Schulleiterin Elke Oppermann verlässt die Beeke-Schule

„Redlichkeit statt Höflichkeit“

Nach viereinhalb Jahren kehrt Elke Oppermann der Beeke-Schule den Rücken. ·
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Nach viereinhalb Jahren kehrt Elke Oppermann der Beeke-Schule den Rücken. ·

Scheessel - Von Ulla HeyneViereinhalb Jahre hat Elke Oppermann die Geschicke der Beeke-Schule geleitet. Anfang Februar tritt sie eine Stelle als Schuldezernentin in der Niedersächsischen Landesschulbehörde in Lüneburg an. Mit der RK ließ sie ihre Zeit in Scheeßel Revue passieren.

Frau Oppermann, gefällt es Ihnen nicht mehr in Scheeßel?

Elke Oppermann: Doch, aber die Zeit ist reif, weiterzuziehen. Wir sind seit drei Jahren Oberschule. Die Schule ist, natürlich auch dank der Anstrengungen aller Beteiligten – Kollegium, Schulträger und Schulbehörde – extrem gut aufgestellt. Auch wenn es noch Baustellen gibt: Es läuft richtig gut, meine Arbeit ist getan. Das war auch schon bei meiner vorigen Stelle so: Ich arbeite gern problemlösend, übernehme gern schwierige Herausforderungen.

Was reizt Sie an der neuen Aufgabe?

Oppermann: Ich bin jetzt 55 – jetzt ist genau der Zeitpunkt, nochmal etwas Neues zu erproben, wovon ich noch keine Ahnung habe. Mit 60 wäre es zu spät. Ich weiß, was ich kann. Und den Job in der Schulaufsicht kann man nicht mit 35 machen, dazu braucht man Erfahrung, Kompetenz, aber auch In-sich-Ruhen und das Vertrauen in sich und das anderer in die eigenen Fähigkeiten.

Gehen Sie eher mit einem lachenden oder weinenden Auge?

Oppermann: Im Moment weder noch. Aber ich bin von Natur aus ein rührseliger Typ – ich weine mit den Kindern, ihren Müttern und wenn im Dschungelcamp einer versagt. Hoffentlich wird bei meiner Verabschiedung nicht allzu sehr auf die Tränendrüse gedrückt! Aber ich freue mich auf Lüneburg und werde wahrscheinlich auch dorthin umziehen – das war auch ein persönlicher Grund für den Wechsel.

Wenn Sie die Ihre viereinhalb Jahre hier Revue passieren lassen – was hat sich getan? Wie war die Ausgangssituation und was haben Sie erreicht?

Oppermann: Am Anfang waren wir eine Haupt- und Realschule mit ramponiertem Image. Ich hatte den klaren Auftrag, die Schule gemeinsam mit einem angeordneten Konrektor auf die Nachinspektion vorzubereiten – dass zwei Externe geschickt werden, war in Niedersachsen wohl ein Novum. Heute sind wir eine Oberschule, die inhaltlich fortschrittlich arbeitet – einzelne Kollegen werden sogar gebucht, um Vorträge darüber zu halten, wie wir das machen, etwa im Sprachenunterricht oder in den Naturwissenschaften. Da sind wir ganz weit vorn. Und wir sind die größte Ausbildungsschule im Norden. Mit einem zu 70 Prozent neuen Kollegium haben wir viele junge Lehrer. Die beeinflussen natürlich die Atmosphäre. So Hurricane-Hüpfer, das tut der Schule gut!

Worauf sind Sie besonders stolz?

Oppermann: Auf das Forum, zu dem die … räume umgebaut wurden. Nicht nur baulich, sondern auch inhaltlich: Nicht nur die Schüler, sondern auch die Kleinen in der Krippe sind Teil der Schule, da findet eine Verzahnung statt, die Schule vernetzt sich und öffnet sich nach außen. Das Forum, da bin ich mir sicher, entwickelt sich zu einem kulturellen Raum, der zunehmend auch von externen Gruppen genutzt wird. So etwas kann man aus einem 70er-Jahre-Waschbetonbau machen! Ich hoffe, dass das Schule macht.

Ist das ein Trend, dass Schule sich mehr nach außen öffnen muss?

Oppermann: Ja, Schule hat heute gesellschaftlich eine ganz andere Aufgabe als früher. Als Ganztagsschule stecken wir da noch in den Anfängen. Die Kinder halten sich länger hier auf, und der Schule kommen viel größere erzieherische Aufgaben zu.

