Kritik am fehlenden Fahrplan

485 Termine für U18-Impfungen im Landkreis Rotenburg

Bjarne Holtermann und seine Mutter Roswitha geben seine Unterlagen  für die Impfung ab.
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Bjarne Holtermann und seine Mutter Roswitha geben seine Unterlagen und die Einverständniserklärung für die Impfung ab.

485 Anmeldungen hat das Zevener Impfzentrum erhalten: Parallel impfen die Mitarbeiter am Freitag in Rotenburg und Bremervörde Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren. Die Eltern und Kinder haben sich im Vorfeld ausführlich informiert – und verlassen sich bei der endgültigen Entscheidung oft auf die Stiko-Empfehlung.

Rotenburg – Während das Impfzentrum in Zeven am Ende des Monats die Tore schließen wird, geht das Impfen unvermindert weiter. Mittlerweile gilt auch die Stiko-Empfehlung für 12- bis 17-Jährige. Seit der Änderung wurden bisher 400 unter 18-Jährige im Landkreis erstgeimpft. Am Freitag bietet das Impfzentrum unterstützend in der Rotenburger Pestalozzihalle und in Bremervörde dezentrale Termine an. „Ziel unserer Aktion ist es, möglichst vielen Kindern noch einmal die Möglichkeit für eine Impfung zu geben“, sagt Alexander Oestmann aus dem Leitungsteam des Impfzentrums. Denn noch weiß keiner, wie der Fahrplan nach dem Rückbau der Zentren aussieht.

485 Anmeldungen liegen für das dezentrale Impfen vor, 272 davon für Rotenburg. Mit der Impfung der Kinder – außer mit besonderer Indikation, das war vorher schon möglich – haben sie zu deren Sicherheit erst mit der Empfehlung begonnen. Jeder Schüler muss zum Termin begleitet werden, die Sorgeberechtigten müssen eine Einwilligungserklärung unterschreiben. Gerade die Jüngeren können stärker auf das Präparat von Biontech reagieren, so Oestmann – sie sind kleiner und leichter als Erwachsene, erhalten dennoch die gleiche Menge Impfstoff.

Die Spritzen liegen bereit. 272 Impflinge erhalten ihre erste Dosis.

Eine Handvoll blauer Zelte ist in der Halle aufgebaut, auf der anderen Seite stehen weiße Plastikstühle für die Beobachtungsphase. Dort haben Sanitäter Dennis Ehlke und seine Kollegen alles im Blick. „Manchmal gibt es Kreislaufprobleme, aber sehr selten.“ An diesem Tag sei die Lage ruhig bisher.

Das stellt auch Oestmann bei einem Rundgang fest. Der Prozess laufe insgesamt schneller, das Team ist eingespielt, der Ort bekannt. „Die Gespräche dauern mit Jugendlichen manchmal etwas länger“, meint er. Da aber die Zahlen nicht vergleichbar sind mit dem Andrang, der bei den ersten dezentralen Impfterminen für Erwachsene herrschte, halte sich alles im Rahmen. Nur gut zwei Drittel der Halle nutzen sie, Platz wäre für deutlich mehr Impfbetrieb.

Ihre Spritze erhalten die Kinder und Jugendlichen mit dem Impfstoff von Biontech. Sorgen oder Bedenken sind von den Familien keine am Telefon geäußert worden. Auch vor Ort sind die Eltern entspannt. Sie haben sich zur Genüge informiert. „Wir haben abgewartet, bis die Stiko-Empfehlung kam. Vorher haben wir davon abgesehen – die Politik war für uns kein Signal für den Aufbruch“, erklärt der Mulmshorner Christian Meyer, der mit seiner Tochter Karoline zum Impfen gekommen ist.

Die Zwölfjährige ist „ein bisschen aufgeregt“, aber sie freut sich: Die Impfung möchte sie, weil es der Weg zu mehr Normalität ist. „Dann muss man nicht mehr so ein schlechtes Gewissen haben, wenn man Freunde trifft“, sagt die Ratsgymnasiastin. Von ihren Mitschülern sind viele schon erstgeimpft, einige haben auch schon vollen Schutz.

Bjarne Holtermann erhält seine erste Dosis.

Ähnlich sieht es bei Bjarne Holtermann aus, der mit seiner Mutter Roswitha gekommen ist. In einem Rutsch geht es für sie durch den Raum: Anmeldung, Arztgespräch und in gut fünf Minuten hat der 15-Jährige seine Impfdosis bereits intus. Er wollte sich schon lange impfen lassen. „Ist doch besser als ohne“, sagt er schlicht – so fallen Tests weg, wenn er etwas machen möchte. Doch seine Eltern haben gezögert, solange die Stiko kein grünes Licht gegeben hatte. „Wir haben immer noch gemischte Gefühle. Aber mein Mann, sein großer Bruder und ich sind geimpft. Er weiß, was ihn erwartet. Dennoch ist immer ein wenig Ungewissheit dabei.“

Die Stiko-Empfehlung ist der Faktor, auf den sich viele am meisten verlassen. Ob sie nicht früher in den Ferien hätte kommen können, um die Erstimpfungen noch vor dem Schulstart erledigen zu können? „Die Stiko hat sich die nötige Zeit genommen, die Datenlage auszuwerten und die Empfehlung als medizinischen Standard aussprechen zu können, was aus unserer Sicht für die Gesundheit der Kinder richtig war“, sagt Oestmann. „Vorsichtiges Handeln war deutlich wichtiger als ein Impfen innerhalb der Ferien. Insbesondere, da die Verläufe bei Kindern ohne Vorerkrankungen fast immer milde oder ohne Symptome sind.“ Impfungen in Schulen schließen die Mitarbeiter aus. „Sie sollten an einem möglichst neutralen Ort stattfinden“, so der Leiter. Das finden die Eltern gut. „Sonst entsteht schnell Gruppenzwang“, sagt Roswitha Holtermann.

Aber ein bisschen Kritik wird dann doch noch laut. Und zwar vom Leiter selbst: Das Land hat bislang keine Informationen herausgegeben, wie es nach dem Rückbau der Zentren weitergehen soll. Die mobilen Teams bleiben im Landkreis auf Standby. Denn eventuell werden sie zügig wieder benötigt, sollten die Drittimpfungen anstehen. „Wir warten immer noch auf einen Einsatzauftrag oder Erlass – und langsam wird es auch ein bisschen knapp, wir müssen ja auch gegebenenfalls Verträge verlängern können.“ Die Mitarbeiter, beim Landkreis angestellt, helfen dann zunächst in der Verwaltung mit. Aber ein genauer Fahrplan, der fehlt bisher – wie so oft.

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