Nach drei Jahren

Debatte um Umbenennung der Lent-Kaserne soll bald enden

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Bleibt der Name der Rotenburger Kaserne oder muss er der neuen Geschichtsbetrachtung weichen?

Rotenburg - Von Michael Krüger. Wird die Lent-Kaserne umbenannt oder nicht? Seit drei Jahren wird in der Region darüber in Politik, Gesellschaft und natürlich in der Rotenburger Kaserne selbst diskutiert.

Die Benennung nach dem Luftwaffenoffizier der Nazi-Zeit, Helmut Lent, sei nicht mehr zeitgemäß, hatte das Bundesverteidigungsministerium im November 2013 gerügt. Viele Argumente zur historischen Person wurden ausgetauscht, im Mai wollen die dort stationierten Soldaten nun eine Empfehlung aussprechen.

Im Kreistag ist die Lent-Kaserne am Donnerstag kein Thema. Sehr zur Überraschung einiger Abgeordneter, die nach der Vertagung im September erwartet hatten, dass die Debatte in der ersten Sitzung 2017 wieder auf den Tisch kommt. Doch Landrat Hermann Luttmann (CDU), der mit seinem Antrag, den Namen beizubehalten und sich damit auf Kreisebene ähnlich wie der Rotenburger Stadtrat zu positionieren, sieht dafür jetzt keine Notwendigkeit. 

„Im Hinblick auf den aktuellen Sachstand beabsichtige ich gegenwärtig nicht, meine Vorlage in den Kreisausschuss zur erneuten Beratung einzubringen“, teilte er am Dienstag dem scheidenden Linken-Kreistagspolitiker Manfred Damberg mit, der eine Erklärung zur Tagesordnung gefordert hatte. Seiner Ansicht nach sei die Diskussion über die Namensänderung „lange nicht abgeschlossen“. 

Dass sich der Stadtrat für den Erhalt des Namens ausgesprochen habe, beruht laut Damberg „auf unvollständigen und nicht objektiven Sitzungsvorlagen“. Die Linke habe bereits eine Arbeitsgruppe „Umbenennung Lent-Kaserne“ gegründet. Damberg: „Wir müssen erstmal die Messias-Welle abflauen lassen, sonst dringen wir nicht durch mit dem Thema.“

NS-Symbole auf der Homepage

Tatsächlich ist es aber relativ egal, wie sich die lokale Politik positioniert. Lent, 1918 in Pyrehne im heutigen Polen geboren, hatte sich im Zweiten Weltkrieg als Pilot einen Namen gemacht. Er galt als der zweiterfolgreichste Nachtjäger-Pilot der Luftwaffe und kam 1944 auf einem Flug von Stade nach Paderborn ums Leben. 

War der hochdekorierte Pilot ein Nazi-Sympathisant? Oder war er ein Freund des Widerstands und sein Absturz ein Anschlag? Es bleiben auch nach zahlreichen historischen Gutachten Ungereimtheiten und Widersprüche. Unbestritten ist, dass die Kaserne heute nicht mehr nach Menschen wie Lent benannt worden wäre. 

Sechs Jahre nach der Übernahme von der britischen Rheinarmee sah man das anders: Am 18. Juli 1964 erhielt der Bundeswehrstandort den Namen Lent-Kaserne. Über eine mögliche Umbenennung entscheidet das Bundesministerium für Verteidigung. Und das will das Meinungsbild der Soldaten berücksichtigen.

Versammlung tagt nach Ostern

Das soll es im Mai geben, versichert Kasernen-Kommandant Gero Riedel. Am Freitag wählen die Vertrauensleute der Kompanien einen Sprecher, der die für nach Ostern terminierte Versammlung zur internen Entscheidungsfindung leiten soll, heißt es. Rund 20 Vertreter der Soldaten seien in dem Kreis vertreten, der die Empfehlung nach Berlin tragen soll. Umbenennung wie im Fall der Visselhöveder Mölders-Kaserne oder nicht? 

Geplant seien mehrere historische Vorträge und Informationsrunden. Auf Basis dieser und der bisherigen Diskussion wolle man ein „repräsentatives Meinungsbild“ kommunizieren. Riedel lässt aber schon durchblicken, dass „innerhalb der Kaserne keiner gewillt ist, den Namen zu ändern“. Die vom Ministerium vorgegebenen zehn Kriterien für eine Umbenennung seien im Fall Lent kaum haltbar. 

Auch „betrachtet mit dem Abstand von 70 Jahren“ habe Lent wohl vor allem seine soldatische Pflicht erfüllt und keine Kriegsverbrechen begangen – wenn auch sein Handeln natürlich im historischen Kontext betrachtet werden müsse.

Debatte von außen herangetragen

In der Kaserne selbst sei die Notwendigkeit zur Umbenennung nie ein großes Thema gewesen, heißt es. Die Debatte wurde von außen herangetragen. Allerdings mit Folgen: Wenige Monate nach der Anregung des Inspekteurs des Heeres, den Namen Lent-Kaserne zu überprüfen, wurden die historischen Bilder von Lent im Kasernenbereich entfernt. 

Das „Lent-Zimmer“ wurde umgestaltet und in „Wümme-Zimmer“ umbenannt. In der Standortbroschüre taucht der Namensgeber ebenfalls nicht mehr auf. Und erst im Februar sind alle Angaben zu Lent inklusive einiger NS-Symbole von der Casino-Homepage entfernt worden. 

Auch war zu vernehmen, es habe intern schon einen neuen Namen für die Kaserne gegeben, doch die öffentliche Debatte in Stadt und Landkreis sei dazwischen gekommen. Ein „unglücklicher Prozess“, hieß es. Dieser könnte nun im Mai mit der folgenden Entscheidung in Berlin beendet werden. „Endlich“, sagt Kommandant Riedel.

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