Abbauantrag und noch immer offene Fragen sorgen für Unruhe in Gnarrenburg

Die Einheit im Moor bröckelt

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Landwirtschaft, Naturschutz, Torfabbau: Wie sich das Gnarrenburger Moor entwickelt, soll im Rahmen eines Modells geregelt werden.

Und Thomas Schmidt - Von Stephan Oertel. Mit Blick auf die Entwicklung des Gnarrenburger Moores wollen die beteiligten Akteure eigentlich an einem Strang ziehen. Von einer Modellregion ist die Rede, die nicht zuletzt am runden Tisch entwickelt werden soll. Doch spätestens nachdem das Torfwerk Sandbostel einen Abbauantrag gestellt hat, bröckelt dieser Vorsatz. Viele sehen sich vor vollendete Tatsachen gestellt, gleichzeitig suchen politische Parteien öffentlich die Kontroverse.

Für die „Bürgerinitiative zum Erhalt unserer Moore und für die Zukunft unserer Dörfer“ ist es mit dem geplanten Zukunftskonzept unvereinbar, wenn im Kerngebiet der Region und in der Nähe von Siedlungen weitere 100 Hektar Torf und mehr abgebaut werden sollen. BI-Sprecherin Kerstin Klabunde hebt hervor, nicht generell Torfabbau verhindern zu wollen. Das sei auch in der „Gnarrenburger Erklärung“ nicht vorgesehen. Als Vorstufe für eine Regeneration von Hochmoorflächen sei Torfabbau durchaus vorstellbar. Den jetzigen Antrag jedoch lehnt sie ab.

Das gilt auch für die politischen Fraktionen im Kreistag. Durch den Antrag und das damit eingeleitete Planverfahren ist die Region in eine prekäre Lage geraten, heißt es etwa in einer Mitteilung der CDU/FDP-Gruppe. Sie fordert die Landesregierung auf, zügig ein Förderprogramm für die geplante Modellregion Gnarrenburger Moor zu entwickeln, außerdem solle es sofort eine Beratung für betroffene Grundeigentümer und Landwirte geben.

Derzeit hängen viele in der Luft, weil sie nicht wissen, wie es im Gnarrenburger Moor weiter geht. Und manch einer steht vor der Frage, ob er seine Fläche zum Beispiel an das Torfwerk verkaufen soll. Dabei ist Heinz-Hermann Holsten (CDU) davon überzeugt, dass eine Modellregion Gnarrenburg gerade für kleinbäuerliche Familienbetriebe und Nebenerwerbslandwirte eine echte Chance sein kann.

Mit Blick auf die Modellregion ist von der Einstellung eines Projektberaters schon seit einiger Zeit die Rede, konkret beschlossen ist aber nichts. Wenn der runde Tisch am 7. September zusammenkommt, soll auch darüber gesprochen werden. Zu dem Termin wird eine Vertreterin des Umweltministeriums erwartet. Ein Problem ist, dass das Modell noch nicht steht und dass die Landesregierung nicht konkret sagt, wohin die Reise geht. Die CDU will sogar ausgemacht haben, dass Umwelt- und Landwirtschaftsministerium in Hannover aneinander vorbei arbeiten.

Das entbehrt jeder Grundlage, heißt es dazu aus der Landeshauptstadt. In einem Schreiben unterstreichen die beiden Ministerien, die in Gnarrenburg entwickelten Initiativen zu unterstützen und bei der Entwicklung der „Modellregion zur klima- und torfschonenden Bewirtschaftung der Moorböden in Gnarrenburg“ eng zu kooperieren. Und: Die Entwicklung vor Ort werde mit Blick auf das neue Landesraumordnungsprogramm intensiv begleitet.

Für die CDU/FDP-Gruppe geht dies nicht schnell genug. Sie fordert, das neue Raumordnungsprogramm zügig aufzustellen und die Vorranggebiete für Torfabbau zu streichen. Genau das ist die Crux in der Debatte. Denn das noch von der CDU/FDP-Landesregierung aufgestellte jetzt gültige Programm sieht für das Gnarrenburger Moor Torfabbau auf einer Fläche von mehr als 2000 Hektar vor. Ginge es nach Hans-Heinrich Ehlen, würde es dabei bleiben. Der CDU-Land- und Kreistagsabgeordnete hält Veränderungen im bestehenden Raumordnungsprogramm insgesamt für überflüssig. Torf wird benötigt, und wenn er nicht hier abgebaut wird, dann zum Beispiel im Baltikum, argumentiert er. Der Torf werde dann importiert, was mit Blick auf das Klima sicher keine Verbesserung wäre. In seiner Kreistagsfraktion findet Ehlen damit offenbar keine Mehrheit.

Dass die rot-grüne Landesregierung vom Torfabbau abrücken will, sieht die Kreistagsgruppe aus SPD, Grünen und WFB als Chance für die Region. Die Stellungnahme der beiden Minister bestärke dies. Über die Förderrichtlinie „Klimaschutz durch Moorentwicklung“ winkt gerade für die Modellregion eine erhebliche finanzielle Unterstützung, unterstreicht Volker Kullik (SPD). Dass vor diesem Hintergrund ausgerechnet CDU und FDP das Land kritisieren, ist in seinen Augen politisch motiviert und nicht zielführend.

Dass es in Zukunft womöglich kaum noch oder gar nicht mehr möglich sein wird, Torf abzubauen, ist die zentrale Triebfeder für den Antrag des Torfwerks. Das Unternehmen nimmt offenbar in Kauf, dass sich die übrigen Beteiligten am runden Tisch dadurch vor den Kopf gestoßen sehen. Dabei sollte über die Entwicklung der Modellregion ergebnisoffen diskutiert werden. Wird der Abbau dort genehmigt, ist eine Modellregion nur sehr schwer vorstellbar, befürchtet Holsten.

zz/bz

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