Prüfungen und Corona

Abitur in anderen Zeiten

Eva Kruschinski und Arthur Weigle machen in diesem Jahr ihr Abitur am Rotenburger Ratsgymnasium.
+
Eva Kruschinski und Arthur Weigle machen in diesem Jahr ihr Abitur am Rotenburger Ratsgymnasium.

Für die angehenden Abiturienten des Rotenburger Ratsgymnasiums wird es langsam ernst. Bald stehen die finalen Klausuren an. Doch wie geht man sie an angesichts der Corona-Vorschriften?

  • Am Ratsgymnasium bereitet man sich auf die Abiturklausuren vor.
  • Es gibt Präsenzunterricht, die Schüler fühlen sich gut vorbereitet.
  • Die Jahrgangssprecher üben aber auch Kritik: Nicht alles verläuft reibungslos.

Rotenburg – Sie kennen es gar nicht anders. Wie ein Abitur ohne Einfluss der Covid-19-Pandemie ablaufen würde, kennt der 13. Jahrgang des Rotenburger Ratsgymnasiums nur aus Erzählungen. „Drei von vier Semestern der Qualifikationsphase fanden unter Corona-Bedingungen statt“, erläutert Arthur Weigle. Für ihn und seine Mitschülerinnen und -schüler wird es in den nächsten Wochen ernst. Bald stehen die Abiturprüfungen an, und im Sommer gibt es dann endlich den lang ersehnten Abschluss.

Doch wie ist das eigentlich, das Abitur unter diesen Vorzeichen zu machen? Wenn man Weigle, der zusammen mit Eva Kruschinski das Sprecher-Duo des 13. Jahrgangs am Rotenburger Gymnasium bildet, folgt, ist es dank Präsenzunterricht für die Abschlussklassen nicht viel anders als vielleicht vor wenigen Jahren noch erwartet.

Dauerhaft im Gebäude

Es herrscht wohl eine Art Akzeptanz der Situation. Unter der Schülerschaft sei die Schule nicht das große Problem. Eher werde über Privates miteinander gesprochen. „Wir können uns mit den Regeln abfinden“, so Weigle. Der 13. Jahrgang ist dauerhaft im Gebäude, maximal 16 Personen inklusive Lehrkraft in einem Unterrichtsraum.

Da der Jahrgang verhältnismäßig klein sein, so Kruschinski, seien es die meisten Kurse entsprechend auch. Fast alle könnten im Verbund stattfinden. Dennoch verändert sich der Charakter des Unterrichts, wenn bei großen Kursen eine Lehrkraft im Grunde zwei Klassenräume braucht. „Aber es ist immer noch deutlich besser als das Wechselmodell oder Homeschooling.“

Prüfungen in der Aula

Sofern von der Landesregierung nicht anders beschlossen, können die Abiturprüfungen in diesem Jahr auch trotz Corona im Ratsgymnasium stattfinden. Das sei laut Jonas Kruse, dem stellvertretenden Direktor, kein Problem. Dafür herhalten würde wie sonst auch die große Aula, in der etwa 60 Schülerinnen und Schüler mit ausreichend Abstand ihre Prüfungen schreiben könnten. Zudem seien Lüftungsanlagen eingebaut worden. Die Aula des Gymnasiums hat sich bereits bewährt: So hält der Rotenburger Kreistag dort aktuell seine Sitzungen ab, da der eigene Sitzungssaal zu klein für Hygienekonzepte ist.

Wie die Abiturprüfungen ablaufen werden, ist noch nicht in Stein gemeißelt. Da das Kultusministerium die unterschiedliche Situation an den Gymnasien berücksichtigen muss, ist für das Zentralabitur aktuell ein Aufgabenpool angedacht, aus denen die Schulen selbst ihre Prüfungsthemen auswählen können, informiert Jonas Kruse, der stellvertretende Direktor des Ratsgymnasiums. Im Worst Case können die Lehrer auch selbst Aufgaben ausarbeiten, wie es vor der Einführung des Zentralabiturs üblich war.

Kruschinski: „Die Lehrer haben uns versichert, dass wir gut vorbereitet werden.“ Es könne nicht sein, dass das dran kommt, was nicht Thema im Unterricht war. Das könne man bei der Korrektur auch berücksichtigen. Auch Weigle glaubt nicht, dass Corona ein Grund ist, mit einem schlechten Gefühl in die Prüfungen zu gehen. Immerhin: Das Vorabitur, also erstmals eine Klausur über sechs Stunden, konnte stattfinden. Seitdem ist auch Kruschinski eigenen Worten nach weniger nervös.

