Wolf Schmidt-Ohmes weist Hinweise zu seiner Vergangenheit zurück – und geht

Der AfD-Kreisvorsitzende wirft das Handtuch

Mit dieser Vorstandsmannschaft (v.l.) ist der AfD-Kreisverband im vergangenen Jahr gestartet: Karsten Hoffmann, Wolf Schmidt-Ohmes, Jörn König, Petra Wippermann, Rainer Sommermann, Matthias Kröger, Oliver Toedter, Wolf-Dieter Anders und Thomas Ossadnik.

Rotenburg - Von Guido Menker. Wolf Schmidt-Ohmes ist aus der Alternative für Deutschland (AfD) ausgetreten und somit ab sofort auch nicht mehr Kreisvorsitzender der Partei. Das erklärte der 72-Jährige in einer E-Mail an die Rotenburger Kreiszeitung. Hinweise zu seiner Vergangenheit weist er zugleich zurück. „Hierbei handelt es sich um Lügen und Unwahrheiten, zu denen ich keine Stellung nehme“, schreibt er. Die AfD und die Kreiszeitung haben Informationen und Hinweise erreicht, wonach der Kreisverband-Vorsitzende eine NPD-Vergangenheit im nordrhein-westfälischen Solingen während der 70er-Jahre haben soll.

„Der Parteiaustritt ist vom Bundesverband bestätigt“, teilte der AfD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Karsten Dustin Hoffmann, am Dienstag am späten Nachmittag mit. Er selbst wisse von den Vorwürfen. Sie hätten ihn in der vergangenen Woche per E-Mail von einer Ex-Frau Schmidt-Ohmes’ erreicht. „Ich habe der Frau zurückgeschrieben, aber danach keine Antwort mehr von ihr erhalten“, so Hoffmann weiter, der daraufhin den Kreisvorstand informiert habe, nicht aber den Kreisvorsitzenden. Damit hätten er und die Kollegen solange warten wollen, bis es eine Antwort von der Frau gibt, von der sich Hoffmann Belege oder zumindest weitere Informationen versprochen hatte.

Die Kreiszeitung ist anders mit den Informationen und Hinweisen umgegangen. Nicht einmal eine Stunde, nachdem ihn eine E-Mail mit einer Reihe von Fragen erreicht hatte, hat der AfD-Kreisvorsitzende am Dienstag knapp geantwortet. Wer, wenn nicht er selbst, sollte erklären, ob an den im Raum stehenden Hinweisen zu seiner Vergangenheit etwas dran ist. Schmidt-Ohmes spricht von Lügen und Unwahrheiten – und geht. „Bei mir geht er nicht ans Telefon“, so Hoffmann auf die Frage, ob sich der 72-Jährige ihm gegenüber erklärt habe.

NPD-Mitglieder fliegen raus

Wie geht die AfD eigentlich grundsätzlich mit Mitgliedern um, denen eine NPD-Vergangenheit nachgewiesen werden kann? „Dann leite ich ein Parteiausschlussverfahren ein“, sagte Hoffmann mit Blick auf den eigenen Kreisverband. Der Kreistagsabgeordnete: „Wer einmal der NPD angehört hat, hätte nicht aufgenommen werden dürfen. Außerdem hätte dieses Mitglied uns belogen.“ In seinem Brief an die Frau, die die Hinweise an die AfD geschickt hatte, schrieb Hoffmann: „Sie wissen, dass man in Menschen nicht hineinschauen kann. Herr Schmidt-Ohmes hat bei seiner Vorstellung einen guten Eindruck hinterlassen und ist deswegen gewählt worden.“

In einer neuen Partei, in der sich im Grunde kaum jemand kenne, sei das wohl nichts Ungewöhnliches, erklärte er auch im Gespräch mit der Kreiszeitung. Daher hätten ihn „die Informationen“ auch „erschrocken“, schreibt Hoffmann weiter an die Informatin. Und: „Ich kann Ihnen versichern, dass ich ein großes Interesse habe, Mitglieder mit NPD-Vergangenheit aus unserer Partei auszuschließen. Sie werden aber verstehen, dass ich aufgrund einer E-Mail noch keine Maßnahmen einleiten kann.“

Gefängnisstrafe verbüßt?

Die Frau hatte schriftlich weitere Hinweise für die AfD parat, die Hoffmann allerdings etwas anders gewichtet. So soll Schmidt-Ohmes zu Beginn der 70er-Jahre eine Gefängnisstrafe verbüßt haben. Bestätigt ist auch das nicht.

Gerade einmal neun Monate nach der Gründung des Kreisverbandes steckt die AfD im Landkreis Rotenburg in einer Krise. Zwar ist Karsten Dustin Hoffmann einer der drei Stellvertreter und zudem einer der Initiatoren zur Gründung eines Kreisverbandes in Rotenburg gewesen, aber: „Ich nicht!“ Soll heißen: Er stehe für eine Wahl zum Kreisvorsitzenden solange nicht zur Verfügung, wie Björn Höcke – umstrittener AfD-Landesvorsitzender in Thüringen – noch der Partei angehört. Hoffmann: „Diese Geschichte liegt für mich im Weg.“

Mit Blick auf Wolf Schmidt-Ohmes versäumt es Karsten Dustin Hoffmann allerdings nicht, darauf hinzuweisen, dass dieser einen „freundlichen und netten Eindruck“ gemacht habe. Hoffmann habe nur gewusst, dass der Kreisvorsitzende einmal für „Die Unabhängigen“ engagiert gewesen sei. „Das erschien mir unverdächtig, und er ist bei uns auch nicht durch NPD-nahe Themen aufgefallen.“ Dennoch stellt Hoffmann in seiner E-Mail an die Informantin fest: „Dass Herr Schmidt-Ohmes einen nicht ganz einfachen Charakter hat, ist mir mittlerweile auch aufgefallen.“

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