Alexander Pillath spricht über den „MK-Blätterwald“ und seine Tätigkeit für den Verein „Trinkwasserwald“

„Mit Hand und Herz dabei“

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Alexander Pillath ist als geschäftsführender Vorstand bei „Trinkwasserwald“ tätig.

Scheeßel - Von Inken Quebe. In gut einer Woche, am 16. November, werden im Ortskern von Scheeßel direkt am Schützenhaus viele neue Laubbäume gepflanzt – alles im Sinne der Trinkwasserqualität. Die Mediengruppe Kreiszeitung und der Hamburger Umweltschutzverein „Trinkwasserwald“ wollen mit dem gemeinsamen Projekt „MK-Blätterwald“ für eine bessere Qualität des Wassers sorgen. Was genau dahinter steckt und was sich Alexander Pillath, Gründungs- und Vorstandsmitglied des Vereins, von den Politikern wünscht, hat er im Interview erzählt.

Es gibt den Verein „Trinkwasserwald“ seit 1995. Wie ist die Idee entstanden?

Alexander Pillath: Anfang der 90er Jahre bin ich durch zwei Forstingenieure und gute Freunde, unserem Vorsitzenden Heiner Rupsch und Hans-Hermann Steiger, auf ein interessantes Thema aufmerksam geworden: Wenn man einen Hektar Nadelwald Monokultur, der hauptsächlich aus Kiefern und Fichten besteht, gezielt mit standortgerechten Laubbäumen unterpflanzt, entwickelt sich daraus ein gesunder, standortgerechter Laubmischwald. Dieser generiert und sichert im Bundesmittel pro Jahr und Hektar 800000 Liter mehr sauberes, gutes Grund- beziehungsweise Trinkwasser.

Warum engagieren Sie sich ausgerechnet hierfür?

Pillath: Ich wollte mich im Umweltschutz engagieren, aber regional vor der Haustür. Ich wollte etwas tun, wo ich vor Ort mit Hand und Herz dabei bin.

Was hat sich denn seit den Anfängen an Ihrer Arbeit geändert?

Pillath: Damals sind wir angetreten unter dem Namen „Klimaschutz durch Wald – Wasserschutz durch Wald“, ein furchtbares Namenskonstrukt. Aber wir waren noch nicht so professionell organisiert, dass man das unter Marketinggesichtspunkten gemacht hätte. Im Prinzip geht es uns aber nach wie vor um diese Themen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass wir in unserer Arbeit am meisten durch die Pflanzungen zur Trinkwassererhöhung und -sicherung erreichen. Daher haben wir uns 2002 in „Trinkwasserwald e.V.“ um-benannt.

Ein Projekt ist der Blätterwald. Was hat das mit der ursprünglichen Idee zu tun?

Pillath: Das heißt, zwar nach wie vor Trinkwasserwälder zu pflanzen, aber die Bevölkerung stärker einzubinden, regionale Firmen zu Spenden zu motivieren, die örtlichen Vereine hinzuziehen. Es sind mittlerweile unzählige Gruppen, die bei einem Pflanzfest dabei sind. Wir haben das Projekt „Blätterwald“ von 2007 bis 2013 lokal im Lüneburger Raum durchgeführt, sind dann aber aufgrund des Erfolges seit 2013 norddeutschlandweit mit diesem Projekt engagiert.

Und wie kamen die Medien zu den Aktionen dazu?

Pillath: Mit den nachfolgenden Aussagen mache ich mir sicherlich nicht nur Freunde: Wir haben bei unseren Aktionen festgestellt, dass die Medien relativ wenig darüber berichteten. Wir tun schlichtweg nur Gutes. Bei uns gibt es keine negativen Schlagzeilen. Und der Voyeurismus einiger Boulevard-Medien beziehungsweise eines Teils der Leserschaft wird durch unsere Aktionen nicht befriedigt. Daher haben wir uns gesagt: Wie wäre es, wenn wir die Medien mit ins Boot holen? So ist die Idee über das Synonym „Rauschen im Blätterwald“ mit einem sehr engagierten Redakteur der Lüneburger Landeszeitung, Dennis Thomas, entstanden, Medienpartner zu gewinnen. Als Wertschätzung des Engagements der Medienpartner benennen wir den jeweiligen Blätterwald immer nach dem Partner, in diesem Fall also „MK-Blätterwald“.

Sie haben auch ein paar namhafte Unterstützer in der Wirtschaft...

Pillath: Wir haben uns von Anfang an als Vermittler zwischen Ökonomie und Ökologie verstanden. Es geht uns darum, ein Bewusstsein zu schaffen, ein kleines Samenkorn von gelebter Nachhaltigkeit in den Firmen zu sähen, zu zeigen, wie kann das sukzessiv ökonomisch und ökologisch aufgehen. Wenn nur mit dem erhobenen Zeigefinger auf die Wirtschaft losgegangen wird – es sei denn, es sind umweltschädliche Dinge, die dort passieren, dann ist das absolut unterstützenswert – und gesagt wird „Ihr seid die Bösen“, wird ein notwendiges Umdenken nie erfolgen.

Einer Ihrer Unterstützer ist der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel. Wie ist dieser Kontakt entstanden?

