Landkreis arbeitet an einer Lösung mit dem VBN

Der Plan: 30-Euro-Ticket für die Jugend

Eine leere Bushaltestelle in der Stadt Rotenburg, rechts im Bild sind die Fahrpläne zu sehen.
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Mit einem 30-Euro-Ticket sollen Schüler und Auszubildende bald an allen Haltestellen im Landkreis in einen Bus steigen können.

Rotenburg – Das Kind hat noch keinen Namen, aber das wird wohl das geringste Problem sein: Der Landkreis Rotenburg will Schülern und Auszubildenden vom August kommenden Jahres an ein Monatsticket anbieten, mit dem sie sämtliche Busse im Landkreis Rotenburg nutzen können – für zunächst 30 Euro im Monat. Im Idealfall sollen sie mit diesem Ticket in der Tasche auch bis nach Bremen fahren können.

„Es gibt noch keine fertige Lösung“, betont Frank Wiesner von der Verkehrsgesellschaft Nord-Ost-Niedersachsen im Landkreis-Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr. Und weil das so ist, beinhaltet die einstimmige Empfehlung der Kreistagsmitglieder zunächst eine grundsätzliche Absichtserklärung. Wie die angestrebte Lösung am Ende aussieht, muss sich noch klären – da geht es nicht zuletzt auch um finanzielle Aspekte.

Hintergrund: Die niedersächsische Landesregierung wird – anders als ursprünglich vorgesehen – kein flächendeckendes „Niedersachsen-Schülerticket“ einführen. Zu teuer. Stattdessen will man den ÖPNV-Aufgabenträgern Geld zur Verfügung stellen und Rahmenbedingungen für regionale Schüler- und Azubi-Tickets vorgeben, heißt es in der Sitzungsvorlage. Unter diesen Vorgaben könnten die Landkreise im Rahmen ihrer Fahrpreisgestaltung allen Schülern sowie Auszubildenden eine regionale Netzkarte anbieten. Der Eigenbeitrag darf im Abo monatlich maximal 30 Euro betragen, wobei spätere Fahrgelderhöhungen in engen Grenzen möglich seien.

Für eine regionale Lösung stünden dem Landkreis Rotenburg rund 390 000 Euro zur Verfügung. Das ist die finanzielle Grundlage. Jetzt geht es darum, die richtige Lösung zu finden. Der Landkreis favorisiert eine Kooperation mit dem VBN. Ob diese sich bereits zum August kommenden Jahres realisieren lässt, ist offen. Der Erste Kreisrat Torsten Lühring erklärt auf Nachfrage, dass es alternativ nur die Variante auf Grundlage des ROW-Tarifs geben könne – landkreisweites Fahren mit den Bussen. Eine Kooperation mit dem HVV hingegen sei zurzeit nicht realistisch.

Lühring ist aber zuversichtlich, die auch vom Ausschuss favorisierte Variante umsetzen zu können und spricht von einer „spannenden Aufgabe“, dieses Vorhaben zu realisieren. Zu beachten sind dabei Vorgaben des Landes, um in den Genuss der Förderung zu kommen.

Eine Abo-Karte für Schülerinnen, Schüler und Azubis für anfänglich 30 Euro pro Monat ist anzubieten, die zumindest im gesamten Busverkehr im Landkreis Rotenburg gilt. Die regionalen Schüler- und Azubi-Tickets müssen an allen Tagen der Woche einschließlich der Schulferien rund um die Uhr gelten. Darauf legt das Land Wert.

Inwieweit ein VBN-Verbund-Ticket im gesamten Landkreis angewendet werden kann, müsse nun mit dem Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) noch weiter besprochen werden. Sollte es zu einer Einigung kommen, können die jungen Leute auch den Zug nutzen – zumindest aus jenen acht Kommunen des Landkreises heraus, die schon jetzt im VBN-Bereich liegen. Das sind neben der Stadt Rotenburg und der Samtgemeinde Sottrum die Samtgemeinde Bothel, die Stadt Visselhövede sowie die Samtgemeinden Tarmstedt, Zeven und Selsingen sowie die Gemeinde Gnarrenburg, erläutert Lühring.

VBN und ZVBN haben dem Vernehmen nach vor, ein entsprechendes „JugendTicket“ im gesamten VBN-Gebiet frühestens zum 1. August 2022 einzuführen. Mit der bisherigen Logik, dass VBN-Netz-Tickets auch in den ROW-Tarifzonen das Busfahren erlauben, wären die Kriterien des Landes nach Ansicht der Kreisverwaltung erfüllt, heißt es.

Torsten Lühring ist sich unabhängig vom Ausgang der weiteren Gespräche in einem Punkt sicher: „Es wird künftig mehr als bisher zu pauschalisierten Angeboten kommen.“ Für Schüler und Auszubildende sorgt das jetzige Vorhaben zu günstigeren Preisen. Die in der Beschlussvorlage des Ausschusses ebenfalls angesprochene Lösungsvariante „HVV-Tarif“ hält Lühring vorerst allerdings nicht für umsetzbar. „Da es bislang noch keine fertige Lösung für die ,echten’ HVV-Landkreise gibt, ist eine HVV-Lösung für den Landkreis Rotenburg gegenwärtig unrealistisch.“

Der Blick richtet sich also auf den VBN. Torsten Lühring spricht von der aus seiner Sicht „charmantesten Lösung“. Doch der Landkreis Rotenburg weiß auch, dass man unter „erheblichem, zeitlichen Druck“ steht, soll das attraktive Angebot ab August 2022 greifen. Der Ausschuss macht klar: Vorbehaltlich einer Klärung der Finanzierung wird eine gemeinsame Lösung mit dem VBN/ZVBN bevorzugt. In einem weiteren Schritt soll der Landkreis eine weitergehende Anbindung an den HVV anstreben.

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