Ärzte bleiben laut

Mediziner laden zur Infoveranstaltung über die Risiken der Erdgasförderung

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Die Hausärzte Christoph Dembowski (l.) und Christiane Qualmann sowie der Umweltmediziner Matthias Bantz laden zu dem Info-Abend in den Buhrfeindsaal ein. 

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Rotenburger Ärzteschaft will weiter Druck machen. Die Risiken durch die Erdgasförderung für das Trinkwasser und die Gesundheit der Menschen in der Region seien einfach zu hoch, um sich auf der mittlerweile seit Februar geltenden Gesetzeslage auszuruhen. „Wir müssen weiter den Mund aufmachen“, sagt Dr. Matthias Bantz als Sprecher der Rotenburger Regionalgruppe der IPPNW (Ärzte in sozialer Verantwortung). Gemeinsam mit der „Ärztevereinigung zur Verbesserung der Gesundheitspflege Rotenburg“ lädt man für den 8. November zu einer Diskussionsveranstaltung in den Buhrfeindsaal des Diakonieklinikums ein.

Zuletzt ist es etwas ruhiger geworden im ewigen Streit um die Folgen der Erdgasförderung. Das wird sich aber schon in absehbarer Zeit ändern. Nachdem das Fracking-Gesetzespaket im Februar in Kraft getreten ist, stehen nun Bohrungen in Norddeutschland in Aussicht. Zum einen soll mit Frac-Maßnahmen die Produktion angeschoben werden, zum anderen müssen Plätze für die Verpressung von Lagerstättenwasser in tieferen Gesteinsschichten hergerichtet werden. Stets dabei im Fokus: Die Bohrung Bötersen Z 11 zwischen Rotenburg und Waffensen, die mitten im Gebiet der riesigen Trinkwassergebiete der Rotenburger Rinne liegt. Betreiber Exxon hat bereits angekündigt, dort fürs Anschieben der Produktion mittels Frac-Verfahren „alle notwendigen Voraussetzungen“ geschaffen zu haben, und auch der Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG) hat mitgeteilt, dass „nach sechs Jahren in der Warteschleife Investitionen in Milliardenhöhe auf Eis“ liegen. Das wolle man auf Basis der neuen Gesetze nun ändern.

Die Rotenburger Ärzteschaft will das so nicht hinnehmen. Die IPPNW um den Umweltmediziner Matthias Bantz hatte Anfang 2016 bundesweit für Aufsehen gesorgt, als sie sich in einem von mehr als 200 Kollegen unterzeichneten offenen Brief an die niedersächsische Landesregierung gewandt und mehr Geld und Studien für Aufklärungsmaßnahmen im Zusammenhang mit Gefahren der Erdgasindustrie gefordert hatte. Man habe sich seitdem gemeinsam mit den Bürgerinitiativen mehr Gehör verschafft, sagt Bantz’ Mitstreiter Dr. Christoph Dembowski. Insbesondere die Sensibilität für die Trinkwassergebiete sei gestiegen. Auch vor dem Hintergrund der Botheler Krebsstudie, die für die Ärzte einen klaren Zusammenhang von Erkrankungen und der Nähe des Wohnorts zu Bohrschlammgruben und Erdgasförderstellen gezeigt hat, dürfe man nicht verstummen. Die Stimmen aus der Region müssten gehört werden. Dembowski: „Hier im Landkreis müssen wir politisch aktiv bleiben, damit die da oben merken, dass die Förderung hier keine Zukunft mehr hat.“

Präzedenzfälle schaffen, die viel Geld kosten

Die große Unklarheit zur Auslegung der Fracking-Gesetze spielt den Gegnern in die Karten, so die Ärzte. Da sogar die Konzerne selbst sagen, bislang nicht so zu können, wie sie eigentlich wollen, setzen die Mediziner aus Rotenburg auf Zeit. Und wenn es dann doch die ersten Anträge gibt, bleibt ja noch der Klageweg, so Dembowski. „Das verzögert die Prozesse in der Gaswirtschaft.“ Man wolle Präzedenzfälle schaffen, die viel Geld kosten. Ob sich der Abbau der letzten Gasreserven dann noch lohne, müsse abgewartet werden. Sich allein auf die Politik zu verlassen, die derzeit nur auf die nächsten Studien zu Krebsgefahren warte, wolle man nicht. Zumal die Wissenschaft längst Antworten zu den Gefahren geliefert habe, die eindeutig seien. Dembowski: „Erdgas ist keine saubere Sache.“

Um das zu verdeutlichen, haben die Mediziner für ihre Veranstaltung am 8. November Dr. Hermann Kruse vom Institut für Toxikologie und Pharmakologie der Universität Kiel und Volker Meyer, Geschäftsführer des Wasserversorgungsverbandes Rotenburg-Land, als Referenten eingeladen.

Die Veranstaltung unter dem Titel „Erdgasförderung: Risiken für Trinkwasser und Gesundheit“ am Mittwoch, 8. November, beginnt um 19.30 Uhr im Buhrfeindsaal des Diakonieklinikums an der Elise-Averdiek-Straße 17. Der Eintritt ist kostenlos.

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