Abschied nach 25 Jahren: Tomke Bonacker verlässt Wohnanlage am Kirchhof

Fliegen wie ein Schmetterling

Eine letzte Fantasiereise: Tomke Bonacker (3.v.l.) verabschiedet sich von den Bewohnern.
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Eine letzte Fantasiereise: Tomke Bonacker (3.v.l.) verabschiedet sich von den Bewohnern.

Nach 25 Jahren ist Schluss für Tomke Bonacker, Serviceleiterin der Seniorenwohnanlage am Kirchhof in Rotenburg. Die 65-Jährige wird heute in den Ruhestand verabschiedet und möchte künftig mehr Zeit für Hobbys und Enkelin Lara haben. Nachfolgerin Stefanie Zukunft stellt sich vor.  

Rotenburg – Noch ein letztes Mal gehen die Bewohner der Seniorenwohnanlage am Kirchhof in Rotenburg auf eine Fantasiereise. Sie lauschen gespannt der Geschichte über eine kleine Raupe, die sich verpuppt und zu einem schönen Schmetterling wird. Dann schlägt Tomke Bonacker mit einem Klöppel an eine Klangschale und beendet die Reise. „Nun möchte ich wie dieser Schmetterling weiterfliegen“, sagt die 65-Jährige, die heute nach 25 Jahren in den Ruhestand verabschiedet wird.

Ich bin mir bewusst, dass ich in riesige Fußstapfen trete. Die Bewohner haben mich sehr gut empfangen und sind gespannt darauf, was sich verändern wird. Ich möchte sie auf meinem Weg mitnehmen und freue mich, wenn sie ihre Ideen einbringen.

Nachfolgerin Stefanie Zukunft

Ihre Nachfolgerin Stefanie Zukunft hat zum 1. September ihren Dienst angetreten und betont: „Ich bin mir bewusst, dass ich in riesige Fußstapfen trete. Die Bewohner haben mich sehr gut empfangen und sind gespannt darauf, was sich verändern wird. Ich möchte sie auf meinem Weg mitnehmen und freue mich, wenn sie ihre Ideen einbringen.“

Tomke Bonacker war bereits Leitung, als die ersten Mieter im November 1995 die Seniorenwohnanlage bezogen haben. In den 27 Einheiten leben derzeit 29 Bewohner, die jüngsten sind Mitte 70, die älteste ist 95 Jahre alt. „Unser Ziel ist es, dass die Senioren hier so selbstständig wie möglich leben. Viele kochen noch selbst, andere lassen sich das Essen liefern und werden von externen Pflegediensten im Alltag unterstützt“, erklärt Tomke Bonacker, die das familiäre Miteinander der Bewohner hervorhebt. Dies sei in Zeiten der Pandemie sogar noch enger geworden: „Sie unterstützen sich gegenseitig und denken aneinander. Wenn beispielsweise jemand einkaufen geht, fragt er, ob er den anderen etwas mitbringen soll.“

Die langjährige Serviceleiterin betont, dass sie „viele wunderbare Erinnerungen“ aus den vergangenen 25 Jahren mitnehmen wird. „Wir haben regelmäßig Ausflüge unternommen, zum Beispiel in den Hamburger Michel und in die Dresdner Semperoper. Danach haben wir oft noch einen Absacker zusammen getrunken. Unvergessen bleibt für mich auch das Tauwandern morgens im frischen Gras. Insgesamt habe ich etwa 150 Bewohner in meiner Zeit kennengelernt. Sie haben auch ihre Schicksale mit mir geteilt. Dafür bin ich sehr dankbar.“

Aber es habe auch Herausforderungen gegeben, wie das Hochwasser 2002, das für große Schäden im Erdgeschoss gesorgt habe. „Mir war es immer wichtig, dass alle gut zusammenarbeiten und ein Zahnrad ins andere greift“, betont Bonacker.

Sie habe beobachtet, dass sich die Bewohner im Lauf der Jahrzehnte verändert haben: „Der Umzug hierher ist inzwischen oft so etwas wie die letzte Station vorm Pflegeheim. Das Mindestalter sind eigentlich 65 Jahre –  viele Interessierte sind aber deutlich älter.“

Die Eigentümergemeinschaft achte deshalb genau darauf, dass neue Mieter in die Gemeinschaft passen und noch eigenständig wohnen können, erklärt Nachfolgerin Stefanie Zukunft, die die Arbeit in Bonackers Sinn fortführen will.

Auch sie möchte regelmäßig Ausfahrten planen: „Uns steht dafür ein Budget für zwei bis drei Fahrten zur Verfügung – die Bewohner können kostenlos teilnehmen. Es ist wichtig, dass sie raus kommen und neue Eindrücke sammeln. Zusätzlich möchte ich aber auch neue Angebote für die Bewohner schaffen, die nicht an den Ausflügen teilnehmen können.“

Tomke Bonacker erklärt, es falle ihr nach all den Jahren schwer, loszulassen. „Das ist ein sehr großer Umbruch für mich. Es ist eine wunderschöne kleine Anlage, die ich vom ersten Tag mit gestaltet habe. Viele Bewohner sind bereits seit mehr als zehn Jahren hier.“ Sie hebt die Nähe zum Landschaftsschutzgebiet hervor, dazu die zentrale Lage: „In der Nachbarschaft sind die VHS und die Stadtkirche, auch die Fußgängerzone ist zu Fuß erreichbar.“

Die Nachfolgerin: Stefanie Zukunft übernimmt.

Nach 25 Jahren als Serviceleiterin wolle sie ihrem Leben nun „einen neuen Drall geben“ und sich ihren Hobbys widmen, die lange zu kurz gekommen seien: „Ich werde wieder malen und reiten, mehr Zeit mit meinen drei Hunden und meiner zweijährigen Enkelin Lara verbringen – darauf freue ich mich besonders. Und ich möchte mich für den Tierschutz starkmachen. Ich hatte früher eine eigene Pflegestelle.“

Beim Teetrinken überreichen die Bewohner an Bonacker eine Tasche und bedanken sich bei ihr für die gemeinsame Zeit („Wir werden Sie vermissen“) – Worte, die Tomke Bonacker beflügeln.

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