Stadt verspricht Umsetzung erster Projekte bis zum Winter

380 000 Euro für Sofortmaßnahmen in der Rotenburger Innenstadt

Bewegungspark hinter dem Stadtspeicher
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Der Bewegungspark hinter dem Stadtspeicher soll zu einem Abenteuerspielplatz für Kinder werden.

Aus dem Förderprogramm „Perspektive Innenstadt“ erhält Rotenburg 345.000 Euro, stockt mit eigenen Mitteln noch einmal auf 380.000 Euro auf. Mit der Finanzspritze soll der Bereich in und um die Fußgängerzone auf Vordermann gebracht werden, um die Attraktivität zu steigern und die Aufenthaltsqualität zu verbessern.

Rotenburg – Die Lage vieler Innenstädte ist prekär – und die Auswirkungen der Pandemie haben das nur verstärkt. Städte stehen vor der großen Aufgabe, die Attraktivität ihrer Bummelmeilen zu erhalten. Ein Rezept für die Erhaltung gibt es nicht, wohl jetzt aber finanzielle Mittel, um Verbesserungen zu schaffen. Genau das hat auch die Stadt Rotenburg vor und kann dafür auf 380. 000 Euro zurückgreifen. „Damit kriegen wir eine richtig tolle Belebung hin“, meint Bürgermeister Andreas Weber (SPD) zufrieden.

Die finanzielle Unterstützung kommt aus dem „Sofortprogramm Perspektive Innenstadt“, in dem das Land zusammen mit EU-Mitteln insgesamt 200 Millionen Euro bereit stellt, um Innenstädte zukunftsfähig zu machen. Sie können Neues ausprobieren – ganz individuell nach örtlichen Gegebenheiten. Nicht alle Kommunen haben Anträge gestellt. Rotenburg profitiert ebenso wie weitere Antragsteller von diesem Fakt: Statt der angedachten 320.000 Euro gibt es für die Wümmestadt nun 345.000 Euro. Aus Eigenmitteln legt die Stadt noch einmal 35.000 Euro drauf.

Die Natursteinmauern am Stadtstreek Richtung Stadtspeicher sollen einer Sitztreppe weichen. So soll der Bereich geöffnet werden.

In sechs Handlungsfeldern kann und möchte die Stadt aktiv werden, die dazu im Vorfeld bereits Beteiligte örtlicher Initiativen ins Boot geholt hat. Dabei soll nach Vorgaben des Landes ein Fokus besonders auf dem Klimaschutz liegen. Die Verwaltung kann jetzt im Oktober die ersten Anträge bei der NBank stellen, bis spätestens Ende 2022 sollen alle förderfähigen Maßnahmen umgesetzt werden. Weber verspricht, dass die ersten Ergebnisse bereits zum Winter sichtbar sein sollen: mehr Grün in der Fußgängerzone, mehr Sitzgelegenheiten und Spielmöglichkeiten. Er will Tempo in die Planungen bringen, gerade nach den langen Lockdown-Monaten. Neue Mülleimer sollen da unter anderem her, da diese „regelmäßig überquellen“. Angedacht sind Modelle, die den Müll bereits komprimieren, angetrieben über Solarmodule auf dem Deckel. 45.000 Euro stehen für die optischen Verschönerungen bereit.

Optisch wird sich auch am Stadtstreek bis hinter den „Stadtspeicher“ einiges tun. So sollen die Natursteinmauern am Wasser weichen, der Bereich offener gestaltet und Sitztreppen geschaffen werden. Der Bewegungspark soll an einen anderen Standort umziehen – vorrangig mal für Senioren gedacht, nutzen ihn hauptsächlich Kinder. Deswegen plant die Stadt, stattdessen auf der Grünfläche einen Abenteuerspielplatz zu errichten. Für diesen werden derzeit Entwürfe gezeichnet, die beim nächsten Treffen des Planungsausschusses vorgestellt werden sollen. Für die Maßnahme wird die größte Summe mit 140.000 Euro bereit gestellt.

Weniger Fahrradstellplätze direkt in der Fußgängerzone, dafür überdachte Stellplätze an den Seitenstraßen.

