Verabschiedung auf dem Rotenburger Kasernenhof

30 Soldaten nach Afghanistan

Hans-Jürgen Krahn und Holger Bahrenburg überreichen das Sottrumer Ortsschild an den Zugführer. Das Schild geht mit nach Afghanistan.
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Hans-Jürgen Krahn (v.l.) und Holger Bahrenburg überreichen das Sottrumer Ortsschild an den Zugführer. Das Schild geht mit nach Afghanistan.

Oberstleutnant Robert Pröse als stellvertretender Kommandeur des in Rotenburg stationierten Jägerbataillons 91 hat am Freitag 30 Soldaten eines Infanteriezuges aus der 4. Kompanie in den Einsatz verabschiedet. Die 30 Männer werden in zwei Wochen nach Afghanistan verlegt.

  • Erst in Quarantäne - dann in den Einsatz.
  • Lage in Masar-e Scharif „ruhig, aber nicht stabil“.
  • Mit Sottrumer Ortsschild nach Afghanistan.

Rotenburg – Die Lage in Masar-e Scharif sei „ruhig, aber nicht stabil“, sagt Oberstleutnant Robert Pröse am Rande der Verabschiedung von 30 Soldaten eines Infanteriezuges der 4. Kompanie vom Jägerbataillon 91 in Richtung Afghanistan. „Es besteht durchaus die Chance, dass sie während ihres Einsatzes nicht einen Schuss abgeben müssen“, fügt er hinzu. Dennoch gibt er zu bedenken: „80 Prozent des Krieges sind Langeweile, aber die restlichen 20 Prozent können auch heftig werden.“ Die Lage in Afghanistan sei von viel Ungewissheit geprägt. Daher sei ständige Wachsamkeit von großer Bedeutung.

Der Oberstleutnant verabschiedete die Soldaten allerdings nicht alleine – mit ihm waren auch kleine Abordnungen von weiteren vier der insgesamt sechs Kompanien im Jägerbataillon angetreten. Eigentlich ist der Rahmen für derartige Verabschiedungen weitaus größer – doch angesichts der Pandemie war einfach nicht mehr möglich. Aber Sottrums Gemeindebürgermeister Hans-Jürgen Krahn und der Gemeindedirekter Holger Bahrenburg ließen es sich nicht nehmen, dabei zu sein. Schließlich besteht zwischen der Gemeinde Sottrum und der 4. Kompanie eine Patenschaft; und so ist es üblich, den Soldaten ein Ortsschild mit auf den Weg in den Einsatz zu geben.

Kleine Geschenke vom Militärseelsorger

Kleine Geschenke hatte auch der Militärseelsorger Thomas Nuxoll parat: Er überreichte jedem Soldaten eine Münze – mit dem heiligen Michael als Schutzpatron der Soldaten auf der einen, und einem Hirschgeweih mit Kreuz auf der anderen Seite – stellvertretend für den heiligen Bischof Hubertus als Schutzpatron der Jäger.

Seelsorger Thomas Nuxoll überreicht die Münze.

Für Schutz sollen in Masar-e Sharif auch die Rotenburger Soldaten sorgen – ihr Auftrag ist die Absicherung eines Camps. Und genau dafür seien sie „bestens ausgebildet“, versichert der stellvertretende Kommandeur. Ein Zug, der es zu hoher Professionalität gebracht habe. Eigentlich, so Pröse, war eben dieser Zug im vergangenen Jahr für einen Einsatz im Irak eingeplant. Doch kurz vor dem Abflug änderte sich die Lage. Sie wurden „ausgebremst“. Nun also Afghanistan. Pröse versicherte, dass dieser Zug der beste sei, der diesen Auftrag übernehmen kann. „Ich wünsche Ihnen alles Soldatenglück und eine gute Kameradschaft.“

Erst Quarantäne im Hotel - dann in den Einsatz

Bevor der Flieger startet, begeben sich die Soldaten in eine 14-tägige Quarantäne. Dafür ist ein Hotel in Köln vorgesehen, hieß es am Rande der Veranstaltung auf dem Kasernenhof – bei bitterer Kälte und vereinzelten Schneeflocken.

Dass Robert Pröse diese Zeremonie auf dem Gelände der Von-Düring-Kaserne vornahm, hatte übrigens einen guten Grund: Der Kommandeur des Jägerbataillons 91, Maik Münzner, befindet sich zurzeit noch mit einer ganzen Reihe von Rotenburger Soldaten im Irak-Einsatz. Mit deren Rückkehr wird bis Ende März gerechnet. Pröse betonte am Freitag, dass in diesem Jahr insgesamt rund 300 Soldaten in drei Ländern im Einsatz unterwegs sein werden – neben Irak und Afghanistan werden etwa 120 „91er“ in Litauen Präsenz zeigen.

„Ablösung ist der Moment der Schwäche“

Wenn Pröse von Wachsamkeit sprach, bezog er das auf alle Einsatzgebiete. Und er legte sein Hauptaugenmerk in der Ansprache an die Soldaten vor allem auf den Moment der Ablösung vor Ort. „Das ist ein Moment der Schwäche, der für eine leicht diffuse Situation sorgt“, erklärte er. Der Appell von Seelsorger Thomas Nuxoll daher: „Rechnen Sie mit dem Unerwarteten und verlassen sich auf Bewährtes.“ Also auf das, was sie gelernt haben in der Vorbereitung. Sein „Auf Wiedersehen“ sei daher wortwörtlich gemeint – nicht zuletzt auch ganz im Sinne der Familien und Freunde. Für die Familien der 30 Soldaten wird auch in diesem Fall gesorgt, heißt es.

Robert Pröse

Mit „Ehre und Mut“ gingen die Soldaten nun also in ihren Einsatz, versichert Pröse. „Sie haben es als Ihre Profession gewählt.“ Der Oberstleutnant sprach vom „Nebel des Krieges“. Wer sich darauf nicht einlassen will, sollte „besser zur Barmer Ersatzkasse gehen“. Bei aller Zuversicht, verbunden mit der Gewissheit einer passgenauen Ausbildung und Vorbereitung betonte Pröse gegenüber unserer Redaktion: „Ich verabschiede die Männer mit einem gesunden Maß an Sorge, verbunden mit der tiefen Hoffnung, dass sie alle wieder gesund nach Hause kommen werden.“

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