Wahlperiode endet

Abschiede und neue Jobs im Rotenburger Kreistag

Gruppenbild vom Kreistag
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Für rund die Hälfte der noch aktuellen Kreistagsmitglieder heißt es Abschied nehmen von der Kreispolitik.

Die Hälfte geht, einer wechselt die Seiten und einer hat überraschend einen neuen Job: Die Wahlperiode im Rotenburger Kreistag geht zu Ende.

Rotenburg – Wolfgang Harling will noch einmal diskutieren, aber der SPD-Finanzpolitiker aus Hellwege findet nicht so richtig Gehör. Das mag daran liegen, dass an diesem Mittwochmorgen rund ein Dutzend Kreistagsabgeordneter gar nicht erschienen ist, möglicherweise ist beim Tagesordnungspunkt zur Bezahlung von Tagespflegepersonen auch im Jugendhilfeausschuss im Juni schon alles gesagt gewesen, am wahrscheinlichsten ist aber:

Da die 22. Sitzung der fünfjährigen Wahlperiode auch die letzte des aktuellen Kreistags ist, da die Kommunal- und Bundestagswahlen gelaufen sind und da am 1. November viel neues politisches Personal sowie ein neuer Landrat die Zügel in die Hand nehmen werden, hat keiner mehr Lust auf Debatten, die nichts mehr ändern. Der neuen Satzung über die Förderung von Kindern in der Tagespflege wird bei einer kleinen Korrektur zur eine Stunde länger vergüteten Nachbetreuung geschlossen zugestimmt.

Landrat Hermann Luttmann (CDU) hält sich knapp. Nach einer guten Stunde sind 15 Tagesordnungspunkte einer weiteren Corona-Sitzung in der Aula des Ratsgymnasiums abgearbeitet. Erläuterungen gibt es zu den komplexen Sachverhalten kaum. Es geht um Vorbereitungen zur Schweinepest, die Übergabe von Facharztsitzen ans Medizinische Versorgungszentrum in Zeven, um Entgeldvereinbarungen für den Notfalldienst mit Krankenkassen oder einen Zuschuss für die in zwei Jahren Corona-Pause etwas in Schieflage geratene Tarmstedter Ausstellung in Höhe von 290 000 Euro. „Wir investieren Geld, das zurück in den Landkreis fließt“, unterstreicht Angelika Dorsch (SPD) die Bedeutung der großen Landwirtschaftsmesse, die 2022 wieder starten soll.

Auch für CDU-Politiker Heiner Ehlen ist Schluss: Der Kreistagsvorsitzender läutet noch ein letztes Mal.

Dorsch gehört zu denen, die sich vorerst zum letzten Mal aus den Reihen der Kreistagspolitiker zu Wort melden können. Weil sie nicht mehr angetreten waren oder nicht mehr gewählt wurden bei der Kommunalwahl am 12. September, scheidet genau die Hälfte der noch aktuellen Kreistagsmitglieder Ende Oktober aus. In vielen Fraktionen wird es deutlich jüngeres Personal geben, zudem werden acht statt zuletzt nur noch sechs Parteien vertreten sein, dazu Thomas Busch von der Bürgerliste „Zukunft Gestalten“ aus der Geestequelle. Und einer wechselt die Seite : Marco Prietz nimmt am Mittwoch noch den ein oder anderen Glückwunsch entgegen, hält sich ansonsten zurück, wohl wissend, dass er bald das Feld räumen muss – oder besser: darf – als Chef der CDU-Fraktion: Der 33-Jährige nimmt ab November gegenüber der Politik Platz als neuer Landrat.

Kreistagspolitiker Bernd Wölbern (SPD) hat keinen Grund, grimmig zu schauen: Er rückt in den Landtag.

Kreistagsmitglied bleibt der gemeinsam mit der SPD-Unterbezirksvorsitzenden Ina Helwig aus Rotenburg erneut zum Fraktionschef der Genossen gewählte Bernd Wölbern. Auch er nimmt in der Schulaula Glückwünsche entgegen, aber aus eher überraschenden Gründen: Der Erfolg der SPD bei der Bundestagswahl hat dafür gesorgt, dass der Lehrer aus Wohnste aller Voraussicht nach ab November Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Bremervörde wird. „Ich war mir sicher, es muss ein Fehler sein“, berichtet der 55-Jährige von einer Kurznachricht, die er am Montagmorgen von einem Freund erhalten hatte in einer Freistunde an der IGS in Zeven. Jetzt doch in den Landtag? Das stand zumindest im Text. Dabei hatte Wölbern nach der Landtagswahl im Oktober 2017 einen Schlussstrich gezogen unter seine Ambitionen. Drei Mal hatte er versucht, das Direktmandat zu ergattern, drei Mal war er gescheitert – zweimal gegen Hans-Heinrich Ehlen, dann gegen Marco Mohrmann. Im CDU-dominierten Nordkreis war das jeweils „krachend“ geschehen, wie er zugibt. „Da muss man jetzt nicht mit dem Kopf durch die Wand“, hatte er damals gesagt, einen vierten Anlauf sollte es nicht geben. Da nun aber durch den unverhofften Erfolg der SPD viele Ämter nach den Wahlen doch an die Genossen gehen, zieht sein zehnter Platz auf der SPD-Nachrückerliste im Land. Während sich andere Landtagsabgeordnete Richtung Bundestag, in Rathäuser als Bürgermeister oder Landräte in Kreishäuser verabschieden, sollte in den kommenden Tagen von der Landeswahlleitung die Berufung Wölbern erreichen.

Doch noch eine Kandidatur von Wölbern?

Solange die aber nicht da ist, warte er mit dem Feiern. „Ich bin sehr vorsichtig und weiß es bislang nur über Dritte.“ Mit der Familie, der er eigentlich versprochen hatte, das Thema Landtag abzuhaken, sei aber bereits alles besprochen. Die freue sich. Sogar seine Mutter habe ihm gesagt, dass das jetzt die „Belohnung für drei harte Wahlkämpfe“ sei. Ob dann im kommenden Jahr doch noch ein vierter hinzukommt, um das Mandat zu verteidigen, will Wölbern zunächst einmal den Parteigremien überlassen. Aber: Er fühle durchaus eine Verpflichtung, die Aufgabe nun nicht nur für zwölf Monate wahrzunehmen. Auch wenn er „mit Herz und Seele Lehrer“ sei. Vorschusslorbeeren gibt es jedenfalls schon mal vom ehemaligen SPD-Kreisvorsitzenden Klaus Manal: „Du wirst in Hannover einen guten Job machen“, sagt er, nachdem er wie viele seiner Kollegen vom Landrat eine Urkunde für seine Kreistagsarbeit und einen dicken Niedersachsen-Wälzer als Dank überreicht bekommen hat.

Heiner Ehlen bleiben schließlich die Schlussworte in dieser Wahlperiode. Während noch etwas unklar ist, ob die formale Sitzung nach Fototerminen, Geschenkübergabe und Plauderei eigentlich bereits beendet ist, schaltet der CDU-Politiker als Kreistagsvorsitzender, nach 25 Jahren Kreistagsarbeit mit dem Ehrenzeichen in Gold ausgezeichnet, noch einmal das Mikro an: „Alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen.“

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