„Hip-Hop“-Lied über die Kreiszeitung

„Hundertfuffzig“: Redakteur nimmt Jubiläumssong auf

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Guido Menker steht im Aufnahmestudio des Rotenburger Jugendzentrums und probiert es selbst aus. Herausgekommen ist dabei ein Titel zum Jubiläum der Rotenburger Kreiszeitung.

Rotenburg - Von Guido Menker. Immer dabei sein, aber nie dazu gehören: Das ist die Devise für Journalisten, die Wert auf Distanz legen und alles daran setzen, sich nicht instrumentalisieren zu lassen. Als Redakteur der Rotenburger Kreiszeitung habe ich nun eine Ausnahme gemacht und im Jugendzentrum an der Bergstraße zum ersten Mal in meinem Leben einen eigenen Song aufgenommen.

Hintergrund: Erst vor wenigen Wochen hatte ich über den hohen Stellenwert des Musikbereiches im Jugendzentrum berichtet. Jetzt wollte ich es selbst einmal ausprobieren, was dort alles möglich ist. Herausgekommen ist ein Song zum Jubiläum der Rotenburger Kreiszeitung. Der Titel: „Hundertfuffzig“.

Notenkenntnisse? Fehlanzeige! Ein Instrument spielen? Kann ich nicht! Singen? Nur unter der Dusche! Was bleiben da noch für Möglichkeiten? „Hip-Hop“, sagt Marcus Libbertz, „ich helfe Dir dabei.“ Klingt gut, und insgeheim wähne ich mich schon auf Platz 1 der Single-Charts bei iTunes und Spotify. Das wird groß. Vielleicht muss ich auch schon daran denken, mich um Autogrammkarten zu kümmern? Libbertz fängt mich wieder ein – er weiß als Musiker, der zehn Jahre lang in der Hamburger Hip-Hop-Szene mitgemischt hat, wie schwer das ist. Er sollte Recht behalten. Dennoch genießt er es, den Jugendlichen im Jugendzentrum immer wieder dabei zu helfen, sich an das Thema Musik heranzuwagen. Jetzt bin ich sein Schüler und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Marcus Libbertz hat selbst viele Jahre als Hip-Hopper in Hamburg mitgemischt. Er nimmt den Titel von Guido Menker auf und mischt ihn ab. Das Ergebnis ist von heute an zu hören.

Denn nach und nach ist festzustellen, dass sich das Entwickeln und Realisieren eines eigenen Songs ähnlich anfühlt, wie das Projekt in den eigenen vier Wänden, wenn das Wohnzimmer mal wieder einen neuen Anstrich braucht. Vorbereitung ist alles – das Pinseln selbst ist der kleinste Teil der Arbeit.

Wir brauchen erst einmal einen Text. Und der muss auch dem entsprechen, was der Hip-Hop im Allgemeinen so vorgibt. 1000-mal gehört – aber noch nie selbst ausprobiert. Libbertz macht das. Er ist ein alter Hase und bittet um Stichworte, um Hinweise auf das, was in dem Lied vorkommen soll, und worum es gehen kann.

Nach und nach entstehen Ideen

Jetzt ist die gesamte Redaktionsmannschaft gefordert. Nach und nach trudeln Vorschläge ein. Themen, Schlagworte, Halbsätze und kleine Anekdoten. Wie soll das alles in ein Lied passen, das möglichst nach drei Minuten endet, damit mir beim Rappen schließlich nicht die Luft ausgeht?

Marcus Libbertz macht sich an die Arbeit und liefert wenige Wochen später nicht nur den Text ab, sondern wählt auch den musikalischen Track aus, der ihn tragen soll. Und: Er bittet seinen Cousin um Mithilfe. „Core One“ – ebenfalls ein erfahrener Hip-Hopper – singt das Ganze kurz ein. Und spätestens jetzt ist klar: So kriege ich das niemals hin. Aber ich bekomme Unterstützung. „Core One“ singt mit mir den Refrain.

Jetzt kann es also losgehen. Immer dann, wenn niemand zu Hause ist, setze ich mir die Kopfhörer auf – und nach gefühlten 500 Durchgängen fange ich an, in das Lied mit einzusteigen. Die Tage vergehen, aber es wird nicht wirklich besser. Die Bühne beim Hurricane Festival werde ich damit nicht erklimmen. So viel ist mir relativ schnell klar. Doch locker lassen ist nicht drin. Weiter geht’s. In wenigen Tagen soll die Aufnahme erfolgen. Dann muss alles sitzen.

Im Studio wird es ernst

Es ist soweit: Ich betrete das Studio und weiß gar nicht genau, wie es jetzt weitergeht. Libbertz zeigt mir die Anlage, die alles aufnimmt und an der die Teile des Liedes zusammengebaut werden. Nicht lange schnacken – fangen wir an! Für die Einleitung und den textlichen Schlussakkord steht Rapper „Ron“ bereit.

Der erste Eindruck am Mikro: Hey, das macht richtig Spaß. Ich würde nach den ersten Erfahrungen dieser Art nicht gleich behaupten, dass das Singen wirklich so sehr befreit, wie es viele immer wieder behaupten. Aber es hat was. Und mit jedem Versuch, die Worte des Textes per Sprechgesang in Richtung Aufnahmegerät zu schicken, steigen der Mut und das Selbstvertrauen.

Ernüchternd ist das, was am Ende dabei herauskommt. Nach zweieinhalb Stunden ist mein Part im Kasten, und erst nach zwei Tagen gelingt es mir, grünes Licht für die eigentliche Produktion zu geben. Jetzt muss ich mich darauf verlassen, was der Profi daraus macht. „Vertraue mir“, sagt Libbertz. Und: „Du hast doch nicht ernsthaft geglaubt, es auf Anhieb so hinzubekommen wie mein Cousin, oder?“ Eine Antwort bekommt er nicht. Immerhin fällt sein Urteil für diesen Erstversuch recht gut aus. Und auch mein Sohn ist angetan: „Klingt absolut super fürs erste Tape. Das geht absolut klar, würde ich sagen.“ Puhhh – immerhin.

Am Ende gibt es kein Zurück

Zwei Wochen noch bis zur Veröffentlichung. Von Tag zu tag steigt die Spannung. Noch könnte ich die Notbremse ziehen und alles für mich behalten. Aber nein, jetzt lasse ich es drauf ankommen.

Klar, mit dem Hurricane-Auftritt in Scheeßel wird es nichts werden, die Chartplatzierung kann ich mir auch von der Backe putzen, aber: Ich habe es probiert. Und: Vielleicht kriege ich ja eine Live-Chance bei unserer nächsten Weihnachtsfeier. Doch dann ist klar: Ich werde den Hut kreisen lassen! Aber hören Sie doch einfach selbst, was dabei herausgekommen ist. Im Internet. Für lau! Und das, so oft sie wollen!

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