Angebot in der offenen Stadtkirche immer um 12.05 Uhr

15 Minuten der Besinnung

Gemeinsames Gebet um „Fünf nach Zwölf“: Das gibt’s immer montags bis freitags.
+
Gemeinsames Gebet um „Fünf nach Zwölf“: Das gibt’s immer montags bis freitags.

Rotenburg – Anzeichen für das, was draußen in der Welt gerade los ist, gibt es nicht. Die Stadtkirche mitten in der Rotenburger Innenstadt bietet die Möglichkeit, im wahrsten Sinne des Wortes die Geräuschkulisse da draußen abzuschalten. Und der Blick ist hier auf Dinge gerichtet, die gar nicht in einen Zusammenhang mit der Pandemie zu bringen sind, die die Welt in Atem hält. Stimmt aber nicht ganz. Denn jede zweite der Sitzreihen auf den beiden Seiten des Kirchenschiffes ist mit einer Schnur abgesperrt.

Pastorin Amely Lißner ist schon da, wenige Minuten vor 12 Uhr. Montags bis freitags lädt die Gemeinde zurzeit Menschen immer für 12.05 Uhr in die Kirche ein. Zum gemeinsamen Gebet. „Gestern war nur ein Gast da“, sagt Lißner. Wie viele es wohl heute sein werden? Sie zuckt die Achseln, lächelt und richtet sich ein. Sechs Stühle stehen im Kreis um einen Tisch herum bereit. Der Abstand zueinander ist also gewahrt. Auf dem Tisch brennt eine Kerze, daneben steht ein kleines Kreuz aus Holz. Sonnenstrahlen dringen durch die großen Fenster herein. Es ist angerichtet – und zugleich ein Angebot, das für den kompletten November vorgesehen ist, für die Zeit des erneuten Lockdowns also. Die Kirchengemeinde erreichten immer wieder Rückmeldungen von Menschen, die sich gerade in diesen schwierigen Zeiten einen Zugang zur Kirche wünschten – so, wie er eigentlich nur von März bis September tagsüber möglich ist. Nun aber die Verlängerung – Corona macht’s möglich. Dazu gibt es immer um „Fünf nach Zwölf“ Bibelworte, Stille, Musik und Gebete.

Als hätte es Amely Lißner geahnt: Alle sechs Stühle sind besetzt. Drei Frauen und zwei Männer sind an diesem Tag in das Gotteshaus gekommen; sie reden kaum, nehmen Platz, behalten den Mund-Nasen-Schutz auf und genießen das Angebot. Die Pastorin spricht über die jetzt „andere“, die „fremde Welt“ und die „andere Wirklichkeit“. Alles ist anders als noch vor einem Jahr. Wir Menschen hätten uns das nicht ausgesucht. Für die einen sei es eine Krise, für andere gar eine Katastrophe, eine Wirklichkeit eben, „die wir nicht wollten“. Es ist eine Zeit mit eingeschränkten Kontakten. Eine Zeit, die zu mehr Einsamkeit führt. Sie zu durchbrechen mit den 15 Minuten der Besinnung immer um „Fünf nach Zwölf“ ist ein Angebot, das ankommt. Es ist fast so etwas wie ein Lichtstrahl, wie er an diesem Tag durch die Fenster der Stadtkirche hereinscheint – und ein wenig die Seele streichelt.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

DFB-Frauen schlagen Griechenland - Bilanz bleibt perfekt

DFB-Frauen schlagen Griechenland - Bilanz bleibt perfekt

An diesen vier Zipfeln endet Deutschland

An diesen vier Zipfeln endet Deutschland

Die heilende Kraft der Aloe vera

Die heilende Kraft der Aloe vera

Stadt der Gegensätze - In Mumbai ist das kein Klischee

Stadt der Gegensätze - In Mumbai ist das kein Klischee

Meistgelesene Artikel

„Black Friday“-Sale ruft Protest hervor

„Black Friday“-Sale ruft Protest hervor

„Black Friday“-Sale ruft Protest hervor
Landkreis Rotenburg lässt Quarantäne sichern: Security rund um die Uhr im Einsatz

Landkreis Rotenburg lässt Quarantäne sichern: Security rund um die Uhr im Einsatz

Landkreis Rotenburg lässt Quarantäne sichern: Security rund um die Uhr im Einsatz

Kommentare