Leser fragen – „ExxonMobil“ antwortet

Erdgas-Produktion: „Aktivitäten kein Risiko für das Umfeld“

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Beantworteten die Fragen unserer Leser: Klaus Torp (Pressesprecher,l.), Birgit Schilling (Öffentlichkeitsarbeit) und Harald Kassner (wissenschaftlicher Berater der Geschäftsführung). 

Landkreis  Rotenburg - Von Jens Wieters. Fracking, konventionelle und unkonventionelle Erdgasförderung, Lagerstättenwasser, Abfackeln, Krebs: Alles Begriffe, die in den vergangenen Jahren im Zusammenhang mit der Erdgasproduktion in unserer Region gefallen sind. Zwar haben die Förderkonzerne einige Infoveranstaltungen organisiert, aber dennoch blieben bei vielen Bürgern Unklarheiten. Wir haben unseren Lesern die Möglichkeit gegeben, Fragen an das Unternehmen „ExxonMobil“ zu stellen. Davon wurde reger Gebrauch gemacht. Alle Fragesteller erhielten persönliche Antworten.

Ulrich Röhrs (Schwitschen): Wie lange wird noch Lagerstättenwasser in der Gilkenheide verpresst?

Wir hatten bereits 2015 zugesagt, dass wir künftig den Kreislaufgedanken konsequenter verfolgen und Lagerstättenwasser nur noch in solche Gesteinsschichten versenken wollen, aus denen das Wasser ursprünglich stammt oder in denen natürlicherweise noch Lagerstättenwasser enthalten ist. Aus diesem Grund hat Exxon bereits die ersten Bohrungen verfüllt (Stapel Z1, Grauen Z2, Soltau Z6).

Ziel ist es, bis zum Jahr 2020 auch die übrigen dieser sogenannten Kalkarenit-Bohrungen zu verfüllen; dazu gehört auch die Bohrung Gilkenheide Z1. Damit dies schnellstmöglich geschehen kann, müssen Kapazitäten außerhalb des Kalkarenits erschlossen werden. Daran arbeiten wir.

Dietrich Wiedemann (Soltau): Das schützende Deckgebirge über den Lagerstätten des Söhlinger Gasfeldes ist „durchlöchert wie ein Schweizer Käse“. Welchen Einfluss haben die Erdbeben in Bothel und anderswo auf die Einzementierung der Förderrohre?

Jede Bohrung ist so gesichert, dass Erdbeben ihr nichts anhaben können. Die ineinanderliegenden Rohre sind beispielsweise mit Gummidichtungen ausgerüstet sowie mit Spezialzement und Dickspülung abgedichtet. Diese Abdichtungen sind auf Bewegung ausgelegt, da bei der Förderung durch Druck- und Temperaturschwankungen in der Bohrung sowieso Kräfte auf die Rohre wirken.

Wolfgang Schubert (Schneverdingen): Mich interessiert besonders der Abtransport des Lagerstättenwassers. Bei Pipelines kam es in der Vergangenheit zum Austreten von Lagerstättenwasser. Sind jetzt alle vorhandenen Pipelines und deren Verbindungsmuffen gesichert? Wissen die betroffenen Feuerwehren über den Transport auf Straßen Bescheid und wie ist der persönliche Arbeitsschutz der Feuerwehren und Polizisten gesichert?

Ein Sanierungsprogramm zum Austausch alter Leitungen im Raum Rotenburg wurde 2015 abgeschlossen. Kunststoffleitungen kommen daher für den Transport von Lagerstättenwasser nicht mehr zum Einsatz. Alle Lagerstättenwasserleitungen werden regelmäßig durch Druckprüfungen und Befliegungen überwacht. Seit 2013 hat es keinerlei Leckagen mehr gegeben. Bei der Beförderung von Lagerstättenwasser per Tanklastwagen handelt es sich um Gefahrguttransporte, für die die Feuerwehr Vorkehrungen nach der Feuerwehrdienstvorschrift trifft. ExxonMobil hat im Bereich Söhlingen zuletzt im Juli 2015 ein Training zur industriellen Brandbekämpfung mit den Feuerwehren durchgeführt. Bei diesen Übungen sind insbesondere auch Arbeitsschutzmaßnahmen ein Schwerpunkt.

