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25 Jahre Feuerengel: „Ein ziemlich unwirkliches Gefühl“

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Von: Lars Warnecke

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Auf der Bühne (hier bei einem Konzert in Schwerin) gibt die sechsköpfige Combo alles.
Auf der Bühne (hier bei einem Konzert in Schwerin) gibt die sechsköpfige Combo alles. © Thomas

Scheeßel/Griemshoop – Cover-Bands gibt es viele, Tribute-Bands nur wenige. Denn was Feuerengel können, können eben nicht alle: dem Original hochprofessionell und mit viel Herzblut die verdiente Ehre erweisen – in diesem Fall den Berliner Herren von Rammstein.

25 Jahre sind Feuerengel nun schon auf Tour, haben Tausende Shows in Deutschland und weit über die Grenzen hinaus gespielt. Selbst vor ihren Vorbildern sind die sechs Musiker bereits aufgetreten. Wie blickt man auf ein Vierteljahrhundert Bandgeschichte zurück? Was kann da noch kommen? Darüber haben wir uns mit den beiden Gründungsmitgliedern, Frontmann und Sänger Boris Delic (46) aus Griemshoop sowie dem in Scheeßel wohnhaften Bassisten Holger Sommer (53), unterhalten. Also dann: Feuer frei.

Herzlichen Glückwunsch zur Silberhochzeit!

Boris Delic: Vielen Dank. Silberhochzeit hört sich schon ein bisschen merkwürdig an. Und dass es uns jetzt tatsächlich 25 Jahre gibt, ist ein ziemlich unwirkliches Gefühl.

Holger Sommer: Ja, das ist eine lange Strecke, die wir da zurückgelegt haben.

Wie fühlt man sich nach einer so langen Strecke? Alt oder stolz?

Delic: Natürlich erfüllt es mich mit Stolz, dass wir es geschafft haben, Feuerengel so lange am Leben zu halten. Das ist nicht selbstverständlich im großen Haifischbecken der Musikbranche. Alt fühle ich mich in dem Sinne nicht, auch, wenn ich auf die 50 zugehe. Natürlich stecke auch ich gewisse Sachen nicht mehr so weg, wie noch vor ein paar Jahren. Damals ist man halt noch ein bisschen fitter gewesen. Aber ich denke darüber gar nicht so sehr nach, man bekommt es ja auch nicht gespiegelt. Ich hoffe einfach, dass wir das alle noch so lange wie möglich durchhalten.

Hättet ihr euch, als ihr angefangen habt, erträumen lassen, dass ihr einmal dieses Jubiläum feiern würdet?

Sommer: Nein, überhaupt nicht. Als wir mit der Band 1997 angefangen haben, waren wir noch davon ausgegangen, dass das Projekt nach höchstens zwei Jahren wieder zu Grabe getragen wird. Dass wir nun schon so viel länger im Geschäft sind, was letztendlich dem Riesenerfolg von Rammstein zu verdanken ist, damit konnte definitiv keiner rechnen.

Delic: Es war ja anfangs auch eigentlich mehr ein Spaß. Wir haben uns gesagt: Wir machen einfach mal so einen Gig und wenn es jemanden interessiert, machen wir weiter. Und so war es dann ja auch.

Wie sehr ihr euch als Band gesteigert habt, konnte man bei euren Scheeßeler Auftritten zum zehn-, zum 15- und zum 20-jährigen Bestehen sehen.

Delic: Mit zuletzt übrigens 4 000 Besuchern, die nur für uns gekommen sind. Das war schon überwältigend! Ja, wir spielen auch schon mal vor 12 000 Leuten, aber das dann auf irgendwelchen Festivals, wo das Publikum nicht nur auf Feuerengel wartet. Unser Heimspiel in Scheeßel 2017 war schon etwas ganz Großes für uns – unbestritten ein Höhepunkt in all den Jahren.

Was unterscheidet eurer Meinung nach Feuerengel von anderen Rammstein-Tribute-Bands?

Sommer: Schwere Frage. Jeder macht es eben auf seine Art und Weise und nach seinen Möglichkeiten, so es denn eben geht.

Delic: Fakt ist, dass wir die erste Band waren, die Rammstein überhaupt in dem Ausmaße gecovert haben, wir damit quasi den Weg für alle nachkommenden Rammstein-Tribute-Bands ebnen konnten. Wir haben gezeigt, dass es möglich ist und dass es die Leute interessiert.

