Auch zwei Assistenzärzte müssen gehen

Chefarzt der Rotenburger Kinderklinik Jens Siegel angeklagt - und nun entlassen

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Wegen Totschlags durch Unterlassen klagt die Staatsanwaltschaft Dr. Jens Siegel an. Das Diako entlässt ihn.

Das Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg hat sich am Mittwoch fristlos von seinem Chefarzt der Kinderklinik, Dr. Jens Siegel, sowie zwei Assistenzärzten getrennt. Das bestätigt Matthias Richter als theologischer Direktor des Krankenhauses auf Anfrage der Kreiszeitung.

Rotenburg – Die Staatsanwaltschaft Verden hat am 26. Juni den Chefarzt sowie zwei seiner Assistenzärzte wegen Totschlags durch Unterlassen zur Schwurgerichtskammer des Landgerichts Verden angeklagt. Das teilt Martin Schanz als Sprecher der Staatsanwaltschaft mit. Eine Entscheidung des Gerichts über die Eröffnung der Hauptverhandlung liege noch nicht vor, erklärt er. Dennoch hat das Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg schon jetzt Konsequenzen gezogen und die drei Ärzte fristlos vor die Tür gesetzt.

Es geht um den Tod eines 14-jährigen Jungen aus Rotenburg im April des vergangenen Jahres. Dieser war laut einer Meldung der Rotenburger Polizei vom 19. April 2018 nachmittags mit seinem Fahrrad auf dem Gehweg an der Straße Schäfergarten in Rotenburg gestürzt und mit dem Kopf auf ein Rasenstück geprallt. Im Polizeibericht heißt es dazu weiter: „Nach Einlieferung ins Agaplesion Diakonieklinikum verstirbt er letztendlich am Mittwochmorgen aus bisher unbekannten Gründen.“

Junge mit Schädelverletzung in Rotenburg eingeliefert

Markus Schanz teilt gegenüber der Kreiszeitung mit, dass der Junge nach seinem Sturz mit einer Schädelverletzung in die chirurgische Ambulanz des Klinikums eingeliefert worden sei. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft weiter: „Die Schwere der Verletzungen wurde von den Angeschuldigten als behandelnde Ärzte vorwerfbar trotz entsprechender Anzeichen nicht richtig eingeschätzt. Der Junge verstarb am Folgetag aufgrund von Einblutungen in den Schädel.“

Knapp zwei Monate nach der Anklage sind die Ärzte nun ihre Jobs los. „Das war eine schwere Entscheidung“, schreibt Matthias Richter am Donnerstag in einer hausinternen Mail, die der Redaktion vorliegt. Die Krankenhausleitung habe aber keine Alternative zu dieser Trennung gesehen, die „selbstverständlich unter Anhörung der Betroffenen und der Mitarbeitervertretung erfolgte“, heißt es darin weiter. 

Diakonieklinikum will zu Aufklärung beitragen

Von den im Raum stehenden Vorwürfen sei das Diakonieklinikum tief betroffen, teilt Matthias Richter auf Anfrage mit. Die Krankenhausleitung habe den Angehörigen die aufrichtige Anteilnahme ausgesprochen und Unterstützung angeboten. Richter weiter: „Das Diakonieklinikum wird alles tun, um zur Aufklärung beizutragen – mit aller Konsequenz.“ Dazu zähle „selbstverständlich auch ein verantwortliches Fehlermanagement“. Die kommissarische Leitung der Kinderklinik übernimmt die Leitende Oberärztin Barbara Gaida.

Der entlassene Chefarzt war für die Redaktion nicht zu erreichen.

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