Pillath: Mit unserer Philosophie, also unter anderem sich zu trauen, für wirkliche Lösungen auch mal in Jahrzehnten oder Generationen zu denken, sind wir auch an Verbände herangetreten und mit der Politik in Kontakt gekommen. So sind wir, mit Unterstützung der Lüneburger Landeszeitung, an Stefan Wenzel herangetreten, ins Gespräch gekommen und haben ihm das Projekt erklärt. Es hat ihn interessiert, es gefiel ihm und er unterstützt es als Schirmherr. Auch, um einen Bewusstseinswandel in den Firmen für gemeinsames Umwelt-Engagement voranzutreiben.

Wie viele Blätterwälder gibt es bisher?

Pillath: Von 2007 bis 2013 haben wir das Projekt nur einmal im Jahr durchgeführt, dabei sind sieben Blätterwälder entstanden. 2013/14 kamen überregional dann weitere acht hinzu. Insgesamt konnten wir so allein in diesem Projekt mehr als 85000 Laubbäume pflanzen. Bundesweit sorgen durch die Aktivitäten von „Trinkwasserwald“, bisher mehr als sieben Millionen gepflanzte Laubbäume für die Entstehung von 2300 Hektar Trinkwasserwäldern, entsprechend zusätzlich zwei Milliarden Liter gutes Grundwasser jährlich.

Was hat sich dadurch schon verändert?

Pillath: Wenn wir die reinen Fakten betrachten, dann muss man sich vor Augen führen, dass sich an der Pflanzung der 85000 Laubbäume weit mehr als 1000 Menschen beteiligt haben. Außerdem haben wir durch die Berichterstattung Hunderttausende über das Thema informieren können.

Wie wurde denn konkret in Scheeßel die Fläche ausgewählt?

Pillath: Wir führen diese Maßnahmen in der Regel im Privatwald durch, wobei wir die Flächen zusammen mit dem Förster auswählen und die Auswahl auch mit der Stadtverwaltung abstimmen. Die Privatbesitzer bekommen durch die Aktion im Laufe der Jahre eine höherwertige Kultur. Das ist für sie der angenehme Effekt. Auf der anderen Seite haben wir das Projekt so durchkalkuliert, dass sich durch Pflegemaßnahmen und Wildschutz der Waldbesitzer auch sehr engagieren muss. Es ist finanziell ein Nullsummenspiel. Aber es müssen Waldbesitzer sein, die sagen: „Ich mache das, ich engagiere mich!“.

Was macht diese Fläche so besonders?

Pillath: Sie ist von der Lage her hervorragend. Sie liegt im Trinkwasserschutzgebiet. Es ist eine Fläche, auf der Handlungsbedarf besteht. Diese unsägliche Spätblühende Traubenkirsche, die vor etlichen Jahrzehnten viel gepflanzt worden ist weil man Bäume brauchte, die Brandschneisen sein können, hat sich so verbreitet, dass es mittlerweile eine Plage ist. Sie hat hier keine natürlichen Feinde.

Was erhoffen Sie sich speziell hier?

Pillath: Wenn sie diese Fläche im jetzigen Zustand sehen, dann ist sie komplett mit dieser Traubenkirsche überwuchert. Deswegen wird sie gemulcht und am 16. November mit Laubbäumen bepflanzt. Diese bilden mit der Zeit ein Blätterdach, unter dem die Traubenkirsche nicht mehr anwachsen kann. Das ist einer der angenehmen Effekte, neben dem Hauptziel, dass wir durch die Pflanzaktion auf der Fläche für Scheeßel für 500000 Liter sauberes Trinkwasser pro Jahr zusätzlich sorgen.

Und was erwartet die Besucher am 16. November beim Pflanzfest?

Pillath: Wir starten um 12 Uhr mit einer Begrüßung, die wir relativ kurz halten, also keine Sorge (lacht). Dann gibt es eine kleine Performance von zwei Schauspielern. Die kostümieren sich als Herr Wald und Frau Wasser und bringen den Erwachsenen und Kindern die Effekte unserer gemeinsamen Aktion näher. Danach erfolgt die Einteilung in Pflanzgruppen. Jede Gruppe bekommt einen professionellen Pflanzhelfer aus unserem Verein, der ihnen genau zeigt, wie vernünftig gepflanzt wird. Normalerweise sind dann gegen 15 Uhr alle Bäume gepflanzt. Das Hauptevent ist also die Pflanzaktion – aber vor allem auch Zeit und Raum für Gespräche über den Spaten hinaus zu haben.

Was könnten Politiker tun, um eine Verbesserung des Trinkwassers zu bewirken?

Pillath: Unabhängig von der Situation in Scheeßel wünsche ich mir von kommunalen Politikern, dass bei bestimmten Themen, die unser aller Leben bestimmen, parteiübergreifend geschaut wird. Wir laden bewusst alle Parteien ein. Ich wünsche mir, dass auch in der kommunalen Politik ein Umdenken stattfindet, dass eine gelebte Nachhaltigkeit und eine lebenswerte Welt zum Ziel hat. Wir können unsere Bodenschätze und Ressourcen nicht ins Unendliche ausbeuten. Es ist absehbar, dass es so nicht klappen wird. Es sollte klar werden, dass es um unser aller Welt geht. Die Natur fragt nicht nach Grenzen oder politischen Parteien.

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