Warum hätte es die Leute nicht interessieren sollen?

Delic: Viele, selbst irgendwelche Agenturen, haben anfangs gesagt, Rammstein könne man ja gar nicht covern. Und wenn doch, würde kein Hahn danach krähen. Diesen Zweiflern haben wir relativ schnell gezeigt, dass es nicht so ist. Aber was unterscheidet uns sonst noch? Ganz sicher, dass wir nicht so bitterernst sind, wie man es womöglich von Rammstein erwartet. Manchmal sind wir total albern auf der Bühne oder reden Schwachsinn, was mit der Band, die wir covern, gar nichts zu tun hat. Ich denke das und wie wir mit dem Publikum kommunizieren, macht uns authentisch. Immer wieder bekommen wir nach Konzerten zu hören, wir seien Rammstein zum Anfassen. Das können andere Tribute-Bands, die bierernst zur Sache gehen, sicher nicht von sich behaupten.

Sommer: Stimmt, das wird bei uns anders gehändelt.

Zum Interview mal unmaskiert: Boris Delic (l.) und Holger Sommer gehören von Anfang an der Rammstein-Tribute-Band Feuerengel an.
Zum Interview mal unmaskiert: Boris Delic (l.) und Holger Sommer gehören von Anfang an der Rammstein-Tribute-Band Feuerengel an. © -

Wie fühlt es sich an, auf der Bühne jemand anderer zu sein?

Sommer: Ich bin dann immer noch der, der ich bin: Holger Sommer. Ich würde das eher mit einem Schauspieler vergleichen, der in eine Rolle hineinschlüpft. Wobei man das in unserem Fall auch ein bisschen interpretiert, weil man nicht eins zu eins das Original sein kann. Und das muss auch gar nicht sein.

Delic: Holger hat mir da schon vieles vorweggenommen. Du hast eine Vorgabe, wie du dich bewegen und was du machen sollst. Und das in Verbindung mit meiner wirklichen Person ergibt das Endergebnis. Natürlich würde ich das, was ich auf der Bühne mache, niemals im Privatleben durchziehen. Ich denke, wichtig sind die Kostüme und die Schminke, dass man auf die Leute anders wirkt. Mir macht es in dem Moment eines Auftrittes viel Spaß, in die Rolle zu schlüpfen und mal die Sau rauszulassen. Aber danach zieht man die Klamotten aus, geht ins Hotel und alles ist wieder normal.

Sommer: Wir beide haben ja das Glück, am Montag wieder ganz normal zur Arbeit zu gehen. Da wird man dann noch mal wieder komplett geerdet.

Delic: Genau. So wie wir es machen, ist es genau richtig.

Hört ihr eigentlich auch daheim manchmal Rammstein?

Sommer: Daheim nicht, aber auf Autofahrten kommt das bei mir schon vor, ja. Allerdings dann nur zum Üben, sprich als Vorbereitung auf das nächste Konzert. Und wenn es neues Material gibt, wie jetzt die neue Single „Zeit“ und das Ende April erscheinende nächste Album, wird man sich natürlich damit wieder mehr beschäftigen.

Delic: Ich bin immer gespannt, wenn ein neues Album rauskommt – so wie jetzt. Dann wird auch das neue Werk bei mir wieder in Dauerschleife laufen. Das muss es auch, weil ich mich in die Musik reinfinden und ich die Texte verinnerlichen muss.

Denkt ihr dann manchmal, was das Original hätte besser machen können?

Delic: Ehrlich gesagt wüsste ich nicht, was Rammstein noch besser oder anders hätten machen können – außer vielleicht, wenn es etwa um die Umsetzung der Bühnenshows geht, uns nicht immer das Leben so schwer zu machen. (lacht) Denn das, was die Band zu Anfang gemacht hat, ist überhaupt nicht mehr zu vergleichen mit dem, was man heute in einer ihrer Stadionshows zu sehen bekommt. Für uns ist es unmöglich, diesen Gigantismus im gleichen Format auf die Bühne zu bringen.

Sommer: Ich bin auch der Meinung, dass jeder Interpret seine Musik so machen sollte, wie er sie sich vorstellt und meint, dass sie gehört werden soll. Darauf zu achten, was möglicherweise den Leuten gefällt, finde ich unehrlich.

