch des gemeinsamen Instituts mit der alten Kreissparkasse Osterholz. 

Nur ein paar neue Schriftzüge

Ein paar neue Schriftzüge gibt es, einige doppelte Kontonummern müssen ergänzt werden, ab Oktober müssen sich die Kunden im Landkreis Osterholz an die Rotenburger Bankleitzahl gewöhnen. Aber ansonsten? „Wir bleiben da, wo wir sind“, sagt Krüger. Und sein Vorstandskollege Ulrich Messerschmidt ergänzt: „Wenn man vor Ort regional handelt, ist es egal, wie groß die Sparkasse ist.“

Die in vier Marktbereiche aufgeteilte neue Sparkasse kommt auf 25 Geschäftsstellen und fünf Firmen- und Gewerbekundenzentren, 89 Geldautomaten, 91 Kontoauszugsdrucker und 39 Überweisungsterminals. Und das soll vorerst auch so bleiben. Dass dies allerdings kein Versprechen auf Dauer ist, kommuniziert die Sparkasse mittlerweile offen. 

Krüger: Wenn sich Kosten und Nutzen nicht mehr entsprechen, muss man handeln.“ Fusionsbedingt seien zwar keine Schließungen geplant, aber die Kunden stimmten mit den Füßen ab – ein Großteil des Geschäfts verlagere sich ins Internet, die klassische Dorf-Geschäftsstelle hat es zunehmend schwer.

Hohe Einsparungen möglich

Zehn Millionen Euro jährlich sollen durch die Fusion gewonnen werden. Die eine Hälfte durch die bei solchen Zusammenschlüsseln viel beschworenen „Synergieeffekte“, also durch den Abbau von Doppelstrukturen und Personalreduzierung. Von mehr als 100 Stellen in den kommenden fünf Jahren ist die Rede. Dabei, so Krüger, wird es „keine betriebsbedingten Kündigungen“ geben. „Sozialverträglicher Abbau“ ist das Stichwort, frei werdende Stellen zum Beispiel bei Pensionierungen werden nicht wieder besetzt. 

Dies führt zu einer Arbeitsverdichtung, dessen ist sich der Vorstand bewusst – und reiht sich in seine Mannschaft ein. Wenn die Verträge von Krüger (Oktober 2018) und Messerschmidt (November 2020) auslaufen und sie in den Ruhestand gegangen sind, wird sich auch die Sparkassen-Chefetage auf nur noch zwei Vorstände verkleinert haben. Der Rotenburger Stefan Kalt soll dann als Vorstandsvorsitzender in die erste Reihe rücken.

Investitionen werden ausgebaut

Die andere Hälfte des angepeilten Ertrags soll mit dem Ausbau von Geschäftsfeldern erwirtschaftet werden, die bislang nicht in diesem Maße im Fokus standen. Das seien zum Beispiel Leasing-Geschäfte oder auch Investitionen in Immobilien. Zu nennen sind diesbezüglich neben dem Sparkassenhaus in der Kreisstadt auch Wohnobjekte wie der derzeit in Rotenburg umstrittene Neubau „Wiesenstraße / Pappelweg“. Auch in Sottrum wird eine Investition geprüft, und in Hemsbünde vermarktet die Sparkasse ein neues Baugebiet. Forciert werden soll auch das Kreditgeschäft.

Die Sparkasse müsse den Spagat hinbekommen zwischen den aufsichtsrechtlichen Anforderungen, die gewinnorientiertes Denken nötig machten, und dem am Gemeinwohl orientierten öffentlichen Auftrag. Deswegen bleibe das Kerngeschäft wie gewohnt nah am Kunden, versichert der Vorstand. Kalt: „Wir fangen nicht mit einem Gewürzhandel an.“

747 Mitarbeiter betreuen 130.000 Kunden

Die seit 1. Januar bestehende Sparkasse Rotenburg Osterholz beschäftigt 747 Mitarbeiter in 25 Geschäftsstellen und fünf Firmen- und Gewerbekundenzentren. Davon waren 398 Vollzeit- und 286 Teilzeitmitarbeiter sowie 63 Auszubildende. Weitere Kennzahlen der gemeinsamen Jahresbilanz:

Gewinn: Mit 4,2 Millionen Euro wird ein gegenüber dem Vorjahr leicht erhöhter Jahresüberschuss ausgewiesen, und das trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase. Dieses Geld soll, so schlägt es der Vorstand dem Verwaltungsrat vor, dem Eigenkapital zugeführt werden. Dies wird bei der Sparkasse Rotenburg Osterholz auf aktuell fast 265 Millionen Euro beziffert, was laut Vorstandsvorsitzenden Reinhard Krüger „sehr gut“ sei und Spielräume lässt für „mehr Geschäfte“.

Bilanz: Durch den Zusammenschluss ist die neue Sparkasse mit einer Bilanzsumme von mehr als drei Milliarden Euro zur zehntgrößten Sparkasse in Niedersachsen geworden.

Aktien: Der Wertpapierumsatz beläuft sich auf etwa 285 Millionen Euro. Insgesamt betreut die Sparkasse für ihre Kunden im Wertpapierbereich ein Volumen von 309 Millionen Euro.

Kredite: Im Wohnungsbaukreditgeschäft sind 2017 Kreditzusagen in einer Höhe von rund 184 Millionen Euro erfolgt. Im Privatkreditbereich konnten mehr als 34 Millionen Euro neu vermittelt werden. Die Kreditzusagen an Unternehmen und Selbstständige beliefen sich auf mehr als 160 Millionen Euro.

Einlagen: Die Ersparnisse der Kunden sind 2017 um fast 90 Millionen Euro auf knapp 2,4 Milliarden Euro gewachsen.

Bausparen: Im Jahr 2017 hat die Sparkasse im Bauspargeschäft eine Bausparsumme von fast 100 Millionen Euro an die Norddeutsche Landesbausparkasse vermittelt.

Immobilien: Mit einem Wert von 25,3 Millionen Euro konnten im vergangenen Jahr 169 Immobilien im Geschäftsgebiet vermittelt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Kreisfeuerwehrtag in Morsum

Kreisfeuerwehrtag in Morsum

Tag der offenen Tür am Wildeshauser Wasserwerk

Tag der offenen Tür am Wildeshauser Wasserwerk

Außenminister Maas besucht KZ-Gedenkstätte Auschwitz

Außenminister Maas besucht KZ-Gedenkstätte Auschwitz

Bei der Bewerbung typische Fehler vermeiden

Bei der Bewerbung typische Fehler vermeiden

Meistgelesene Artikel

Maisfeldfete ein großer Erolg

Maisfeldfete ein großer Erolg

Erfolgsgeschichte: Rotenburg kommt beim Stadtradeln auf Platz eins

Erfolgsgeschichte: Rotenburg kommt beim Stadtradeln auf Platz eins

Bötersener Dorfladen: 104 Gesellschafter im ersten Anlauf

Bötersener Dorfladen: 104 Gesellschafter im ersten Anlauf

Kommentare