Rotenburger Stadtbibliothek „goes green“ / Erstmals eigene App

15 Jahre Julius-Club: Ein lohnender Aufwand

Leiterin Christine Braun (l.) und Katharina Daus bereiten die Club-Tage vor.
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Innerhalb der Bibliothek haben Leiterin Christine Braun (l.) und Katharina Daus schon einige Hinweise auf den Julius-Club gesetzt.

Auch im zweiten Jahr der Pandemie ist es schwer, Veranstaltungen zu planen. Die Mitarbeiter der Rotenburger Stadtbibliothek machen das trotzdem, denn im Juli startet wieder der Julius-Club - und der hält dieses Jahr eine Besonderheit parat.

Rotenburg – Seit mittlerweile 15 Jahren gibt es den Julius-Club, mit dem Schulkinder zwischen elf und 14 Jahren die Welt der Bücher entdecken. Fast von Anfang an, seit 14 Jahren, ist die Rotenburger Stadtbibliothek mit von der Partie. Auch in diesem Jahr macht sie mit und hat sich einiges überlegt für die Club-Zeit vom 9. Juli bis zum 9. September. Ob alles wie geplant stattfinden kann, werden die kommenden Monate zeigen. „Es ist schwieriger als im vergangenen Jahr, etwas zu planen“, sagt Katharina Daus, die derzeit mit Leiterin Christine Braun über dem Programm brütet.

Und das beinhaltet dieses Mal einen besonderen Punkt: Unter dem Motto „Julius goes green“ stehen Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz ganz oben auf der Liste der 100 von einer Jury ausgewählten Bücher. Mindestens zwei muss jeder Teilnehmer lesen und bewerten, um ein Diplom zu erhalten. Wer mehr als fünf Bücher liest und bewertet, erhält das Vielleser-Diplom. Erstmals gibt es dazu auch Sachbücher.

Das grüne Motto finden Daus und Braun prima, deckt es sich doch mit dem eigenen „go green“, dass sich die Bibliothek für dieses Jahr als Motto gesetzt hat – bevor sie wussten, dass der Julius-Club das in den Fokus stellt. So hat die Bibliothek ihre Abläufe untersucht, um zu sehen, wo sie umweltfreundlicher arbeiten könne. Da sind Kleinigkeiten wie der Einsatz einer anderen Folie zum Bücher einschlagen oder neues Druckerpapier. „Ohnehin ist leihen statt kaufen umweltfreundlicher“, so Braun.

Auch für die Makerboxen aus der Abteilung Dings gab es Zuwachs. Corona-bedingt seien viele Ideen zum Spielen im Freien darunter. Auch im Bestand wurde umorganisiert: Zum einen erfahren Interessierte in Sachbüchern, wie sie Kosmetik selber herstellen können, wo sie Plastik vermeiden können und vieles mehr. Auch in der Kinder-Bibliothek gibt es Sachbücher und Geschichten dazu altersgerecht, in der Erwachsenenabteilung lernen Eltern, wie sie natur- und umweltschonend etwas mit ihren Kindern machen können. Eine kleine Ausstellung präsentiert Bücher dazu.

Auch für den Julius-Club haben sich die Mitarbeiter zusätzliche Titel aussuchen können, wo sie den Schwerpunkt ebenfalls auf das Thema Grün gesetzt haben. „Es ist eine tolle Auswahl“, sagt Braun. Was von den Veranstaltungen wird stattfinden können, sei „ein Glücksspiel“, merkt Daus an. Sie kombinieren Freiluft- und Innenveranstaltungen. So ist bislang geplant, dass es ein Projekt mit dem Nabu geben wird sowie das Lesen am Lagerfeuer. Bei einem Clubtreffen geht es um Grundwasserschutz, bei einem weiteren zeigt Charlotte Hofmann den jungen Lesern, wie sie einen Comic zeichnen können.

Ein besonderes Treffen ist eine Lesung von Dominik Bloh. In „Unter Palmen aus Stahl“ beschreibt er, wie er als 16-Jähriger von seiner psychisch kranken Mutter vor die Tür gesetzt wird. Er berichtet von seinem (Über-)Leben auf der Straße, wie er versucht, trotz allem seinen Schulabschluss zu schaffen. Heute hilft er Obdachlosen auf den Straßen Hamburgs. Auch eine Online-Lesung hat die VGH-Stiftung organisiert. Online wird ohnehin einiges stattfinden: Ist zum Beispiel kein Auftakt in Präsenz möglich, wird es eine Online-Feier geben, sagt Braun. Auch gibt es drei Challenges, bei denen es etwas zu gewinnen geben wird. Worum es dabei geht, verraten Braun und Daus noch nicht, weil es in einer bestimmten Zeit absolviert werden soll. Auch Lesezeichen mit Blumensamen hat die Stiftung verteilt – alles im Sinne des Mottos.

Die Stadtbibliothek entwickelt derzeit eine eigene kindgerechte App.

Bei allem steht das Lesen klar im Fokus, „das kontrollieren wir“, so Braun. Nämlich über die Bewertungsbögen. Manche enthalten halbe Aufsätze, andere sind eher karg. „Aber Julius heißt ,Jugend liest und schreibt‘, da sehen wir gerne mehr als nur das Nötigste“, sagt die Leiterin. „Vielen fällt es aber immer schwerer, Dinge in eigenen Worten zu formulieren“, sei ihnen aufgefallen. Gleichzeitig genießen Kinder, die gerne lesen, die Zeit mit Gleichgesinnten. „Die Clubtreffen sind Highlights“, so Daus, die hofft, dass sie einiges von dem Geplanten umsetzen können. Erstmals gibt es dieses Jahr für Rotenburg eine eigene App, die gerade entwickelt wird: Damit können sich die Kinder altersgerecht während der Club-Zeit informieren.

Unter den Titeln sind Graphic Novels und Bücher für leseschwache Kinder. Die würden auch von anderen gerne im Endspurt gelesen, um ein paar Bücher mehr seiner Liste hinzufügen zu können. Im vergangenen Jahr gab es eine gute Anmeldequote, gleichzeitig weniger Abgänger als in den Vorjahren. Mehr als sonst wurde allerdings insgesamt im vergangenen Jahr nicht gelesen. Nachgefragter seien Bücher rund um das Wandern und entsprechende Reiseführer, auch für die Tour mit dem Wohnmobil.

Obwohl sie nichts sicher planen können, bereiten sich Daus und Braun vor, denn „wir gewinnen dadurch viele neue Leser“. Auch Kinder, die nicht am Club teilnehmen, schauen nach Brauns Schulbesuchen oft in der Bücherei vorbei. „Das ist ein Effekt, der die ganze Arbeit lohnend macht“, meint Braun, die den Aufwand als groß beschreibt. In anderen Bibliotheken gehe die Durchführung nur mithilfe Ehrenamtlicher. Auch die Bibliotheken stehen im Austausch miteinander: „Dadurch hat sich in 15 Jahren viel gewandelt.“

Braun ist sonst ab Mai unterwegs, stellt den Club vor. Wichtige Leseförderung in Schulen und Kindertagesstätten, die derzeit wegfällt. Das mache sich bemerkbar: „Wir haben sonst Kinder erwischt, deren Eltern mit ihnen nicht herkommen. Hoffentlich können wir das in den nächsten Jahren wieder aufholen.“

Öffnung der Bibliothek

Die Stadtbibliothek darf aktuell öffnen, bei eingeschränkter Personenzahl. Wie es im Fall einer eintretenden Notbremse aussieht, wissen sie noch nicht: Bibliotheken seien in der Auflistung vergessen worden.

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