Vorfall direkt an Visselhövedes Hauptverkehrsstraße / „Sofort 112 anrufen“

Regungsloser Rollstuhlfahrer und kein Passant hilft

Visselhoevede - Von Jens WietersVISSELHÖVEDE · Dass es mit der Zivilcourage bei vielen Menschen nicht so weit her ist, wurde jetzt im Fall eines Visselhöveder Rentners deutlich, der mindestens 20 Minuten lang hilflos vornübergebeugt in seinem Rollstuhl saß. Und das an der Hauptverkehrsstraße, wo ihn unzählige Passanten und Autofahrer gesehen haben mussten, ohne sich um den Mann zu kümmern.

Der 78-jährige Visselhöveder, der im Alltag überwiegend auf den Rollstuhl angewiesen ist, muss nach Erkenntnissen der Polizei am vergangenen Freitagabend allein auf dem Fußweg an der Großen Straße unterwegs gewesen sein. Offenbar hatte der Senior, der in einem Pflegeheim lebt, auf Höhe der Sparkasse einen Schwächeanfall erlitten und war in seinem Rollstuhl nach vorne gebeugt in sich zusammengesunken.

„Uns hat ein Autofahrer alarmiert, der den Mann schon rund 20 Minuten vorher in der etwas merkwürdigen Stellung gesehen hatte. Allerdings soll seiner Aussage nach in dem Augenblick eine Frau bei dem Mann gestanden haben“, berichtet Visselhövedes Polizeichef Bernd Kroll.

Als der junge Mann auf dem Rückweg war und der 78-Jährige an der gleichen Stelle immer noch regungslos in seinem Rollstuhl saß, hat der Autofahrer die Polizei über den Notruf 110 alarmiert. Da die Wache gleich um die Ecke ist, waren die Beamten sofort vor Ort. Sie bugsierten den Rollstuhlfahrer in den Vorraum der Sparkasse und riefen den Rettungsdienst, der ebenfalls ruckzuck zur Stelle war und sich um den Rentner kümmerte.

„Hätte auch um Leben und Tod gehen können“

„Auch während unserer Hilfeleistung war reger Publikumsverkehr auf dem Gehweg und im Serviceraum der Sparkasse, so dass davon auszugehen ist, dass viele Menschen achtlos an der hilflosen Person vorbeigegangen sind, ohne sich um sie zu kümmern“, sagt Polizist Kroll. „Dabei war es für jedermann offensichtlich, dass dort etwas nicht stimmt.“

Zum Glück haben sich die schlimmsten Befürchtungen der Polizisten nicht bestätigt, und dem alten Mann geht es wieder halbwegs gut. Aber Kroll appelliert in diesem Zusammenhang noch einmal an die Visselhöveder, in solchen Situationen einzuschreiten und Hilfe zu leisten. „In diesem Fall hätte es auch um Leben und Tod gehen können. Dann ist sofort der Rettungsdienst über 112 zu rufen, weil Laien und auch wir Polizisten den Gesundheitszustand nicht einschätzen können. Und lieber einmal zu viel den Notarzt rufen, als einmal zu wenig.“

Auch wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass die Hilfskräfte nicht benötigt werden, bräuchte der Anrufer keine Kosten fürchten.

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