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Verkehrsunfall-Statistik: 16 Menschen kommen ums Leben

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Von: Guido Menker

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Die Zahl der Unfälle im Landkreis Rotenburg ist 2021 wieder angestiegen. 16 Todesopfer sind zu beklagen.
Die Zahl der Unfälle im Landkreis Rotenburg ist 2021 wieder angestiegen. 16 Todesopfer sind zu beklagen. © Menker

Rotenburg – Die Zahl der Verkehrsunfälle im Landkreis Rotenburg ist im vergangenen Jahr um 8,5 Prozent angestiegen. Das teilt die Polizeiinspektion in der Kreisstadt mit. Insgesamt sei die Polizei zu 5 593 Verkehrsunfällen gerufen worden – das waren 440 Unfälle mehr als 2020. Bei 130 schweren Verkehrsunfällen sind 16 Menschen ums Leben gekommen und 141 Beteiligte schwer verletzt worden.

„Hauptunfallursache bei den schweren Verkehrsunfällen bleibt unangepasste Geschwindigkeit. In 13 Fällen waren Vorfahrtsverletzungen ausschlaggebend, zwölf Mal spielte der Konsum von Alkohol oder anderen Drogen eine traurige Rolle“, berichtet Polizeisprecher Heiner van der Werp. Auf Anfrage betont er, dass die Polizei an ihren in den vergangenen Jahren entwickelten Präventionsmaßnahmen festhalten werde. „Prävention hilft“, sagt van der Werp. Er sei von der Wirkung überzeugt, auch wenn sich das natürlich nicht in Zahlen ausdrücken lasse.

Der Polizeisprecher ist schon lange bei der Polizei tätig und könne sich noch sehr gut an Zeiten erinnern, in denen 40, ja sogar 50 Unfalltote innerhalb eines Jahres im Landkreis zu beklagen waren. Er sei überzeugt, dass der „bunte Strauß an Maßnahmen“ mit dazu beigetragen habe, dass sich diese Opferzahlen nach und nach deutlich nach unten entwickelt haben. Festzustellen sei außerdem, dass sich die jungen Menschen verändert haben.

Diesen Eindruck teilt Heike Mahnke. Sie ist Mitarbeiterin der Polizei im Sachgebiet Verkehr und betont, dass bei der Prävention ganz viele verschiedene Aspekte zusammenkämen, die Wirkung erzielten. „Die Fahrzeuge sind in den vergangenen Jahren immer sicherer geworden, und auch die Verkehrsüberwachung spielt eine große Rolle. Geschwindigkeits- und Abstandsmessungen, Alkohol- und Drogenkontrollen etwa gehörten zur regelmäßigen Arbeit der Polizei und würden auch weiterhin vorgenommen. Aber Heike Mahnke sagt auch: „Prävention fängt schon in der Schule an.“ Auch in der Fahrschule. Seit mehreren Jahren schon gibt es das Projekt, in dem Beamte die angehenden Führerscheininhaber aufsuchen und mit ihnen in den Austausch gehen. „Wir zeigen Fotos, sprechen über die Folgen schwerer Unfälle, über Ursachen“, erklärt Heiner van der Werp. Er selbst war auch schon dabei und hat den Eindruck, „dass das eine Wirkung hat“.

In diesen Gesprächen berichten die Beamten auch über die Situation, wenn sie Angehörige aufsuchen und sie über den Unfalltod etwa des Sohnes oder der Tochter informieren müssen. „So etwas vergisst man auch als Beamter nie“, sagt er – und schildert einen solchen Fall von vor vielen Jahren. „Man geht mit einem zittrigen Gefühl an die Tür und klingelt.“ Man lege sich die Worte zurecht, aber dann läuft alles ganz anders als erwartet. „Ich habe also versucht, das so gut es geht rüberzubringen, doch der Mann, der seinen Sohn verloren hat, geht gar nicht weiter darauf ein und stellt fest, dass wir uns doch irgendwoher kennen.“ Die Angehörigen könnten es nicht fassen, sie glaubten es zunächst nicht. „Es ist ja auch wie ein Urteil für einen Menschen“, ergänzt van der Werp. Und die Kollegen, die einen tödlichen Unfall aufnehmen und bearbeiten, zuckten zusammen, der Satz „Sind die Angehörigen schon informiert?“ falle.

