Ahauserin Ragna Reusch-Klinkenberg schnitzt Skulpturen aus Zahnstochern

Aus der Spitze

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So klein sind die geschnitzten Skulpturen.

Ahausen - Von Janet Binder. Für ihre Kunst braucht Ragna Reusch-Klinkenberg nicht viel: Einen Zahnstocher, ein kleines Schnitzmesser und ein bisschen Farbe. Die 51-Jährige setzt die Messerspitze an ein Ende des Holzstäbchens, nimmt da etwas weg, ritzt dort ein bisschen – und in wenigen Minuten hat sie eine acht Millimeter kleine Giraffe erschaffen. Anschließend malt sie die Figur mit einem hauchdünnen Pinsel an. Für ihre Arbeit nutzt sie weder Lupe noch Mikroskop, nur ihre Lesebrille.

Mit ihrer Kunst hat die Holzbildhauerin aus Ahausen im Landkreis Rotenburg nicht nur bundesweit Erfolg. Sie wurde auch schon für eine Ausstellung nach Hongkong eingeladen, noch bis zum 23. Oktober sind ihre Werke in der Sottrumer Volksbank zu sehen.

Aus Zahnstochern hat die 51-Jährige schon so gut wie alles geschnitzt: Wärmflaschen, Pinguine, Katzen, Zahnbürsten, Punks, Damen in Pumps und Dirigenten mit Taktstock. Wer eine Figur in der Hand hält, staunt über die Detailgenauigkeit. Um alles erkennen zu können, braucht der Betrachter gute Augen oder ein Vergrößerungsglas. „Für mich ist das wie stricken“, sagt Ragna Reusch-Klinkenberg. Alles sei nur eine Frage der Technik und der Übung. „Ich habe genauso zittrige Hände wie alle anderen auch.“

Doch nicht nur mit Zahnstochern und Schaschlikspießen arbeitet die Diplom-Designerin, sondern auch mit Bleistiftspitzen. Von einer Agentur bekam sie den Auftrag, für einen Kreativwettbewerb aus Bleistiftminen Politikerporträts zu schnitzen – von Sigmar Gabriel bis Angela Merkel. Und sie macht dabei die Erfahrung: „Graphit lässt sich toll in jede Richtung bearbeiten.“ Die filigranen Arbeiten wurden im Internet veröffentlicht, bald darauf meldete sich bei ihr eine Eventmanagerin, die sie nach Hongkong einlud. Dort sollte sie in einer Schau Bleistiftköpfe von chinesischen Politikern von Mao Tsetung bis Hu Jintao zeigen.

Schon als Kind hatte Ragna Reusch-Klinkenberg stets ein Messer dabei. In der Schule schnitzte sie Figuren aus Radiergummis, während ihres Studiums nahm sie kleine Astgabeln. Irgendwann hatte sie die Idee, Holzwäscheklammern zu bearbeiten. Daraus entstanden Miniaturen, auch auf Kunsthandwerkermärkten verkaufte und schnitzte sie die kleinen Figuren. „Einmal hatte ich meine Wäscheklammer-Rohlinge vergessen, fand aber Zahnstocher in meiner Tasche.“ Sie probierte aus, damit zu arbeiten – und es klappte auf Anhieb.

Doch die Künstlerin kann nicht nur klein, sondern auch groß. Mit der Kettensäge kreiert sie mannshohe Skulpturen – ähnlich wie die in Miniatur. „Vom Großen zum Kleinen zu wechseln, ist kein Problem“, sagt die 51-Jährige.

Auch aus Eis oder Lebensmitteln stellt die Bildhauerin immer mal wieder Skulpturen her. „Aus Bananen kann man wunderbar Frauen schnitzen“, sagt sie. Mit Käse arbeitet sie ebenfalls gern. Verkaufen lässt sich das eher nicht – im Gegensatz zu den Zahnstochern. Aus den Stäbchen kann sie zudem Dinge schnitzen, die nur im Kleinen ihre Wirkung entfalten. Eine Waschmaschine zum Beispiel oder einen ausschließlich mit einem Trenchcoat bekleideten Mann. „Einen Exhibitionisten würde ich in groß nie machen – klein aber ist er skurril“, sagt die Künstlerin.

dpa

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