Was war in der Zeit das prägendste Konzert, das ihr gespielt habt? Gibt es da eins, das herausgestochen ist?

Sommer: Wie gesagt, war unser Konzert zum 20. Bandgeburtstag in Scheeßel für uns schon ein herausragendes Erlebnis. Mit so viel Publikum haben wir damals wirklich nicht gerechnet. Aber es gab natürlich mehrere prägende Auftritte, zum Beispiel zum ersten Mal in der Türkei zu spielen. Oder in der Schweiz.

Delic: Oder dass wir zweimal für Rammstein und ihre Gäste auf deren Gold und Platinverleihungen spielen durften. Was mir auch noch in guter Erinnerung ist: 2019 war für uns ein Jahr voller Anspannungen und Ungewissheiten. Unser Keyboarder war nach 20 Jahren aus der Band ausgestiegen. Damals hatten wir nur sechs Wochen Zeit bis zum nächsten Konzert, das in Berlin stattfinden sollte, Ersatz zu finden, was uns auch geglückt ist. Nach diesem Gig – wieder in voller Besetzung – fiel uns allen damals ein Stein vom Herzen.

Was hat sich für euch persönlich in der langen Zeit am meisten verändert?

Sommer: Die größte Entwicklung ist eindeutig die des ganzen Unternehmens Feuerengel. Wenn man sich überlegt, dass wir für die ersten Shows noch mit einem Neunsitzerbus nebst Anhänger losgefahren sind, wo im Prinzip nur eine sehr überschaubare Menge an Equipment transportiert wurde, und uns inzwischen ein Zehntonner-Trailer zur Verfügung steht, den wir selber angeschafft haben, ist das eine deutliche Veränderung. Die Produktion ist ja auch immer größer geworden, da gab es nie Stillstand. Richtig gut finde ich es, dass wir nach 25 Jahren immer noch mehr wollen und das Ganze vor und hinter den Kulissen auch immer professioneller geworden ist.

Wie feiert ihr euer Jubiläum? Darf man in diesem Jahr auf ein Geburtstagskonzert in Scheeßel, wo eure Karriere begann, hoffen?

Delic: Ganz klar, nein. Diese Entscheidung haben wir schon im Oktober getroffen – schweren Herzens natürlich. Denn wenn wir ein Konzert in der Größenordnung eines Feuerfestes spielen wollen, hätten wir dafür mit der Planung schon spätestens im September anfangen müssen. Und das ist wegen der Pandemie schlichtweg unmöglich. Man kann leider nichts planen – nicht einmal kurzfristig. Das haben wir in den letzten zwei Jahren oft genug erlebt. Das ist schon sehr frustrierend. Vielleicht feiern wir noch intern in der Band und der Crew ein bisschen. Mal schauen.

Was sind eure weiteren Pläne?

Delic: Spielen, spielen, und nochmals spielen. Wir haben vieles nachzuholen, schieben seit März 2020 Verträge immer weiter vor uns her. Diese Shows möchten wir gerne endlich bestreiten, um auch mal einen Schnitt zu machen und nach vorne blicken zu können.

Sommer: Wir hoffen, dass es wieder möglich sein wird, auch kontinuierlich Konzerte zu spielen. Es wird Zeit, dass da mal wieder etwas Routine reinkommt – die ist nämlich ein bisschen abhandengekommen.

Also wird man auf 30 Jahre Feuerengel wohl hoffen dürfen.

Delic: Natürlich hoffen wir alle darauf, auch wenn ich mir das zum jetzigen Zeitpunkt schwer vorstellen kann, dass man das dann immer noch macht. Das habe ich aber auch schon beim zehnten, 15. und 20. Geburtstag gedacht. Keine Ahnung, es ist alles offen. Man muss ja auch die Entwicklung der Pandemie abwarten. Können wir überhaupt wieder in die Normalität zurückkehren, was die Veranstaltungsbranche zum Beispiel betrifft? Mit dieser Frage steht und fällt alles. Wenn wir nur in Clubs mit einer erlaubten Auslastung von 60 Prozent spielen, ist das schwierig. Wir denken aber nicht, wir müssten jetzt aufhören. Noch geben wir nicht auf.

Sommer: Genau. Solange wir überhaupt auftreten können und wir den Spaß nicht verlieren, wird es mit Feuerengel erstmal weitergehen. Das ist ganz sicher.

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