„Wir zwingen keinen Kollegen dazu, diese Aufgabe zu übernehmen“, berichtet van der Werp aus dem Alltag der Polizei. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie prägend ein solcher Moment sein kann – gerade für die jungen Polizisten. Und das, obwohl sie auch dafür geschult werden.

Das alles zu kommunizieren, sei wichtig. Deshalb nutzt die Polizeiinspektion bei besonders schweren Unfällen immer wieder auch die Sozialen Netzwerke, um nicht nur zu berichten, sondern um eben auch für Ursachen zu sensibilisieren. Denn Prävention helfe – van der Werp ist sich da ganz sicher.

Zugleich stellt sich immer dann, wenn die Polizei die Eckdaten des Verkehrsunfall-Geschehens eines Jahres zusammenstellt, die Frage nach Schwerpunkten. Wo kracht es besonders häufig, wo müssen vielleicht auch bauliche Veränderungen oder Reduzierungen der zulässigen Höchstgeschwindigkeit vorgenommen werden? Da kommt dann die Verkehrsunfall-Kommission mit ins Spiel, die sich regelmäßig trifft, um sich vor Ort ein Bild zu machen. „Im Sommer wird es das nächste Treffen geben“, sagt Mahnke.

Bis dahin hat sie aber noch viel zu tun, denn bevor sich mögliche neue Unfallschwerpunkte herauskristallisieren, müssen die aktuellen Daten ausgewertet werden. „Wir haben eine elektronische Karte, in der wir alle Unfälle je nach Art und Schwere eintragen. Diese legen wir mit denen der vorangegangenen Jahre übereinander und werten das alles aus.“

Die Ergebnisse sind Grundlage für die Kommission, bei der auch Vertreter der Kommunen und des Landkreises, aber auch die Verkehrswacht mit am Tisch sitzen.

Mehr als jeder dritte Unfall im Landkreis war ein Wildunfall

Im Jahr 2021 stieg die Zahl der Wildunfälle wieder deutlich an. Laut Statistik kam es zu 2 035 Kollisionen mit Wildtieren – im Jahr zuvor lag diese Zahl bei 1 766. Das entspreche einer Steigerung von 15,2 Prozent und stelle damit den höchsten Wert seit mehr als zehn Jahren dar, heißt es in einer Mitteilung der Polizei. Der Anteil der Wildunfälle im Landkreis Rotenburg gemessen am Gesamtunfallgeschehen liege bei 36,4 Prozent. Bei einem Wildunfall auf der K 238 zwischen Borchel und Abbendorf ist erst am Samstagabend ein 46-jähriger Autofahrer verletzt worden. Der Mann war mit seinem Renault in Richtung Abbendorf unterwegs, als ein Reh über die Fahrbahn lief. Er versuchte, dem Tier auszuweichen, verlor dabei die Kontrolle über seinen Wagen und kollidierte im linken Seitenraum mit einem Baum. „Mehr als jeder dritte Verkehrsunfall ist ein Wildunfall. Fahren Sie deshalb bitte vor allem in Waldgebieten langsam und vorsichtig!“, warnt der Unfallexperte der Rotenburger Polizei, Michael Holsten.

2021 kam es außerdem zu 141 Verkehrsunfällen, an denen motorisierte Zweiradfahrer beteiligt waren. Dabei kamen zwei Motorradfahrer und zwei Fahrer von Leichtkrafträdern ums Leben. 22 Personen wurden schwer und 66 leicht verletzt. 2020 waren es 121 Unfälle. Verkehrsunfallfluchten bleiben ebenfalls ein ernstes Thema, betont Polizeisprecher Heiner van der Werp. 1 003 Mal entfernte sich eine an einem Unfall beteiligte Person unerlaubt von der Unfallstelle. Gut die Hälfte der Unfallfluchten ereigneten sich auf Parkplätzen oder beim Vorbeifahren an geparkten Fahrzeugen, heiß es. Obwohl die Zahl der aufgeklärten Fälle insgesamt erhöht werden konnte, sank die Aufklärungsquote leicht auf 42,9 Prozent. 2020 waren 939 Verkehrsunfallfluchten von den Beamten registriert worden. men

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