60 MINUTEN Unterwegs mit einem Heißluftballon über Rotenburg

Adelstitel für Aeronauten

Aussicht aus einem Heißluftballon über Rotenburg.
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Während der Ballon langsam höher steigt, haben die Fahrer eine einmalige Aussicht über Rotenburg.

Rotenburg – Am Nachmittag noch ein Wolkenbruch, mehrere Anrufe gehen bei Dunker Müller ein: Steht der Heißluftballonfahrt das Wetter im Wege? Doch der Pilot versichert, laut Meteorologe kann es in die Lüfte gehen. Und richtig: Am Abend klart es auf, die Sonne kommt raus, kaum Wolken sind am Himmel. „Ich hätte mich geärgert, wenn wir nicht gestartet wären“, merkt Müller später im Ballon an.

Doch erstmal geht es an den Aufbau. Da sind alle gefordert – sowohl die sechs Mitfahrer als auch die kleine Gruppe, die dem Ballon nebst Verfolgerfahrzeug hinterherfahren wird. Ohne die Mannschaft geht nichts – auch während der Fahrt steht Müller in ständigem Funkkontakt. Wir hieven Ballon und Korb aus dem Anhänger, breiten den blauen Stoff mit dem großen Stadtwerke-Rotenburg-Logo, die den Ballon sponsern, auf dem Boden aus. Zwei der Mitfahrer heute sind auf ihre Einladung hier: Gitta Eggers und Markus von Piechowski haben die Fahrt gewonnen.

Ein Gruppenfoto vor dem Start muss sein.

Müller und drei der Männer schrauben den Brenner auf dem Korb fest und verbinden diesen mit den Stahlseiten des Ballons. Dann wird es laut: Brenner und ein Ventilator blasen an, der Ballon richtet sich auf. Normalerweise braucht es elf Minuten zum Auf- und sechs zum Abbau, merkt Katharina Müller an. Die Herausforderung nehmen wir an! Dabei wird gescherzt – Galgenhumor vorrangig. „Runter kommen sie alle“, höre ich hinter mir, während ich etwas skeptisch den Korb und den Stoff des Ballons betrachte.

Jeder hilft mit beim Aufbau. Und auch beim Zusammenpacken des Ballons später sind alle gefragt. Der Tross der Fahrer, die dem Ballon mit dem Auto gefolgt sind, packt mit an.

Doch die Nervosität ist vergessen, als alle hineinklettern – was gar nicht so leicht ist, denn die Seiten sind höher als gedacht. Kleine Einstiegslöcher helfen. Dann leicht in die Knie, gegen die Fahrtrichtung, so geht es in die Luft. Langsam steigt der Ballon empor, und mit jedem Meter auch die Freude. Wackeln? Fehlanzeige. Ganz sanft gleitet der Ballon, während Häuser, Straßen und Bäume immer kleiner werden. Erst aus der Luft wird einem bewusst, wie viele Windräder bei uns im Landkreis stehen.

Vor dem Start gibt es die Sicherheitseinweisung für alle Mitfahrer, bevor es in den Heißluftballon geht. 

Alle paar Sekunden betätigt Müller, der auch schon weitere Fahrten, zum Beispiel über die Alpen, unternommen hat, den Hebel am Brenner. 90 Grad herrschen im Ballon – ein oder zwei Grad mehr oder weniger entscheiden, ob wir steigen oder sinken. An unserem höchsten Punkt sind wir bei 700 Metern und fahren mit 13 Stundenkilometern. „Man merkt den Druck auf den Ohren“, sagt Eggers. Unangenehm ist es aber nicht. Dann zeigt Müller auf einen schmalen, glitzernden Streifen am Horizont, direkt unter der Sonne. „Die Nordsee“, sagt er. Kurz ist es still, alle schauen fasziniert in die Ferne.

21 Meter hoch ist der Ballon. Gitta Eggers hält ihn fest, während er angeblasen wird.

Eine besondere Ruhe herrscht in der Luft, wenn nicht gerade jemand eine Frage stellt oder Müller uns auf markante Ecken hinweist – oder heizt. Dann ist Reden unmöglich, das laute Fauchen des Brenners, dessen Hitze in den Ballon strömt, übertönt alles. In diesen Momenten wird es im Ballon gut warm – die dicke Jacke war eindeutig die falsche Wahl. Wir fahren Richtung Hetzwege, über das Gelände des Golfclubs Wümme, an Westerholz vorbei, hinten ist das Tister Bauernmoor zu sehen. Langsam sinkt der Ballon, uns kommt ein Gleitschirmflieger entgegen. Wir gehen auf Nummer sicher. So erkennen wir die Landstraße deutlicher – Autofahrer, die an den Rand fahren, aussteigen, winken oder Fotos vom Ballon im Sonnenuntergang schießen. Mike Krumschmidt, der mit seiner Frau Kati mitfährt, lacht: „Solange sie keine Pfeile schießen!“ Galgenhumor, da ist er wieder.

Bis zu 700 Meter steigt der Ballon an diesem Tag und fährt teilweise mit 13 Stundenkilometern.

Bei Hetzwege landen wir neben einem Maisfeld. Sanft setzt der Ballon auf. Das Verfolgerteam wartet schon. „Noch nicht aussteigen, erst den Brenner abkühlen lassen“, mahnt Müller. Anschließend verstauen alle Ballon und Korb wieder – Teamwork, ohne geht es nicht. Dann breitet Katharina Müller drei Teppiche auf dem regennassen Gras aus. Sie nimmt ein Feuerzeug, ihr Vater eine Sektflasche – unsere Taufe steht an, die Erhebung in den Adelsstand. Katharina Müller erzählt die Geschichte dahinter, wir sprechen ihr einige Sätze nach. Dann sengt sie ein Haar minimal an, ihr Vater gießt uns einen Schluck Sekt in den Nacken, legt Gras drauf. Feuerprobe bestanden! Ich bin jetzt übrigens Gräfin Ann-Christin, begeisterte Aeronautin.

Sekt, Feuer und Erde: Am Ende folgt die Taufe.

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