Abschlusskonzert der Rotenburger Gitarrenwoche mit Werken von Barock bis modern

Poesie in Noten und Tönen

Das Konzert in der Theodor-Heuss-Schule begann mit dem Rondo von Henry Purcell, gespielt vom Gitarren-Ensemble.
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Das Konzert in der Theodor-Heuss-Schule begann mit dem Rondo von Henry Purcell, gespielt vom Gitarren-Ensemble.

Rotenburg - Von Ulf Buschmann. Die 32. Rotenburger Gitarrenwoche ist am Samstagabend mit dem traditionellen Abschlusskonzert in der Aula der Theodor-Heuss-Schule zu Ende gegangen. Die 25 Teilnehmer präsentierten eine musikalische Melange von Barock über Romantik bis zum allseits bekannten Volkslied aus Südamerika.

Die Gitarre: Es ist ein Instrument, das gleichzeitig seit Jahrhunderten ein Nischendasein fristet und seinen eigenen musikalischen Charme hat – zumindest dann, wenn es in seiner ursprünglichen Form gespielt wird und nicht wie meistens seit dem 20. Jahrhundert elektrisch verstärkt. Die Gitarre ist ein zuverlässiger Lieferant von Poesie in Tönen und Noten. Und wenn die Saiten dann auch noch von Könnern gezupft oder geschlagen werden, ist der Genuss perfekt.

So war es am Samstag dann auch beim Abschlusskonzert der 32. Rotenburger Gitarrenwoche. Unter der Leitung von Hans Wilhelm Kaufmann präsentierten die 25 Teilnehmer dieses Jahres eine wunderbare Mischung von Liedern, Sätzen und Sonaten vom Barock bis hin zur Gegenwart. Das Ganze stand unter dem Motto „Nostalgie“.

Umgesetzt wurde es in moderner Art und Weise – und die Akteure brillierten durch musikalische Finesse, saubere Technik und vor allem Inbrunst: Sie tauchten in ihre Stücke ein und nahmen den Zuhörer mit, der getrost sein Innerstes öffnen konnte und das Ganze dann einfach nur genießen durfte.

Den Glanzpunkt setzte dabei ohne Zweifel der junge Belgier Cedric Honings. Er spielte das „Capricho Arabe“ von Francisco Tárrega. Der spanisch-katalanische Meister, der von 1852 bis 1909 lebte, gilt als Vater des heutigen klassischen Gitarrenspiels. In der Wissenschaft wird Tárrega auch Begründer der sogenannten neuen spanischen Gitarrenschule genannt.

Dem, so schien es, hatte sich Cedric Honings ganz und gar verschrieben. Seine Töne verließen den Korpus mit einer gewissen Weichheit und doch waren sie scharf voneinander abgegrenzt. Jedes musikalisch-harmonische Detail war seinem schnellen Fingerlauf zu entnehmen. Bewegt sich da vielleicht ein junger Mensch auf den Spuren von Sigi Schwab und Peter Horton?

Wohl nicht die beiden großen deutschen Meister der klassischen Gitarre, wohl aber andere Größen der Musik machen immer wieder Anleihen bei den Schaffern großer Werke für sechs und mehr Saiten – Mike Oldfield und Alan Parsons etwa. Themen, die sich am Sonnabend in Gehörgängen, Kopf und Seele festsetzten, finden sich in ihren Stücken wieder, die längst als Meilensteine der Rock- und Popmusik gelten. Aber auch die Liebhaber des Jazz in all seinen Variationen finden stets Versatzstücke.

Moderne Komponisten wie Luis Manuel Molina mischen diese Einflüsse und zaubern etwas Eigenes daraus – so zu hören in seinem Stück „Taj Mahal – Idylle für die Liebenden“, mit dem das Gitarrenorchester den Abend in der Theodor-Heuss-Schule eröffnete. Unter der Leitung von Dirk Lemmermann verliehen die Spieler ebenso etwas Besonderes und machten klar: Die Gitarre ist ein leises Instrument, das es nicht liebt, im Vordergrund zu stehen.

Stimmungen transportieren die Musiker lieber zart, so zum Beispiel Nicola Stock und Sissi Walther. Sie hatten sich „My Lord Willoughby's Welcome Home“ ausgesucht, das John Dowland im 16. Jahrhundert geschrieben hatte und das laut Kaufmann zu den populären Stücken gehört. Wohl zurecht, denn Nicola Stock und Sissi Walther, beide erstmals bei der Gitarrenwoche dabei, ließen die Noten Dowlands vor Freude hüpfen. Tief in sich gekehrt und doch nicht introvertiert zogen sie die Zuhörer in ihren Bann.

Und dass selbst der gute alte Johann Sebastian Bach etwas für die Saitenspieler ist, zeigte sich am Ende dieses Abschlusskonzertes in der THS: Das „Konzert für Oboe, Violine und Orchester BWV“ hatte Kaufmann für das Orchester der Gitarrenwoche arrangiert, wahrhaft meisterlich und in die Tiefe gehend.

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