Der 18-jährige Joschka hat ein Handicap und sucht einen Ausbildungsplatz

Am liebsten möchte er Tischler werden

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Die Unterstedter Jochen Meyer (links) und Gabi Meyer-Lange wünschen sich für ihren Sohn Joschka, dass er den Einstieg in das Erwachsenenleben schafft. Dazu gehören eine eigene Wohnung und ein Ausbildungsplatz.

Rotenburg - Von Elisabeth Hintze. Joschka ist langsamer als die anderen Jugendlichen in seinem Alter. Wer ihm eine Frage stellt, muss etwas länger auf die Antwort warten. Doch die Antwort kommt, leise zwar, die Worte mit Bedacht gewählt. „Das war schon immer so“, erzählt Joschkas Mutter. Ihr Sohn sei neun Wochen zu früh auf die Welt gekommen, er habe kognitive Probleme, weise autistische Züge auf und habe Wahrnehmungsstörungen.

„Joschka hat außerdem Legasthenie“, erklärt Gabi Meyer-Lange. Sie fasst es so zusammen: Der 18-Jährige hat Probleme, sich selbst im Alltag zu versorgen. Alles dauere etwas länger, angefangen beim Anziehen, Waschen und Einkaufen. Jetzt, kurz nach seinem 18. Geburtstag, ist der Unterstedter auf der Suche nach einer Wohnung, einem Mini-Job oder einem Ausbildungsplatz. Doch die Suche gestaltet sich schwieriger als gedacht.

Joschka hat als Kleinkind den Integrationskindergarten in Blender (Landkreis Verden) besucht, sollte danach auf eine normale Grundschule wechseln. Laut Aussage der Eltern sei dies vonseiten der Schule allerdings abgelehnt worden. „Er würde es sowieso nicht schaffen, hieß es“, erzählt Meyer-Lange. Deshalb habe Joschka schließlich bis zur sechsten Klasse die Andreasschule in Verden besucht. Dann zog die Familie nach Rotenburg. „Man sagte uns, dies sei eine Stadt, in der es viele Einrichtungen für Menschen mit Behinderung gebe.“

An der Pestalozzischule sei letztlich Joschkas Legasthenie festgestellt worden, nach unzähligen Untersuchungen unter anderem in den Autismus Therapie Zentren in Bremen, dem Frühförderzentrum Bremen, dem Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) der Klinik für Kinder und Jugendliche am Diakonieklinikum Rotenburg. „Die Untersuchungen haben mich viel Geld gekostet“, erzählt Gabi Meyer-Lange. Geld, das die ehemalige Hartz IV-Empfängerin zum damaligen Zeitpunkt selbst dringend benötigt hätte. „Aber ich habe es immer gern gemacht“, betont sie mit Blick auf ihren Sohn. Enttäuscht sei sie vielmehr von den Krankenkassen, die keine Leistungen übernommen hätten.

Immer habe sie kämpfen müssen, berichtet Gabi Meyer-Lange weiter. Dafür, dass Joschka die normalen Schulen wie jeder andere Jugendliche in seinem Alter besuchen durfte. „Oft habe ich gehört: ,Wir nehmen keine geistig behinderten Kinder an‘.“ Dabei – das wiederholt seine Mutter immer wieder – habe ihr Sohn keine geistige Behinderung. „Joschka fällt genau durch das Raster.“ Weder völlig gesund noch geistig behindert, irgendetwas dazwischen, ein Handicap.

In diesem Sommer macht Joschka seinen Hauptschulabschluss an den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Rotenburg, möchte danach Tischler werden. Denn er könne gut mit Holz umgehen, sagt er selbst. „Und ich bin gut in Mathe.“ Das können seine Eltern Gabi Meyer-Lange und Jochen Meyer – der Vater ist ebenfalls Tischler – bestätigen. Das Problem sei allerdings, dass Joschka weder eine Wohnung noch eine Ausbildungsstelle finde. „Wir suchen händeringend“, sagen sie, sie wollen den „Abnabelungsprozess“ voranbringen, Joschka solle schließlich auf Dauer selbstständig leben können. Er stehe vor dem Einstieg ins Erwachsenenleben und dabei wollen sie ihm helfen.

Aber niemand sei bereit, Joschka eine Chance zu geben. Und das sei alles, was sie sich für ihren Sohn wünschen: dass ihm jemand die Möglichkeit gibt, eigenständig zu leben. „Es muss nur eine kleine Wohnung sein, ein einfacher Job, ein Ausbildungsplatz in einer kleinen Tischlerei.“ Die Miete sei gesichert, diese übernehmen die Eltern. Ein Jahr lang könne Joschka die BBS noch besuchen, doch eigentlich wollte er schon in diesem Sommer mit der Tischler-Ausbildung beginnen. Alle Bewerbungen waren bisher erfolglos. „Vielleicht meldet sich ja noch jemand bei uns“, hofft Familie Lange.

Etwas Erfreuliches hat die Familie dennoch zu berichten: Joschka macht derzeit den Führerschein. Es dauert zwar etwas länger, aber „ich schaffe es“, sagt der 18-Jährige zuversichtlich.

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