Birgit Bennecke (Hemslingen): Worauf gründet Ihre Behauptung, dass Quecksilber nicht für die Entstehung von Krebs ursächlich sei und dass von Benzol und der zu Tage geförderten Radioaktivität eine Gefährdung weder in den betroffenen Erdgasfeldern noch bei der geplanten Schadstoffbehandlungsanlage bestehen wird? Haben Sie Emissionsmessungen auf den Förderplätzen durchgängig vorgenommen? Wer verfügt über Daten, die belegen können, dass zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung bestand und bestehen wird?

Es steht außer Frage, dass Quecksilber gesundheitsschädlich ist, es gilt allerdings nicht als krebserregend und kann daher nicht ursächlich sein für die erhöhten Krebsraten im Raum Bothel und Rotenburg. Soweit im Produktionsprozess Radioaktivität auftritt, geschieht dies nur im unmittelbaren Umfeld der Bohrung selbst. Die Mengen sind aber so gering, dass eine Beeinträchtigung von Anwohnern ausgeschlossen werden kann. Dies gilt auch für die Transporte von ausgebauten Teilen, an denen radioaktive Substanzen anhaften können. Diese werden nur von zertifizierten Spediteuren durchgeführt. Hierfür werden lückenlose Dokumentationen gefordert und vorgehalten.

Die Aufsichtsbehörde führt regelmäßig Überprüfungen durch. Anders als Quecksilber ist Benzol krebserregend. Diejenigen, die mit Benzol im Zusammenhang mit der Erdgasförderung am ehesten in Kontakt kommen, sind unsere eigenen Kollegen. Die Berufsgenossenschaft hat bestätigt, dass es in der gesamten Erdgasförderindustrie keinen Fall gibt, in dem eine entsprechende Berufskrankheit anerkannt worden wäre. Das ist ein starkes Indiz dafür, dass von unseren Aktivitäten diesbezüglich kein Risiko für das Umfeld ausgeht. Das bestätigen auch die Luftmessungen, die das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie zwischen Juli 2015 und April 2016 durchgehend am Ortsrand von Söhlingen durchführen ließ.

Zusätzlich fanden während drei Fackelarbeiten weitere Messungen statt. Die Ergebnisse zeigen, dass weder für Benzol noch für Quecksilber auffällige Werte ermittelt wurden – diese lagen jeweils mehr als 90 Prozent unter den Empfehlungs- beziehungsweise Grenzwerten. Die Fackeln werden stetig weiterentwickelt.

H. D. Köster (Bremen): Warum vergiften Sie unsere Natur und Mitbürger? Warum destabilisieren Sie unsere Böden und Häuser? Können Sie diese Verantwortung wirklich tragen?

Nicht selten begegnet uns der Vorwurf, wir würden skrupellos Umwelt und Gesundheit anderer zugunsten des eigenen Profits opfern. Was dabei leider häufig in Vergessenheit gerät: Profit können wir nur machen, wenn es einen Markt für unser Produkt gibt. Fast jeder von uns allen nutzt täglich Erdgas. Sei es zum Heizen, Kochen oder wenn wir Strom nutzen. Wer ein Erdgas-Auto fährt, gilt gar als Umweltschützer. Dieses Erdgas muss auch gefördert werden.

Wir sind überzeugt, dass es kaum einen Ort auf der Welt gibt, in dem Erdgas sicherer gefördert wird als hierzulande. Höchste Sicherheitsanforderungen und eine Industrie mit viel Erfahrung tragen dafür Sorge. Sind wir deshalb vor Fehlern gefeit? Nein, wie bei jeder industriellen Tätigkeit können Fehler auftreten. Es ist unsere Verantwortung, dafür Sorge zu tragen, dass mögliche Schäden so gering wie möglich sind und vor allem vollständig beseitigt werden.

