Kreisvorsitzende strebt Bundestags- und Kreistagsmandat an

AfD: Kaiser will kandidieren

Marie-Thérèse Kaiser will in den Bundestag.
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Marie-Thérèse Kaiser will in den Bundestag.

Die Vorsitzende des AfD-Kreisverbandes Rotenburg, Marie-Thérèse Kaiser aus Sottrum, strebt im September nicht nur ein Direktmandat bei der Bundestagswahl, sondern voraussichtlich auch eine Kandidatur bei der Wahl zum Kreistag an. Das hat die 24-Jährige auf Anfrage der Rotenburger Kreiszeitung mitgeteilt. Mit dem Versuch, einen Platz auf der AfD-Landesliste für die Bundestagswahl zu ergattern, war sie im Dezember gescheitert.

  • Kaiser will auch in den Rotenburger Kreistag.
  • Verbindung zu Rechtsextremen? Diesen Vorwurf weist sie zurück.
  • Rotenburger AfD-Ratsherr tritt nicht wieder an.

Rotenburg – Die AfD hat sich ausschließlich für Männer auf der Landesliste entschieden. „Das ist schade“, sagt die 24-Jährige, die als Sekretärin beschäftigt ist. Sie habe dennoch Vertrauen in die Partei. Nun also strebt sie das Direktmandat an – und zwar im Wahlkreis „Stade I / Rotenburg II“. Für den Wahlkreis „Rotenburg I / Heidekreis“ werde noch ein Kandidat gesucht.

Mit welchen und wie vielen weiteren Kandidaten die AfD bei den Kommunalwahlen – die finden ebenfalls im September statt – im Landkreis Rotenburg an den Start geht, sei insgesamt noch offen. „Wir haben bereits erste Zusagen, und es gibt noch weitere Interessenten, die darüber nachdenken“, sagt Kaiser. Insgesamt habe sie noch keinen Überblick. Es ließe sich bis jetzt nur sagen, dass die AfD mit Kandidaten nicht nur für den Kreistag, sondern auch für mehrere (Samt-)Gemeinde und Stadträte antreten wird. Ihre Mutter Andrea kandidiert in Sottrum. Weitere Namen gibt es derzeit nicht – letztendlich müsse darüber eine Aufstellungsversammlung entscheiden, die allerdings noch nicht terminiert sei. „Das ist ja angesichts der aktuellen Lage auch etwas schwierig.“

Das „Gesicht“ der Partei

Kaiser ist seit etwas mehr als anderthalb Jahren Kreisvorsitzende der AfD – und zugleich bundesweit bekannt als „Gesicht“ der Partei. Sie modelt und ist auf zahlreichen Fotos sowie in Kampagnenvideos der AfD zu sehen. Ein Job, den sie nicht nur gerne macht, sondern an dem sie auch festhalten möchte. „Ja, ich will mich weiterhin für die Partei einsetzen“, erklärt sie. Die AfD sei schließlich die einzige Alternative, um einen Richtungswechsel in der Politik zu erreichen. Klingt nach Protest. „Nein, das hat nichts mit Protest zu tun – es geht um inhaltliche Fragen.“

Dabei allerdings werden Marie-Thérèse Kaiser Kontakte zur rechtsextremen Szene nachgesagt. Da drängt sich die Frage auf, ob das auch der Grund dafür ist, dass ihr Instagram-Account inzwischen geschlossen wurde. Ein Grund dafür, sagt sie, sei ihr nicht mitgeteilt worden. „Bei einem Verstoß gegen die Gemeinschaftsrichtlinien würde es aber angezeigt werden“, fügt sie hinzu. Kontakte zur rechtsextremen Szene bestreitet sie. Man müsse nur einmal schauen, wer so etwas schreibt. Inzwischen hat sie einen neuen Account eingerichtet.

Mit Konsequenzen ist zu rechnen

Kaiser bewegt sich im Namen ihrer Partei an exponierter Stelle. Zugleich sagt sie, es sei für viele Interessenten nicht leicht, für die AfD zu kandidieren, weil immer wieder – auch im beruflichen Bereich – mit Konsequenzen zu rechnen sei. Die junge Frau selbst allerdings geht ganz bewusst den Weg in die Öffentlichkeit – und sieht sich mittlerweile sogar mit klaren Vorwürfen konfrontiert. „Ja, ich komme damit klar.“ Das perle bei ihr ab. Am Wochenende haben Unbekannte ihr Elternhaus und ein Auto davor mit Farbe besprüht.

Bei den Kommunalwahlen 2016 haben drei Kandidaten der AfD den Sprung in den Kreistag geschafft – inzwischen haben sich Karsten Hoffmann, Matthias Kröger und Rainer Sommermann von der AfD gelöst. Im Anschluss firmierten sie im Kreistag zunächst als AFR und jetzt als Freie Konservative. „Darüber mache ich mir gar keine großen Gedanken“, erklärt Kaiser. Die drei Ex-AfD-Fraktionsmitglieder seien immer noch „für uns im Kreistag“. Die Kreisvorsitzende spricht von einer „guten Zusammenarbeit“, von einem „Austausch“ und von einem „guten Kontakt“.

Karsten Hoffmann hat auf Merz gehofft

Er selbst, aber auch Sommermann und Kröger wollen in diesem Jahr bei den Kommunalwahlen nicht mehr antreten, sagt Karsten Hoffmann. „Ich sehe für mich zurzeit keine politische Heimat für eine erneute Kandidatur“, sagt Hoffmann auf Anfrage. Auch Sommermann habe kein Interesse zurzeit, erneut in den Kreistag einzuziehen, Kröger stehe vor dem Umzug in einen anderen Landkreis.

Hoffmann hatte zuletzt auf die Wahl von Friedrich Merz zum neuen Vorsitzenden der CDU gesetzt – mit ihm an der Spitze wären die Christdemokraten möglicherweise auch für ihn interessant geworden, erklärt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Mit Blick auf die bisherige Zeit im Kreistag stellt er fest, dass „niemand wirklich mit uns gesprochen“ hat. „Wir wurden nicht mitgenommen“, sagt er. Dennoch sehe er sich als Teil in der Mitte der Gesellschaft.

Im Rotenburger Stadtrat ist die AfD seit 2016 durch Thomas Ossadnik vertreten. Ein Einzelkämpfer, weil die AfD zwar eigentlich zwei Mandate geholt hatte, aber nur ein Kandidat zur Verfügung stand. „Aus gesundheitlichen Gründen kann ich mir zurzeit eine erneute Kandidatur für den Stadtrat nicht vorstellen“, erklärt der 71-jährige Ratsherr auf Anfrage.

Ein kleines Geheimnis

Marie-Thérèse Kaiser gibt sich im Gespräch mit unserer Redaktion recht aufgeschlossen. Sie ist freundlich und beantwortet fast alle Fragen. Fast. Denn Zahlen, die die Mitgliederentwicklung des AfD-Kreisverbandes dokumentieren, rückt sie nicht heraus. Diese Entwicklung sei positiv. Das müsse reichen. Die genauen Zahlen gehörten nicht in die Öffentlichkeit, findet sie. Eine Erklärung dafür gibt sie nicht.

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