Gibt es denn wirklich viel mehr schwierige Schüler als früher?

Oppermann: Das ist sicher auch eine Sache der Wahrnehmung. Es gab schon immer schwierige Schüler. Und auch immer Lehrkräfte, die gesagt haben: „Das hat es früher nicht gegeben!“ Jeder Lehrer wird älter und trifft, auch wenn er selbst aus dem eigenen Erziehungsalter heraus ist, immer wieder auf Pubertierende. Das wird schwieriger, je älter man wird. Aber auch die Erwartungen an Kinder sind heute hoch, alle sollen eine möglichst gute Ausbildung genießen, sollen Abitur machen – auch wenn das Kind das gar nicht erfüllen kann. Kein Abi zu machen, ist nicht schlimm! Auch so ist der Weg nach oben offen. Viele unserer Schüler machen ein Praktikum, als Maler oder Tischler – und kommen glücklich und bestätigt wieder. Solche etwas brauchen wir dringend, selbstbewusste Menschen in praktischen Berufen!

Werden Schüler in Oberschulen stigmatisiert? Früher machten nur wenige Kinder Abitur, heute gelten Hauptschulen als „Resterampen“…

Oppermann: Ein Hauptschulabschluss ist nicht geringerwertig als das Abitur, sondern eine passgenaue Ausbildung für das individuelle Kind mit bestimmten Voraussetzungen. Es wäre schön, wenn praktische Ausbildungen in der Gesellschaft genauso akzeptiert würden! Und davon mal ab: Viele studierte Biologen sind heute arbeitslos, ein Mechatroniker dagegen kann sich aussuchen, wo er arbeitet ...

Viele Kollegen, Eltern und Schüler trauern, weil Sie eine Lücke hinterlassen werden – wie geht es in der Beeke-Schule weiter?

Oppermann: Nach zwei Wochen wird keiner mehr über die alte Schulleiterin sprechen … Im Ernst: Sven Borstelmann, der seit dreieinhalb Jahren Konrektor ist, wird zunächst kommissarisch meine Nachfolge antreten, als Konrektorin rückt Birte Bendrich von der KGS Sittensen nach. Daniela Schindler als didaktische Leiterin wird weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Das gilt auch für das Herz der Schule, das Sekretariat! Einige hier würde ich am liebsten mitnehmen … Die beständige Arbeit hier geht also nahtlos weiter. Wenn das nicht sichergestellt gewesen wäre, wäre ich nicht gegangen.

Welche Erlebnisse werden Ihnen in besonderer Erinnerung bleiben?

Oppermann: Denkwürdig war der erste Tag der Nachinspektion– da standen neben den beiden Inspekteuren vom Schuldezernat 15 Rettungswagen vor dem Haus. Ein Brand in der Schule: Ein Albtraum – den aber alle Lehrkräfte und Schüler extrem vorbildlich bewältigt haben. Bei der Evakuierung in die Sporthalle waren die 600 Schüler und 60 bis 70 Lehrkräfte so diszipliniert und ruhig, dass ich meine Ansagen ohne Mikro machen konnte. Erst abends, als ich das Ganze nochmal im Radio gehört habe, wurde mir zittrig zumute …

Nicht nur die Scheeßeler Eltern bedauern Ihren Weggang, sondern auch Ihre musikalischen Fans. Schwinden die Chancen, Sie auf den Bühnen im Landkreis zu sehen?

Oppermann: Ich hoffe doch nicht! Ich bleibe zumindest zum Teil hier wohnen und werde weiter Musik machen, zumal gerade ein neues Projekt im Entstehen ist. Natürlich freue ich mich auch, mich in der Lüneburger Szene umzuschauen und bin für alles offen: Nur für Punk bin ich zu alt – für alles andere alt genug!

Sie werden hier für Ihre offene Art und Ihr mitunter loses Mundwerk geschätzt – können Sie das in einer Behörde ausleben oder müssen Sie sich zurücknehmen?

Oppermann: Das wird ein Problem (lacht). Ich übe mich darin, mich seriös auszudrücken. Aber ich möchte verlässlich und einschätzbar sein und sagen, was ich denke. Ich bin keine Zahnpastawerbungsfrau. Der Behördenchef erwartet schon, dass man sich unfallfrei ausdrückt und nicht gleich drei Fettnäpfchen durchschwimmt. Für mich ist Redlichkeit auf jeden Fall wichtiger als Höflichkeit!

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