Kreisarchäologie findet 2 .000 Jahre alte Überreste eines Gebäudes 

Das älteste Haus in Rotenburg

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Das Team der Kreisarchäologie Rotenburg beim Ausgraben und Dokumentieren der germanischen Siedlung im Gewerbegebiet Hohenesch.

Rotenburg - Von Inken Quebe. Inmitten der neuen Firmengebäude im Gewerbegebiet Hohenesch in Rotenburg sind die Überbleibsel noch zu sehen: Im sandigen Boden klaffen tiefe Löcher, darin stehen Holzleitern. Das Team der Kreisarchäologie Rotenburg um Stefan Hesse hat dort bei einer Ausgrabung die Reste eines 2. 000 Jahre alten germanischen Hauses entdeckt – das bisher älteste Gebäude Rotenburgs.

Gerade das Gewerbegebiet Hohenesch sei ein häufiges Arbeitsfeld für die Kreisarchäologie. Eine besonders hohe Dichte an Fundstellen und Funden sei bereits ganz in der Nähe bei der Errichtung des Fliegerhorstes 1936 beobachtet worden, schreibt sie. Damals habe es jedoch noch keine funktionierenden Strukturen in der Denkmalpflege gegeben, sodass man nur aus Handskizzen, Berichten und Erinnerungsprotokollen von Beteiligten über die ehemals reiche archäologische Landschaft informiert sei, die damals zerstört wurde.

Zahlreiche Bestattungen und Siedlungsreste der vergangenen Jahrtausende seien den Bauarbeiten zum Opfer gefallen, darunter unter anderem germanische Urnengräber, bronzezeitliche Grabhügel und ein frühmittelalterliches Körpergräberfeld. Das heutige Gewerbegebiet liegt unmittelbar südlich dieser auffälligen Ansammlung von Fundstellen. Immer wieder kämen dort vereinzelte Spuren der regionalen Geschichte zum Vorschein.

Kompletter Grundriss eines Hauses

Die jetzt dort entdeckten Spuren eines Hauses kamen bei den Voruntersuchungen zu einem geplanten Bau zum Vorschein. Es sei ein kompletter Grundriss eines Hauses dokumentiert worden, der anhand der geborgenen Fundstücke wohl in die ersten Jahrhunderte nach Christi Geburt datiert werden könne. „Möglicherweise haben wir hier die Siedlung entdecken können, die ihren Friedhof im Bereich der heutigen Kaserne hatte“, so der Kreisarchäologe Hesse.

So wie diesmal wird die Kreisarchäologie häufig einbezogen. Von etwa 1 000 Bauanträgen, die es pro Jahr gibt, haben fünf Prozent die Auflage, dass sich die Bauherren frühzeitig bei den Forschern melden müssen. Das hat auch einen guten Grund: „Die Funde sind so unscheinbar, dass auch ein gutwilliger Bauherr sie nicht erkennt“, erklärt Hesse. Zwar gehörten Archäologen nicht immer zu den beliebtesten Gästen auf einer Baustelle, jedoch zeige sich in der Regel bald ein Verständnis für deren Belange. „Besonders wenn der Bauherr aus der Region kommt, kann man schnell das historische Interesse wecken“, so Hesse. Aber: Nur bei einem kleinen Prozentsatz der Stellen finden er und seine Kollegen dann auch tatsächlich etwas: „Wir haben meistens 10 bis 15 Fundstellen pro Jahr.“

Verfärbungen im Boden

Das jetzt entdeckte, etwa 2. 000 Jahre alte Haus zeige sich heute nicht mehr anhand von erhaltenem Baumaterial – das sei inzwischen vergangen. Sichtbar seien aber immer noch dunkle Verfärbungen im Boden, die auf ehemalige Pfosten und Wandelemente hinweisen.

Auch vom Boden selbst erhoffen sich Hesse und sein Team weitere Hinweise. Die Kreisarchäologie hat im Bereich des Hauses zahlreiche Bodenproben entnommen, die auf ihren Gehalt an „altem“ Phosphat überprüft werden sollen. „So können wir nähere Aufschlüsse über die Nutzungsbereiche des Hauses und die Lage des Stallteils bekommen“, berichtet Hesse. Es werde noch einige Wochen dauern, bis die Ergebnisse vorliegen.

Von alleine ziehen die Archäologen aber nicht los und suchen nach möglichen Grabungsstätten. „Eine Ausgrabung bedeutet immer auch Zerstörung“, sagt Hesse. Das Team der Kreisarchäologie dokumentiert alles, die Überreste an der jetzigen Fundstätte sind nach der Grabung aber weg. „Die Geschichtsquellen haben wir aber gerettet“, sagt Hesse, „sie wären ansonsten unwiederbringlich verloren gegangen.“

Übrigens: Dass das Haus ein direkter Vorgänger der Siedlung ist, die etwa im 13. Jahrhundert um die Rotenburger Burg herum entstanden ist, glaubt Hesse nicht: „Möglicherweise war zwischendurch überhaupt kein Mensch da.“

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