Wer sein Fahrrad abschließen möchte, muss künftig auf die ein oder andere Möglichkeit direkt an der Großen Straße verzichten – ein paar Abstellmöglichkeiten wie die Ständer direkt vor dem Pressehaus, kommen weg. Stattdessen soll es überdachte Abstellmöglichkeiten auf den Seitenstraßen geben – mit Strom, um beispielsweise E-Bikes aufzuladen. Wo vom Platz her möglich, könnte das vielleicht über PV-Anlagen gelöst werden.

Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts nach mehr als zehn Jahren

Ein Einzelhandelskonzept (EHK) sollte möglichst alle fünf Jahre fortgeschrieben werden. Zuletzt wurde das 2009 gemacht – und ist damit längst überfällig, wie Cornelia Gewiehs, Vorsitzende der IG City-Marketing, nicht müde wird, zu betonen. Einen Vorstoß sollte es 2020 geben – doch ergab das in einer Pandemiesituation wenig Sinn. Ein aktualisiertes EHK ist gleich aus mehreren Gründen wichtig: Die Rotenburger Stadtentwicklung hat viele Fortschritte gemacht: „Das alte EHK ist auf einem Stand, der dem nicht mehr gerecht wird“, sagt Gewiehs. Sie denkt an Planungen wie das Innovationsquartier der Rotenburger Werke, die Neuerungen am Weichelsee oder die Pläne für die Entwicklung am Kalandshof, „die das Gefüge verändern werden“. Außerdem ist es neben dem Verkehrsentwicklungskonzept ein wichtiger Baustein des ISEK (Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept). Daran orientiert sich die Entwicklung der Stadt in den kommenden Jahren – doch würde sie auf einem veralteten EHK aufbauen. Etwas, das ISEK-Experten und IHK bereits kritisiert haben. Ein attraktiver Innenstadt-Kern habe laut Gewiehs eine „große Strahlkraft nach außen“, darin vereinen sich Wohnen, Einzelhandel, Dienstleistungen, Gastronomie und Kultur. Zu den Stadträndern läuft das Angebot aus, ruhige Wohngebiete, in denen Menschen Geschäfte für den täglichen Bedarf gut erreichen können. „Wenn Rotenburg so plant, bleibt die Stadt gesund und lebendig“, sagt Gewiehs.

Außerdem sei ein Wandel bei EHK-Experten zu beobachten: Statt wie bisher vorrangig auf Bauleitplanung zu setzen, rücken Empfehlungen für Bestandssicherung immer mehr in den Fokus. „Dies ist dem Umstand geschuldet, dass Leerstände und Geschäftsaufgaben schneller zunehmen als die Nachfrage nach neuen Flächen. Es ist wichtig, dass das von der Stadtverwaltung beauftragte Büro darauf eingeht.“

Jetzt ist, dank Förderprogramm, die Ausschreibung raus, eine Firma gefunden. Als nächstes folgen Kundenbefragungen: Was suchen sie? Wie ist die Passantenfrequenz, welche Sortimente sind da oder gewünscht? Wie groß ist die Kaufkraft in Rotenburg? Im Prozess sollte man sich, so Gewiehs, auch am „Benchmarking“ orientieren, also dem Vergleich mit anderen Städten gleicher Größenordnung. So gebe es realistische Anregungen, „was besser sein kann oder schon gut ist“. acb

Ein Versäumnis, das vor allem IG City-Marketingsvorsitzende und Geschäftsfrau Cornelia Gewiehs schon lange bemängelt, soll nun auch aufgearbeitet werden: Die Fortschreibung des Rotenburger Einzelhandelskonzepts. Dafür stehen 26.000 Euro zur Verfügung. Eine Ausschreibung ist raus, die Firma mit dem Zuschlag bereits benachrichtigt. Eventuell können aber in dem Konzept noch Ergänzungen vorgenommen werden: Die Stadt hat einen weiteren Fördertopf im Blick: „Resiliente Innenstädte“, mit dem das Europa- und Regionalministerium ab Herbst ein weiteres Förderprogramm für größere Innenstädte auflegt.

Für Besucher oder diejenigen, die ihre Heimat näher kennenlernen möchten, gibt es bald eine Zeitreise entlang der geschichtsträchtigen Gebäude der Kreisstadt: Damit können bestimmte Orte per QR-Code erkundet werden. Außerdem sind Zuschüsse für Pop-up-Stores möglich, meint Weber – „damit sich Geschäfte wieder füllen lassen.“

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