Dennoch, mit manchen Entscheidungen hadere man doch, so Weigle. Zu der Schule habe man Vertrauen, aber nicht mehr vollumfänglich in die Politik. „Im Sommer wurden keine Maßnahmen getroffen, die uns jetzt schützen.“ Jede Woche werde der Schulalltag neu von ihr diskutiert.

Lehrkräfte fehlen, weil sie Kinder betreuen müssen

Auch, dass die Gymnasien unterschiedlich geöffnet haben (andere haben Wechselunterricht), verstehe man nur bedingt. Ebenso, ob der zeitweise jahrgangsübergreifende Sportunterricht wirklich „notwendig ist in dieser prekären Situation“. Kruschinski berichtet von einem Fall, in dem es erst hieß, ein Prüfungsthema werde zurückgenommen, durch Zufall habe man dann erfahren, dass es wieder auf dem Plan steht. „Das ist ärgerlich.“

Der Einschätzung der beiden Jahrgangssprecher nach gab es kaum Corona-Infizierte im Jahrgang. Ein paar seien als Kontaktpersonen in Quarantäne gewesen. Ausfälle habe es eher gegeben, weil Lehrkräfte ihre eigenen Kinder betreuen mussten. „Auch dafür muss es Lösungen geben“, so Weigle. Ein weiterer Kritikpunkt ist die nur schleppend vorangegangene Digitalisierung des Unterrichts, die erst durch die Pandemie einen Schub bekommen habe. Da hätte man besser vorbereitet sein können.

Beide glauben nicht, dass Corona ihr Abitur abwerten könnte, weil Themen nicht wie üblich unterrichtet werden konnten. Das betreffe ja jeden Abiturienten gerade, das wüssten auch die Universitäten. Weigle verweist lieber auf das Positive, man habe das eigenständige Arbeiten gelernt, das sei auch im Studium wichtig. „Vielleicht sieht man das Abitur 2021 auch positiv an“, so Kruschinski, „wir haben es dann trotz Corona geschafft.“

Der Ausgleich danach fällt aus

Schwerer wiege die Ernüchterung darüber, was nach dem Abitur passiert. Oder besser: was nicht passiert. Der Übergang von der Schule in den Beruf oder vielleicht in das Studium, das ist eine besondere Zeit. „Eine Lebensphase, in der man erlebt und sich viele Erinnerungen schafft“, sagt Weigle. „Die Ablenkung und der Ausgleich fehlen.“ Letztes Jahr habe man sich etwa noch auf Abiball und Abifahrt gefreut, so Kruschinski – Fehlanzeige. Man überlege manchmal noch, wie man typische Abi-Traditionen auch trotz Corona pflegen könne.

Etwa eine Mottowoche in eingeschränkter Form. Aber eine Mottowoche, wenn die anderen Jahrgänge nicht im Haus sind? Irgendwie fehle da der Witz. Auch die Pläne für danach sind in Gefahr oder schon längst auf den Zeitpunkt „irgendwann“ verschoben. Weigle wollte in einem Auslandsjahr was in Projekten wie Gedenkstättenarbeit machen, seine Co-Sprecherin verreisen. Während er noch ein bisschen Resthoffnung hat, hat sie ihre Pläne bereits gecancelt und beginnt nun früher mit dem Studium als geplant.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

«Felsbrocken vom Herzen»: Skisprung-Mixed erobert Gold

«Felsbrocken vom Herzen»: Skisprung-Mixed erobert Gold

UN: Mindestens 18 Tote bei Protesten in Myanmar

UN: Mindestens 18 Tote bei Protesten in Myanmar

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

S04-Debakel nach Wirbel um Gross - RB bleibt an Bayern dran

S04-Debakel nach Wirbel um Gross - RB bleibt an Bayern dran

Meistgelesene Artikel

Tödlicher Unfall auf der A1: Lkw durchbricht Lärmschutzwand

Tödlicher Unfall auf der A1: Lkw durchbricht Lärmschutzwand

Tödlicher Unfall auf der A1: Lkw durchbricht Lärmschutzwand
Großer Stein fällt vom Herzen: Wochenlang vermisste Laura-Marie wieder zu Hause

Großer Stein fällt vom Herzen: Wochenlang vermisste Laura-Marie wieder zu Hause

Großer Stein fällt vom Herzen: Wochenlang vermisste Laura-Marie wieder zu Hause
Vom Einfamilienhaus auf einen abgelegenen Hof

Vom Einfamilienhaus auf einen abgelegenen Hof

Vom Einfamilienhaus auf einen abgelegenen Hof

Kommentare