Bartelsdorfer forscht in und nach Dokumenten und alten Zeitungen / Hof- und Familienchronik erstellt

Ringes reichhaltige Recherchen

Heinrich Ringe wollte unbedingt Genaueres über Peets Hofstelle und die Menschen erfahren. Eine umfangreiche Chronik entstand.

Scheessel - Von Wieland BonathBARTELSDORF · Peets Hofstelle – 1560 zum ersten Male schriftlich erwähnt, wahrscheinlich aber erheblich älter – um diesen Bauernhof in dem kleinen Bartelsdorf ranken sich unendlich viele Geschichten und menschliche Schicksale. Heinrich Ringe (66), der den Hof bis vor wenigen Jahren führte, allerdings mehr widerwillig, denn seine Träume gehörten der Heimatgeschichte, wollte der Vergangenheit von Peets Hofstelle auf den Grund gehen. Jetzt gibt es eine Chronik.

Nach emsiger Forschungsarbeit in und nach Dokumenten, Urkunden, Briefen und alten Zeitungen entstand die 480 Seiten starke „Hof- und Familienchronik – Peets Hofstelle in Bartelsdorf. Bauern im ehemaligen Stift Verden, Amt Rotenburg“. Ob es bei den zehn Exemplaren intern für die Familie bleibt, weiß Ringe noch nicht.

Auf jeden Fall hat seine Schwester Marlene eine Ausgabe zum 70. Geburtstag bekommen. Lesestoff mit vielen persönlichen Erinnerungen! Zum Beispiel die Bartelsdorfer Schule und die „Gesundheitsregeln“ für die Abc-Schützen. Den Mädchen und Jungen wird unter anderem geraten: „Täglich sollen wir unseren Körper, namentlich Gesicht, Ohren, Hals und Brust mindestens einmal mit Seife waschen, die Hände aber mehrmals und dabei auch die Fingernägel säubern.“ Auch wichtig: „Wir müssen stets in den Spucknapf ausspeien und niemals auf den Fußboden.“

Die Bartelsdorfer wehren sich heute gegen die Y-Trasse, die nicht weit vom Dorf entlang verlaufen soll. 1872 als der Bau der Eisenbahntrasse zwischen Bremen und Hamburg bevorstand, sah das anders aus. Heinrich Ringe: „Geplant und festgelegt war die Strecke von Bremen über Rotenburg, Wohlsdorf, Bartelsdorf, Veerse, Westervesede, Ostervesede, Einloh und dann in Richtung Fintel. Der Graf von Bothmer in Lauenbrück hat dieses in letzter Minute zu verhindern gewusst und so wurde die Eisenbahntrasse über Scheeßel und Lauenbrück verlegt.“ Wenn die Eisenbahntrasse, wie geplant, durch die Bartelsdorfer Feldmark gelegt worden wäre, dann hätte sie sein Grundstück in Dünhorstbruch durchschnitten. Die Trasse in Bartelsdorf sei schon abgesteckt gewesen, und es wurde auch schon Baumaterial (Schotter) in der Nähe der geplanten Trassenführung gelagert. Ringe: „Es war geplant, auf dieser Seite von Veerse einen Bahnhof zu errichten, und der nächste Bahnhof sollte in Fintel erbaut werden.“

Beim Stöbern in alten Texten entdeckte Heinrich Ringe einen Brauch, der vor über 100 Jahren bei Bauern in der Lüneburger Heide üblich war: Aufgrund der hohen Holzpreise wurde auf den Böden der Häuser so genanntes Notholz gestapelt. Starke Eichenbretter, aus denen der eigene Sarg oder die Särge der Familienmitglieder getischlert werden sollten. An anderer Stelle des Bodens lag das Holz zum „Kistenpfande“. Holz für die Möbel zur Aussteuer. Bei freier Logis wurden von Tischlern – unter ihnen wahre Künstler – Truhen, Tische, Stühle und Schränke „gezaubert“.

Ein Brauch, von dem Ringe durch seine Mutter erfuhr: Bis Anfang der Dreißiger Jahre holten die Dorfkinder mit Schiebkarren aus der Sandkuhle möglichst weißen Sand. Feine Körner, die am Sonntag in der besten Stube und auf dem Fleet ausgestreut wurden, damit alles besonders fein aussah ...

Am 25. April 1914 wurde mit Siemens zur Versorgung der Gemeinde Bartelsdorf mit Strom ein Vertrag geschlossen. Bis das Ganze realisiert werden sollte, dauerte es allerdings mehr als sieben Jahre, da der Erste Weltkrieg dazwischen lag. Peets Hofstelle bekam am 21. November 1921 Stromanschluss. Von den 56 Häusern, die es damals gab, wurden 37 Höfe vom ersten Tag an mit Strom versorgt.

Nicht jedem dürfte bekannt sein, dass Bartelsdorf nach dem Zweiten Weltkrieg zu den Gemeinden gehörte, die in ihrer Gemarkung Tabak anbauten. Die wenigsten Bauern auf gewerblicher Basis, die meisten auf kleinen Flächen für den Eigenbedarf.

An anderer Stelle erfährt man: „Bis in die 50er Jahre fand bei uns das Wäschewaschen zum Teil im und vor dem Schweinestall statt, da sich dort ein Waschkessel befand. Im so genannten „Grapen“ in der Schweinestallküche wurde Sonntagsabends zuerst der Kessel gewechselt und mit Wasser gefüllt. Die schmutzige Wäsche in eine Wanne mit Henko kalt eingeweicht ...

Bei seinen Recherchen in der jüngeren Historie stieß Ringe auf die Information, seine Eltern hätten 1949 zum letzten Male Flachs angebaut. Der ehemalige Landwirt und Heimatforscher beschreibt die vielen Stationen, bis aus dem Flachs das verwertbare Produkt geworden ist.

Bedauernd schreibt er: „In unserer schnelllebigen, ganz und gar von der Technik geprägten Zeit ist man nur allzu bald geneigt, in Vergessenheit geraten zu lassen, was noch vor 60 bis 70 Jahren eine lebensnotwendige und abwechslungsreiche Tätigkeit gewesen ist.“

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