Reisepass reicht nicht - Abflug verpasst

Austauschschülerin bekommt kein Visum für Englandbesuch

Aditi Bhaiyas Reise nach London kann erstmal nicht stattfinden. Foto: msc
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Aditi Bhaiyas Reise nach London kann erstmal nicht stattfinden.

Rotenburg/Scheeßel - Von Michael Schwekendiek. Aditi Bhaiya ist seit einem halben Jahr in Scheessel. Über den Rotenburger Rotaryclub nimmt die 16-Jährige hier an einem Schüleraustausch teil. Zu Weihnachten hat sie von ihrer deutschen Gastfamilie ein besonderes Geschenk bekommen: ein paar Tage London während der Zeugnisferien im Februar.

Die Hauptstadt der Briten ist nicht nur für junge Leute allgemein, sondern besonders auch für ein Mädchen aus Indien, Aditis Heimat, etwas Besonderes. Indien war immerhin bis 1947 britische Kolonie, Englisch eine der vorherrschenden Amtssprachen. Der Rotaryclub Rotenburg hat außerdem seit langem ein Freundschaftsverhältnis mit Rotariern in Hounslow, einem Vorort von London, die zu einem großen Teil aus Indien stammen. Die Vorfreude war also groß bei Aditi und ihrer Gastschwester Peggy Müller-Scheeßel, die sie begleiten wollte. Kleines Problem: eine Inderin braucht ein Visum, da Großbritannien nicht zu den sogenannten „Schengen-Staaten“ gehört, wo das deutsche Visum ausgereicht hätte. Hier hatten sich immerhin 22 Staaten innerhalb Europas mal auf weitgehende Reisefreiheit geeinigt. Nicht so das „Vereinigte Königreich“. Trotzdem war die Einreise ins Land der Linksfahrer meistens kein Problem. Ein gültiger Reisepass reichte, und auch rotarische Austauschschüler aus fernen Ländern hatten bislang keine Probleme. Bislang! Aditi hat nun erlebt, wie es heute bei denen aussieht, die den Austritt aus Europa anstreben.

Visumspflicht bedeutet für sie zunächst einmal: Eine Fahrt nach Berlin. Denn nur dort gibt es das Einreisedokument, nicht etwa, wie bei vielen anderen Staaten, in einem Konsulat - zum Beispiel in Hamburg. Außerdem darf sie als Minderjährige nur in Begleitung eines Erwachsenen vorsprechen, nachdem sie vorher um einen Termin gebeten hat. Ohne Termin kein Visum. Als sie den nach einigen Tagen bekommt, reist sie mit Rotarier Karsten Müller-Scheessel an. Beide hoffen, dass der Zug nach Berlin keine Verspätung hat, denn das Zeitfenster ist knapp - und wer zu spät kommt, den bestraft in diesem Falle nicht das Leben, sondern das Vereinigte Königreich.

Ein gültiger Reisepass reichte den rotarischen Austausschülern bisher, um in Grobritannien einreisenzu dürfen.

Es klappt! Unterm Arm haben die beiden Bittsteller alle erforderlichen Dokumente: Pass, Visumantrag, Foto, Empfehlungsschreiben von Rotary, schriftliche Zustimmung der indischen Eltern - und Bargeld.

Nach dem Motto: Nur Bares ist Wahres, wird erst mal kassiert - 173 Euro für den Visumantrag. Egal, ob dem später stattgegeben wird oder nicht (durchschnittliche Bearbeitungsdauer: 14 Tage). Den Brief ihrer Eltern hatte Aditi nur als Dokument auf ihrem Smart-Phone. Das ginge natürlich nicht, wird ihr von den Behördenmitarbeitern beschieden. Dort ausdrucken ist auch nicht. Sie verweisen sie auf einen Copy-Shop in naher Entfernung. Allerdings müsse sie innerhalb von 30 Minuten wieder zurück sein - sonst: 80 Euro Zuschlag. Überhaupt könne man das alles noch beschleunigen, indem man die „Priority-Variante“ wähle. Die sichere eine Bearbeitung innerhalb von etwa fünf Tagen zu, koste allerdings dann 423 Euro. Wohlgemerkt: reine Bearbeitungsgebühr bei völliger Ungewissheit, ob das Visum tatsächlich erteilt wird. Ob positiver oder negativer Bescheid: In jedem Falle muss Aditi Bhaiya noch einmal nach Berlin, um ihren Pass wieder abzuholen - und das wiederum in Begleitung eines volljährigen Erwachsenen. Nur nebenbei: Ihr Flug war, der kurzen Schulferien wegen, für den Mittwoch gebucht worden. Der ist schon mal verfallen, denn ein Visum war bis dahin nicht erteilt worden. Wie sagte doch schon Obelix? „Die spinnen, die Briten!“

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