Buddellämmer machen in der Vareler Heide erste Gehversuche / „Landschaftspflege unterbewertet“

„Rasenmäher“ für die Natur

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Buddellamm „Arielle“ ist noch keine Woche alt, doch beim Spazierengehen hält sie sich stets in der Nähe ihrer Ersatzmutti Nicole De Peppe auf. ·

Scheessel - Von Ulla HeyneWer in den kommenden Wochen in der Vareler Heide spazieren geht, kann sie am Schafstall sehen: Osterlämmer. Rechtzeitig zum Osterfest machen sie ihre Bocksprünge, tollen hintereinander her oder knabbern neugierig an Ästen. Es sind Momente wie dieser, für die Nicole De Peppe lebt. Dann vergisst sie, dass ihre Arbeitswoche momentan bis zu 40 Stunden hat – und das neben der Familie mit drei Kindern und einem regulären Job.

Zusammen mit ihrem Mann Holger Benning ist sie Besitzerin einer über 100 Tiere fassenden Heidschnuckenherde und seit einigen Wochen stolze Lämmermama. Denn vier der Tiere, Waisen oder von der Mutter verstoßen, werden von Familie Benning mit der Flasche aufgezogen, inzwischen im Sechs-Stunden-Rhythmus.

Allein an Milchkosten kommen so in den ersten rund acht Lebenswochen eines Lämmchens 60 bis 70 Euro zusammen, andere Ausgaben wie etwa für den Tierarzt, Tierseuchenkasse und Berufsgenossenschaft nicht eingerechnet. Das entspricht ungefähr dem Marktwert eines ausgewachsenen Tieres. „Die Kosten allein darf man nicht rechnen“, meint ihr Mann Holger Benning.

Von den Arbeitsstunden her ein voller Job, vom Ertrag her ein Hobby – dieses Dilemma kennen die Westerholzer seit Jahren. Auch wenn ihr die „Flaschenkinder“ Arielle, Bibi, Oskar und die „Heulboje“ Pebbles inzwischen ans Herz gewachsen sind und sie weit mehr tut, als unter Schafhaltern üblich – „Wer geht schon mit seinen Schützlingen spazieren?“, geht es um Nutztierhaltung. „Finanziell rechnen würde sich die Herde erst, wenn sie größer wäre und wir mehr Geld für die Dienstleistung Landschaftspflege bekämen“, meint Benning realistisch.

Obgleich sie für zwei Jahre lang Fördergelder vom Land Niedersachsen für die Landschaftspflege in der Vareler Heide und in der Westerescher Wachholderheide erhalten – den hierzu geschlossenen Vertrag müssen sie fünf Jahre lang erfüllen– würde der Nutzen der Tiere für die Landschaft in dieser Region nach wie vor unterschätzt. „Deichbauern bekommen das Doppelte pro Meter Deich“, weiß Benning, „und haben keine unzugänglichen Sumpf- und Moorgebiete. So besteht der Großteil der Arbeit aus Einzäunen und Umsetzarbeiten.“ Der Löwenanteil der Kosten entfällt auf das Benzingeld, da die Tiere an bis zu vier unterschiedlichen Standorten stehen. „Die Vareler Heide bietet nur etwa 30 Schnucken genügend Futter“, so Benning.

Für die „Buddellämmer“ ist es heute der erste Ausflug auf die Weide am Schafstall. Schon bald werden sie mit der Herde mitlaufen, die bis Ende April um etwa 70 bis 80 Jungtiere reicher sein soll.

Die Geburten selbst gehen schnell, berichtet Benning: „Das machen die Tiere weitgehend allein, meist ist in zehn Minuten alles vorbei.“ Dieses Jahr seien erstaunlich viele Zwillingsgeburten dabei. Vom Schmallenberg-Virus ist die genügsame alte Rasse gottlob bisher verschont worden. Während die Mütterlämmer zumeist der Bestanderhaltung dienen, werden die Lammböcke als Schlachtlämmer verkauft. Dann haben sie, im Gegensatz zu anderen Rassen, die schneller an Gewicht zulegen, meistens ein Jahr artgerechter Haltung auf der Weide verbracht.

Am liebsten sind Familie Benning Kunden, die Lebendtiere kaufen. Auch zwei Hofläden werden beliefert. Einen Ausbau des Verkaufs an Direktabnehmer und die örtliche Gastronomie könnten sie sich gut vorstellen, wenn die Herde größer wird.

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