Viele unserer Kollegen leben mit ihren Familien vor Ort in den Fördergebieten. Sie haben genauso wie alle anderen auch ein Interesse daran, dass die Umwelt geschont und die Gesundheit geschützt wird. Das ist unser Anspruch und unsere Verantwortung.

Dieter Szczesny (Stapel): Große Teile der Bevölkerung fordern seit Jahren, dass auf Fracking verzichtet werden soll. Warum halten Sie trotzdem daran fest? Das Verbrennen fossiler Energien trägt bereits heute zur Erderwärmung und den Folgen bei. Warum engagieren Sie sich nicht stattdessen an dem weiteren Ausbau nachhaltiger Stromprodukte?

Fracking ist kein Selbstzweck, sondern Teil des Erdgasförderprozesses – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Jeder, der Erdgas nutzt, nutzt auch Erdgas, das dank Fracking gefördert wurde. Wer kein Fracking will, kann nicht zugleich für Erdgas sein. Wir sind überzeugt, dass Erdgas in den nächsten Jahrzehnten einer der wichtigsten Energieträger bleiben wird. Gerade unter Klimagesichtspunkten: Denn die Erneuerbaren können bisher nur gut zehn Prozent des deutschen Energiebedarfs decken. Das heißt, fast 90 Prozent der Energie muss anderweitig bereitgestellt werden. Wichtigster Helfer dabei: die Energieeffizienz.

Darüber hinaus aber bleiben Kernenergie, Kohle, Öl und Gas. Erdgas hat dabei eine Reihe von Vorteilen, gerade unter Klimaschutzgesichtspunkten. Das zeigen unter anderem die Entwicklungen in den USA: Durch den zunehmenden Wechsel von Kohle zu Gas konnten die Vereinigten Staaten ihre Kohlendioxid-Emissionen erheblich verringern. In Deutschland ist dies in den vergangenen Jahren noch nicht gelungen. Auch wenn Erdgas weiterhin eine große Rolle spielen wird, heißt das nicht, dass wir Berührungsängste mit den Erneuerbaren hätten.

Im Gegenteil: Windenergie ist beispielsweise ein sehr attraktives Geschäftsfeld. Denn auch die Erneuerbaren verwandeln sich nicht ganz von allein in Strom oder Wärme, es braucht technische Verfahren, Motoren und damit: Schmierstoffe. Damit die Rotoren auch unter extremen Witterungsbedingungen zuverlässig und möglichst wartungsarm ihre Runden drehen, braucht es spezielle Fette und Öle. Und so stecken „ExxonMobil“-Produkte weltweit in etwa jeder zweiten Windkraftanlage. Kurz: Wir schmieren die Windkraft.

Fred Patzer (Rotenburg): Wie oft ist die Rotenburger Rinne durchbohrt worden und an welchen Punkten? Ist unser Trinkwasser dadurch gefährdet?

Die Frage ist schwer zu beantworten, da es nur eine grobe Darstellung der Rotenburger Rinne gibt und wir uns nur auf die von „ExxonMobil“ durchgeführten Bohrungen beziehen können – das sind zwischen Sottrum und Scheeßel sowie Kirchwalsede und Elsdorf zwei. Dabei liegen sowohl die Bötersen Z11 südlich von Bötersen als auch die Ahausen Z1 zwischen Ahausen und Unterstedt (diese Bohrung hat nie produziert und soll verfüllt werden) im Randbereich der Rotenburger Rinne.

Eine Gefährdung der Rotenburger Rinne besteht nicht, da die Bohrungen untertage mit mehreren ineinanderliegenden Rohren sowie Spezialzement-Schichten gesichert sind. Außerdem finden regelmäßig Kontrollen statt. Erst im Mai lobten Vertreter der Siedlungswasserwirtschaft Niedersachsen in der Kreiszeitung das Rotenburger Trinkwasser als Qualitätsprodukt.

