Radtke: „Ich bin kein Sheriff“

Soll Landschaftswart bleiben: Manfred Radtke. 
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Soll Landschaftswart bleiben: Manfred Radtke. Foto: Menker
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Manfred Radtke soll für weitere drei Jahre als Rotenburger Landschaftswart im Amt bleiben. Darauf hat sich der Verwaltungsausschuss einstimmig festgelegt. Der Vorschlag war von Bürgermeister Andreas Weber (SPD) gekommen. Die Landschaftswarte zu berufen, ist Sache des Landkreises Rotenburg.

Rotenburg – Dass Manfred Radtke „manchmal auch unbequem sein kann“, weiß Bürgermeister Andreas Weber (SPD) nur zu gut. Aber der Sozialdemokrat hat den 75-Jährigen trotzdem im Verwaltungsausschuss der Kreisstadt für weitere drei Jahre empfohlen – Manfred Radtke soll Landschaftswart bleiben. „Diese manchmal unbequeme Art – das ist doch genau in unserem Interesse“, sagt Weber. Im Verwaltungsausschuss scheint man es ähnlich zu sehen – einstimmig geht die Berufungsempfehlung an den Landkreis. Für Radtke wäre es die zweite Amtsperiode.

Der Mann, der fast 30 Jahre lang für die Grünen im Rotenburger Stadtrat gesessen hat, ist bekannt dafür, den Finger in die Wunde zu legen, wenn aus seiner Sicht irgendwo etwas schief läuft beim Thema Umwelt-, Natur- oder Artenschutz. Stundenlang befasst er sich mit Gesetzestexten, den Kommentaren dazu, mit Richtlinien und Verordnungen. Auf dieser Grundlage bezieht er Stellung. Früher als Politiker, heute als BUND-Kreisvorsitzender – und als Landschaftswart, wenn es sein muss. Dafür ist Radtke nicht nur in Rotenburg, sondern schon lange im gesamten Landkreis bekannt. Und so ist es kein Wunder, wenn gerade mal etwas mehr als ein Drittel der Anrufe aus der Kreisstadt kommen, wenn jemand ihn um Rat und Hilfe bittet.

„Seine fachliche Kompetenz wird sehr geschätzt“, sagt Andreas Weber anerkennend. Ein weiterer Grund dafür, diesen Mann erneut als Landschaftswart vorzuschlagen. Radtke selbst freut das: „Ich fühle mich immer noch fit.“ Und die nötige Unruhe ist ihm ebenfalls anzusehen.

Mit seinem Abschied aus dem Stadtrat vor vier Jahren hat er sich auch aus der aktiven Politik zurückgezogen. Er wollte nicht mehr länger nur über Fragen des Umwelt- und Naturschutzes reden, sondern konkret daran und dafür arbeiten. Seitdem konzentriert er sich noch mehr als zuvor schon auf den BUND, den er 2011 im Landkreis reaktiviert hat. Die Zahl der Mitglieder ist in den vergangenen neun Jahren deutlich gestiegen – von 230 auf zuletzt 750.

Das Aufgabenspektrum für die Landschaftswarte in allen Kommunen des Landkreises sind klar umrissen: Da ist von der Überwachung geschützter Teile von Natur und Landschaft sowie von der Mitwirkung bei Maßnahmen des Artenschutzes die Rede. Es geht aber auch um artenschutzrechtliche Kontrollen außerhalb geschützter Teile von Natur und Landschaft, um Öffentlichkeitsarbeit und Beratung der Bevölkerung sowie der Verwaltungseinheit in Angelegenheiten des Naturschutzes. Radtke: „Die Zusammenarbeit mit dem Rotenburger Umweltschutzbüro klappt wirklich gut, aber das Planungsamt meldet sich bei mir nicht – da kommt keiner, obwohl da grundlegende Weichen gestellt werden.“ Der 75-Jährige kann nicht anders. Er benennt die Mängel, und bringt auch zum Ausdruck, wenn ihn etwas sauer macht. Zum Beispiel, wenn in Rotenburg „ein FFH-Gebiet städtebaulich überplant werden soll“. Radtke setzt sich allerdings nicht aufs Fahrrad und startet Kontrollfahrten. „Ich bin ja kein Sheriff“, sagt er. Das, worum er sich bemüht, erreicht ihn auch so. „Es hat sich herumgesprochen, dass ich mich kümmere und mich auch nicht scheue, mich mit Behörden anzulegen.“

Bei Fragen aus der Bevölkerung versuche er stets, eine gute Antwort zu finden. Geht es um probleme auf Flächen, fährt er hin, schaut sich alles an und hält mögliche Ungereimtheiten im Bild fest. So, wie gerade erst bei einem Fall in Mulmshorn, wo eine Grünlandfläche „totgespritzt“ worden sei. Radtke gibt diese Fälle an die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis weiter. Zuletzt war das der Fall, als ihm bei einer Baustelle augefallen war, dass das Baugerüst zusätzlich mit einem Netz bestückt worden ist. Und das, obwohl an dem gebäude Schwalbennester zu vermuten waren. Der Landkreis kümmerte sich darum, bestätigte das problem und sorgte dafür, dass die Baufirma vor den Nestern ausreichend große Löcher ins Netz schneidet, damit die Schwalben, vor allem der Nachwuchs ohne Problem fliegen kann.

„Klar, ich könnte mir das Leben einfacher machen“, sagt Radtke. Aber solange er sich fit fühlt, macht er weiter. Und das auch mit dieser Akribie. „Das kommt bestimmt von meiner beruflichen Tätigkeit.“ Er hat als Verwaltungsbeamter im Personalwesen der Post gearbeitet. Vor zehn Jahren ist er in den Ruhestand gegangen, den er für sich alles andere als ruhig gestaltet. Radtke wühlt und hakt nach, er kritisiert, er spricht Missstände an – und macht sich damit nicht nur Freunde. Ja, er ist mitunter unbequem. „Aber“, sagt Bürgermeister Andreas Weber, „wir haben einen guten Weg miteinander gefunden.“

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