33-Jähriger muss nach Berufungsverfahren in Verden in Haft

Chance nicht genutzt

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Die Justiz zeigt wenig Verständnis für die Taten des Rotenburgers. Archivfoto: dpa

Rotenburg - Von Wiebke Bruns. Weil er in der Silvesternacht 2012 mit einer Gaspistole auf einen Mann geschossen hat, musste sich ein 33 Jahre alter Angeklagter aus Rotenburg in einem Berufungsverfahren vor dem Landgericht Verden verantworten. Der Angeklagte gehörte zum Tatzeitpunkt der rechten Szene an. Aus dieser will er sich nach der Tat gelöst und seitdem keine Straftaten mehr begangen haben. Seine Bemühungen um eine Strafaussetzung zur Bewährung hatten dennoch keinen Erfolg.

Das Amtsgericht Rotenburg hatte den einschlägig vorbestraften und unter laufender Bewährung stehenden Angeklagten im April 2014 wegen gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von eineinhalb Jahren verurteilt. Seine Berufung beschränkte der Angeklagte zu Beginn der Berufungsverhandlung auf den Rechtsfolgenausspruch, denn es ging ihm nur um die Bewährung. Zeugen wurden deshalb nicht gehört.

Der Geschädigte war in der Silvesternacht zunächst von anderen Männern geschlagen und getreten worden, nachdem er diese gebeten hatte, Schüsse mit einer Gaspistole zu unterlassen, da seine Tochter Angst habe. Als er danach den ebenfalls eine Gaspistole führenden Angeklagten fragte, ob dieser die Auseinandersetzung beobachtet habe und um Hilfe bat, war dieser nicht dazu bereit. Daraufhin wurde der Geschädigte gegenüber dem Angeklagten aggressiv und versuchte diesem die Gaspistole zu entreißen. Dann fiel der erste Schuss.

Das Amtsgericht Rotenburg konnte in erster Instanz nicht klären, ob der erste Schuss absichtlich oder versehentlich abgegeben worden ist. Es folgten mindestens drei weitere Schüsse zusammen mit der Bedrohung: „Stirb du Kanake, stirb du Ölauge“. Laut dem angefochtenen Urteil erlitt das Opfer Verletzungen unter anderen im Gesicht und an den Händen. Beim Prozess im April 2014 soll das Opfer von andauernden psychischen Problemen als Folge der Tat berichtet haben.

Anders als in erster Instanz zeigte der Angeklagte in Verden Einsicht und räumte die Taten ein. „Ihm ist klar, dass er Federn lassen muss“, so der Verteidiger, der wesentlich zu dem Sinneswandel beigetragen zu haben schien. Sein Mandant erkenne den Anspruch auf Schmerzensgeld dem Grunde nach an. Über konkrete Summen wurde nicht gesprochen. Das Opfer hatte einen Fersenbruch erlitten. Unklar ist, ob die Verletzung bei der ersten oder zweiten Auseinandersetzung entstanden ist.

„Ich habe geschossen, das war dumm und das bereue ich. Mit dem rechten Scheiß habe ich nichts mehr zu tun“, erklärte der Angeklagte. Dieser habe ihm immer nur Ärger eingebracht, so auch sein Ausstieg. Auf diesen seien massive Drohungen gefolgt, für die sich die Staatsanwältin interessierte, doch der Angeklagte gab an, dass es anonyme Drohungen gewesen seien. Der Verteidiger und der Anwalt des Opfers hielten eine Bewährungsstrafe angesichts des Sinneswandels für angemessen. Eine Inhaftierung nütze dem Opfer nichts.

Die Staatsanwältin beantragte, die Berufung zu verwerfen, und dem folgte das Gericht. Die Provokationen seien vom Nebenkläger ausgegangen, aber angesichts der Taten herrsche völliges Unverständnis bei der Kammer. Außerdem habe der Angeklagte drei Mal die Chance einer Bewährung bekommen, aber nicht genutzt. Der Verteidiger kündigte an, erneut Rechtsmittel einzulegen.

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