Gerd Schnakenwinkel (Rotenburg): Welche Stoffe in welcher Menge entstehen bei Abfackelungsarbeiten (kalt und heiß) und entstanden vor dem Einsatz moderner Filtersysteme? Warum stellen Sie die Rolle von radioaktiven Stoffen stets verharmlosend dar, obwohl in den letzten drei Jahren durchschnittlich etwa 147 Tonnen feste radioaktive Stoffe pro Jahr im Betriebsbereich Söhlingen anfielen – offensichtlich ohne gasförmige?

Zur ersten Frage: Fackelarbeiten finden statt, damit Erdgas bei Wartungsarbeiten nicht unverbrannt in die Umwelt gelangt. Bei den für diese Arbeiten eingesetzten mobilen Heißfackeln tragen Quecksilberabscheider (Aktivkohlefilter) dafür Sorge, dass die Grenzwerte zur Reinhaltung der Luft für Quecksilberemissionen eingehalten werden. Es findet ein regelmäßiges Monitoring der Aktivkohlefilter statt, bei der die Funktionsfähigkeit überprüft wird. Ausgetauschte Aktivkohle wird den Vorschriften entsprechend von Fachfirmen entsorgt.

Im Jahr 2015 sind im Betriebsbereich Söhlingen durch Fackelarbeiten Kohlenmonoxid (CO) von rund elf Tonnen, Kohlendioxid (CO2) von zirka 3500 Tonnen sowie Stickoxide (NOx) von rund einer Tonne emittiert worden. Zur zweiten Frage: Im Zusammenhang mit der Förderung von Erdgas können Rückstände anfallen, die natürlich vorkommende schwach radioaktive Stoffe enthalten.

Die Entsorgung erfolgt nach Genehmigung unter Aufsicht der zuständigen Aufsichtsbehörde und über zertifizierte Unternehmen gemäß der gesetzlichen Bestimmungen. Die Richtwerte der Strahlenschutzordnung zum Schutz von Umwelt und Mensch werden deutlich unterschritten. Die Strahlendosis beim Umgang und Transport der Stoffe ist vergleichbar mit der eines Atlantikflugs. Das Gewicht von festen radioaktiven Stoffen von rund 110 Tonnen in 2015 kommt dadurch zustande, dass es sich um schweren Metallschrott handelt, an dem radioaktive Ablagerungen haften.

Willi Reichert (Schwitschen): Neben den werktäglich fahrenden Tankzügen die mit Gefahrgutkennzeichen versehen sind, bewegen sich diese Tanklastzüge auch sonntags durch die Stadt zu den Verpressstellen. Auf welcher rechtlichen Grundlage wird hier eine Ausnahmeregelung das Sonntagsfahrverbot für Lkw erteilt und mit welchen Einnahmen ist der zuständige Landkreis an der Erteilung dieser Ausnahmegenehmigungen beteiligt?

Zunächst sei gesagt, dass längst nicht alle Tanklastzüge in dem Bereich für „ExxonMobil“ unterwegs sind. Die Fahrten werden aufgrund von Paragraph 46 der Straßenverkehrsordnung genehmigt. Dabei geht der Erlaubniserteilung eine Dringlichkeitsprüfung voraus. Die Erforderlichkeit der Transporte ist dabei über den gesamten Geltungszeitraum der Genehmigung zu belegen. Wir weisen unsere Transporteure an, nur die nötigsten Fahrten außerhalb der werktäglichen Arbeitszeiten zwischen 7 und 18 Uhr durchzuführen.

Zuständig für Ausnahmen ist die Straßenverkehrsbehörde, in deren Bezirk die Ladung aufgenommen wird oder in deren Bezirk der Antragsteller seinen Wohnort, Sitz oder eine Zweigniederlassung hat. Die Kosten für derartige Anträge sind von Landkreis zu Landkreis unterschiedlich. Über die Verwendung der Einnahmen entscheiden die Kreise.

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