„Ein rundherum schönes Erlebnis“

Adventsfeier der Rotenburger Werke: Weihnachten bei Luthers

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Große Überraschung – Johannes Gutenberg persönlich schaut zu Weihnachten bei den Luthers vorbei.

Rotenburg - Von Henrik Pröhl. Was da am Dienstag über die Bühne im Haus Niedersachsen in den Rotenburger Werken an der Lindenstraße gegangen ist, lässt sich mit den Worten einer Zuschauerin zusammenfassen: „Es war rundherum ein schönes Erlebnis, tolle Idee, gut durchdacht, schönes Bühnenbild, fröhliche Akteure.“ So war es wohl, als Familie Luther zum Weihnachtsfest einlud.

Das heißt, offizielle Einladungen wurden eigentlich weder von Katharina noch Martin Luther ausgesprochen. Und so überraschten sich die beiden immer wieder gegenseitig, wenn die Mädels, Katharinas Kloster-Schwestern, bei feierlichem Chorgesang in festlich-strengem Ornat einzogen oder Martins Ordensbrüder, seine Jungs, ungebeten zu Gast erschienen. Dass auch Johannes Gutenberg, der Erfinder des Buchdrucks, mit seinen Angestellten und der Druckmaschine im Schlepptau aufschlugen, war nicht nur eine Geschichtsfälschung, sondern vor allem Katharina gar nicht recht. 

Außerdem waren die nicht mal technisch in der Lage, die Speisekarte zu vervielfältigen. Stattdessen kam Luthers deutsche Bibelübersetzung aus dem Drucker. Die Musiker der Band mussten aber gefälligst draußen bleiben, auch wenn Luther sie gern noch an den Tisch gebeten hätte. Dort herrschte schon bald ein fröhliches Chaos. Die ursprünglich mit silbernen Kerzenleuchtern festlich gedeckte Tafel, die zumindest anfänglich an da Vincis letztes Abendmahl erinnern mochte, geriet immer mehr in Unordnung.

Logistik, um 250 Gäste zu versorgen

Dennoch gelang es trotz verbrannter Kekse und dem stets wiederkehrenden Hungergefühl unersättlicher Mönche wieder und wieder, für reichlich Essen nicht nur auf der Bühne, sondern auch für fast 250 Gäste im Saal zu sorgen. Das konnte nur mithilfe der Service-Kräfte und den Mitarbeiterinnen der Küche der Rotenburger Werke gelingen. Sechs Abende lang begleiteten sie mit erstaunlicher Logistik die Adventsfeiern der Werke und sorgten auch dieses Mal für ein Vier-Gänge-Menü. 

70 Akteure aus der evangelischen Fachschule des Diakonissen Mutterhauses und den Rotenburger Werken waren als Bühnenbauer, Techniker, Schauspieler und Chor aktiv für einen unterhaltsamen Weihnachtsabend mit allem drum und dran. Lieder wurden gesungen, kleine Streitigkeiten ausgefochten, Geschenke verteilt, ein großer Weihnachtsbaum gelangte in seiner Dekoration zur Vollendung. Die Nonnen holten zur Überraschung aller mächtig aus und präsentierten eine beachtliche Performance aus „Sister Act“. Da war der Jubel groß.

Luther zeigte sich aber dankbar

Auch eine feierliche Andacht durfte nicht fehlen. Dass sie ausgerechnet von zwei Frauen – Jutta Wendland-Park und Sabine Sievers – gehalten wurde, stieß dem doch konservativen Luther ganz schön auf. Am Ende zeigte er sich aber dankbar. Leider schaffte er es wiederum nicht, noch einmal von seinen 95 Thesen zu erzählen, weil es aus den Reihen der Familie und Gäste immer wieder lauthals hieß: „Nicht schon wieder!“ 

Am Ende gab es ein „Oh, du fröhliches Finale“, zu dem kleine und große Gäste aus dem Saal – auch eine eingeladene Flüchtlingsfamilie war dabei – auf die Bühne kamen, um gemeinsam zu singen. Da hielt es selbst Bürgermeister Andreas Weber nicht mehr auf dem Stuhl, er musste einfach zu Worten des Dankes und Erstaunens ausholen und damit der Zuhörerin vom Anfang beipflichten: „Ein rundherum schönes Erlebnis.“

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