Lage weitgehend entspannt

2G im Einzelhandel: „Besser als ein Lockdown“

Nicole Fedderken-Pries vom Modehaus Fedderken in Visselhövede kontrolliert ein digitales Zertifikat.
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Nicole Fedderken-Pries vom Modehaus Fedderken in Visselhövede kontrolliert ein digitales Zertifikat.

Seit Montag gilt die 2G-Regel für den Einzelhandel. Das ist eine Herausforderung für die Unternehmen, die nur noch Geimpfte oder Genesene in ihren Geschäften bedienen dürfen. An den Eingängen wird teils streng kontrolliert. Doch die Kunden sind vorwiegend entspannt.

Rotenburg/Visselhövede – Von Kontrollen durch Polizei oder Ordnungsamt ist am Dienstag in der Rotenburger Innenstadt zwar nichts zu sehen, dafür hängen Schilder an allen Ecken: ein Weihnachtsspecial hier, Angebote und Lockrabatte dort. Außerdem Schilder, die neben den üblichen AHA-Regeln auf eine Neuerung seit Montag hinweisen. Denn in einigen Einzelhandelsgeschäften gilt: Zutritt nur noch mit 2G, also nur für nachweislich Geimpfte oder Genesene. Das sorgt für Herausforderungen.

Viele Kunden sind verunsichert: Was ist wo erlaubt? Viele wüssten nicht, ob sie einen Test zusätzlich bräuchten. Oder ihnen ist nicht bekannt, dass zum Beispiel ein Buchladen nicht unter die 2G-Regel fällt, meint Buchhändlerin Regina Mauer. Sie registriert weniger Kunden, aber „die, die da waren, sind froh, dass die Läden offen sind“, ist ihre Erfahrung. Denn zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr stand der Lockdown vor der Tür.

Die Inhaber tun ihr Bestes, einen erneuten zu verhindern. Technische Aufrüstung zur Luftfilterung, Desinfektion, Verringerung der Kundenzahl im Laden. Ins Auge fällt auch das Spielzeuggeschäft von Timo Röhrs. Abgetrennter Zugang, am Eingang ein Mitarbeiter, der per „CheckApp“ Nachweise prüft. „Wir haben es uns schlimmer vorgestellt“, sagt Röhrs nach den ersten beiden Tagen. Glücklicherweise sei aber alles ruhig, die Kunden verständnisvoll. Viele fragen vorab nach Produkten. Und gänzlich ausgeschlossen werde niemand: „Click & Collect“ ist möglich, auch Ungeimpfte oder die, die nicht stöbern wollen, können vorab bestellen und einen Termin zum Abholen vor der Tür vereinbaren.

In den meisten Fällen läuft also alles rund. Die Kunden zeigen ihre Nachweise meist freiwillig, spätestens auf Nachfrage bereitwillig vor. Sie sind geduldig, bleiben tendenziell sogar länger, meint Cornelia Gewiehs, Vorsitzende der IG-City-Marketing. Probleme hatte sie nur mit ein paar wenigen Ungeimpften, so Birgit Bade vom Modehaus Baumeister, die mit Sprüchen provozieren, weil ihnen der Zutritt verwehrt bleibt. Diskutiert wird aber nicht, die Regeln stehen.

Die Geschäftsleute halten sich daran – auch, wenn sie dem einen oder anderen mal sauer aufstoßen. Bade ist durchaus zufrieden, sie hatte mit weniger Kunden gerechnet. Aber: „Warum fällt ein Buchladen in den alltäglichen Bedarf, dazu gehört auch die Unterhose“, findet sie. Ein Thema, das viele umtreibt, auch wenn jeder dem anderen die Öffnung gönnt, wie sie betonen. Doch wenn dann auch noch Discounter ihre Non-Food-Abteilungen aufstocken, während an anderer Stelle Zutrittsbeschränkungen gelten, weckt das Frust.

„Diese Regel ist schon eine riesige Herausforderung für uns“, sagt auch Nicole Fedderken-Pries, Chefin des Modehauses Fedderken in Visselhövede. Zum Glück seien alle ihre Kunden sehr einsichtig, „und wir haben jetzt klare Regeln und nicht so ein Durcheinander wie noch vor einigen Wochen“.

Der Rotenburger Geschäftsinhaber Timo Röhrs steuert den Zugang zu seinem Spielwarenladen.

Die Stammkunden hätten bisher noch kein böses Wort über die Kontrollen an der Eingangstür verloren, so Fedderken-Pries und schmunzelt. Wer das Haus betreten will, muss seinen Impfpass vorzeigen oder eben die digitalen Zertifikate auf dem Handy. „Wobei die meisten unserer Kunden die Handyvariante bevorzugen“, betont die Visselhövederin, deren Geschäft auf eine 141-jährige Geschichte zurückblickt.

Natürlich tue es in der Seele einer Geschäftsfrau weh, wenn ein ungeimpfter Kunde vor der Tür stehe und sich für richtig viel Geld neu einkleiden möchte, sie ihn aber nicht reinlassen darf. „Denn aktuell können wir jeden Umsatz in der Kasse sehr gut gebrauchen“, betont Fedderken-Pries sicherlich stellvertretend für alle ihre Kollegen in den Städten und Gemeinden. Falls es zu diesem Szenario kommen sollte, würde der Modehändlerin „aber auch etwas einfallen“. So bietet sie an, dass Kunden die Ware bestellen und zur Auswahl abholen können.

„Grundsätzlich habe ich den Eindruck, dass die Kunden, die trotz aller Widrigkeiten den Weg zu uns finden, sich durch 2G sicherer fühlen. Und auch für meine Mitarbeiter ist es besser, wenn sie sicher sein können, dass ihr Gegenüber genesen oder geimpft ist.“

Diese Regel ist schon eine riesige Herausforderung für uns.

Nicole Fedderken-Pries, Chefin des Modehauses Fedderken in Visselhövede

Strenge Kontrollen gibt es auch in der Boutique Virus an der Visselhöveder Goethestraße. „Die Leute sind entspannt und kommen schon mit ihren aufgeklappten Impfpass zur Tür hinein“, betont die Angestellte Christine Herzog. Grundsätzlich sei der Tenor der Kunden auf diese Eingangsbeschränkungen sehr positiv. „Alle betonen, dass sie die Situation klaglos hinnehmen wollen, damit wir die Pandemie endlich mal zu den Akten legen können“, hat Herzog in Erfahrung gebracht.

Dennoch: Die Frequenz in der Stadt hat gelitten, nicht erst seit Montag, sondern seit die Infektionszahlen in die Höhe schnellten, ist der Eindruck von Cornelia Gewiehs. „Das Grundproblem ist das Gefühl, dass wir seit dem vergangenen Jahr keine echten Fortschritte erzielt haben. Trotz Impfung. Hätten wir die Modellregionen durchgezogen, mit wissenschaftlicher Begleitung, hätten wir vielleicht Erkenntnisse darüber, wer in Pandemiezeiten die Infektionstreiber sind. So bleibt die Politik bei den immer gleichen Maßnahmen. Das ist echt frustrierend.“

Das Wichtigste aus dem Landkreis Rotenburg: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Mit einem dicken Weihnachtsgeschäft, eine der wichtigsten Zeiten für den Einzelhandel, mag keiner rechnen. Aber in einem sind sich die Geschäftsleute ebenfalls einig. „Alles ist besser als ein erneuter Lockdown“, so Christine Herzog.

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