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Studenten zeigen Künstlerbücher im Kunstturm

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Von: Guido Menker

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Die Studentin Elisa Junior mit dem Künstlerbuch, das von ihr in der Ausstellung zu sehen ist.
Elisa Junior mit ihrem Buch, in dem Buchstaben nicht zu finden sind. © Guido Menker

Rotenburg – 500 Plakate haben sie drucken lassen. Ist das nicht übertrieben? Schließlich ist die Ausstellung einer Kunstklasse der Ottersberger Hochschule für Künste im Sozialen (HKS) von Professor Michael Dörner nur an vier Tagen im Rotenburger Kunstturm zu bewundern. Samstag und Sonntag jeweils von 11 bis 17 Uhr sowie zu den gleichen Zeiten am Wochenende darauf sind die Werke der 18 Studenten sowie des Professors – inzwischen auch Vorsitzender des Rotenburger Kunstvereins – zu sehen.

500 Plakate – so viel oder gar zu viel Werbung für ein derart kurzes Gastspiel? Mitnichten! Die großen Plakate sind mehr als nur ein Werbemittel. Sie sind eine Art Flyer zum Mitnehmen, ein 32 Seiten umfassendes Buch, nein Büchlein, zur Ausstellung – allerdings nur dann, wenn man eine Schere zur Hand nimmt und die Seiten nach dem Zuschnitt so faltet, dass sich am Ende im ursprünglichen Plakat blättern lässt.

Dieses Büchlein ist eine feine Idee und zugleich ein passender Begleiter für die Ausstellung mit dem Titel „Same Page – Artist’s Book“. Es geht in der Werkschau um Künstlerbücher. Darin können sich Skizzen finden, Notizen, aber auch Tagebucheintragungen. Die Bandbreite von Künstlerbüchern ist vielfältig. Mit diesem Thema haben sich die Studenten intensiv auseinandergesetzt, berichtet Michael Dörner.

Michael Dörner ist ebenfalls in der Ausstellung vertreten und blättert in einem der Werke..
Michael Dörner ist ebenfalls in der Ausstellung vertreten. © Guido Menker

Die Fachklasse verbinde das Kunststudium und sei von Unterschieden und Gleichheiten geprägt, heißt es in dem Begleitbuch. Die Studenten stellten sich kritisch der Problematik „Rassismus“, wobei das Buch „Exit Racism“ von Tupoka Ogette als gemeinsame Lektüre gedient hatte. In diesem Zusammenhang folgte dann die Gestaltung eines eigenen Buches. Um aber die künstlerische Freiheit der Studenten nicht zu blockieren, musste die Thematik nicht zwingend in das eigene Künstlerbuch mit einfließen. Deshalb konnte sich jeder auch die Freiheit nehmen, das aus dem Buch zu machen, was ihm lieb war. Form, Material und Inhalt – alles war möglich. „Der Titel ,Same Page’ bezieht sich auf die Diversität in den Ergebnissen und Arbeitsweisen der Teilnehmenden, welche im Konzept dieses Plakat-Katalog-Künstlerinnenbuches aufgegriffen werden“, heißt es im Begleittext.

Vieles von dem, was Rassismus ausmacht, lässt sich dennoch wiederfinden in den Werken auf den Ausstellungsebenen des Turms. Da liegt ein Buch mit leeren Seiten. Öffnet es der Besucher, wird ihm daraus vorgelesen. Da gibt es drei durchsichtige, beschriftete Plastiktüten, gefüllt mit Schrauben. Ein Buch sei ein Wortträger, aber auch ein Behälter und könne Geheimnisse unter dem Namen Privatsphäre wie ein Tresor verschließen. Elisa Junior indes hat etwas ganz anderes geschaffen. Seiten aus einer Mischung von Zucker und Latex. In ihrem Buch lässt sich Material lesen – und fühlen. Es ändert die Konsistenz je nach Temperatur. Je länger es der Betrachter in den Händen hält, desto besser lässt sich darin blättern. Oben im Turm hingegen liegt ein Buch auf einem Cocktail-Tisch – mit Fotos, die allesamt nichts geworden sind. Zumindest dann nicht, wenn der Betrachter Fotos erwartet, die gleich erkennen lassen, worum es geht. Ein weiteres Werk erzählt die Geschichte, ja vielleicht auch das Tagebuch von zahlreichen Waschmaschinendurchgängen – es sind Tücher, die beigelegt werden, um Verfärbungen der Textilien zu verhindern.

Auch Michael Dörner selbst beteiligt sich an diesem Projekt. Die Ergebnisse sind jetzt in Rotenburg, später aber auch in einer weiteren Ausstellung der HKS in der dortigen Bibliothek zu sehen. Künstlerbücher repräsentieren meist mehrere Seiten künstlerischer Arbeit, heißt es auf der Homepage des Kunstvereins Rotenburg. So könnten Schrift und Bild als Vermittler gedanklicher Hintergründe dienen oder die eigene Dokumentation auf verschiedenen Ebenen darstellen. Ein Buch könne auch zu einer reinen Form oder Materialauseinandersetzung führen und sich selbst widmen. Arbeitsprozesse wie Kleben, Schneiden, Binden, Gießen, Reißen, Überzeichnen, Bemalen würden sichtbar über die Seiten eines Buches verteilt. Manche Werke bildeten ganze Einheiten, andere wiederum zerfledderten beim Umblättern oder verhinderten das Betrachten.

„Vergebens“ nennt Lina Rosengrün ihr Buch, das an einer Stange hängt.
„Vergebens“ nennt Lina Rosengrün ihr Buch. © Guido Menker

„Diese Kooperation des Rotenburger Kunstvereins soll von Dauer sein“, sagt Dörner. Immer in den Phasen zwischen den eigenen vier Ausstellungen pro Jahr könnten die Studenten den freien Kunstturm nutzen und ihre Arbeiten präsentieren.

Vom 12. März an und bis in den April hinein sind im Kunstturm Arbeiten von Clemencia Labin aus Hamburg zu sehen. Objektkunst, Installation und Videos unter dem Titel „Coralino solo“. Im Kunstturm gelten zurzeit für Besucher die 2G-plus-Regel sowie eine Maskenpflicht.

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