Luftbrief legt fast zweijährige Irrreise durch die Welt zurück

Probleme mit der Post

Nach fast zweijähriger Irrreise erreichte der Brief schließlich den ehemaligen Seemann Steffen Heinecke. ·
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Nach fast zweijähriger Irrreise erreichte der Brief schließlich den ehemaligen Seemann Steffen Heinecke. ·

Rotenburg - Von Wieland BonathDiesen „eigenwilligen“ Luftpostbrief mit ungewöhnlicher Zickzacktour hütet der ehemalige Seemann Steffen Heinecke besonders. Jetzt, in der Weihnachtszeit, kommt es immer mal wieder vor, dass der 50-Jährige, jetzt Polizeioberkommissar bei der Wasserschutzpolizei Hamburg, den leicht vergilbten Umschlag, frankiert mit zwei 80er Briefmarken und abgestempelt am 30. Januar 1984 um 17 Uhr in Rotenburg, hervorholt.

Zu dem Wenigen, was an diesem Brief schließlich noch stimmte, waren die Namen des Adressaten „Mr. Steffen Heinecke“ und der Absenderin „Gertrud Kruppa“, seiner Tante. Dazwischen liegt eine fast zweijährige Irrreise der Luftpost für den jungen Seemann. Ein postalisches Durcheinander, in das Steffen Heinecke niemals eine logische Reihenfolge bringen konnte. Auf jeden Fall hat er kurz vor Weihnachten 1985 im Roten Meer auf der „Victoria Bay“, einem Frachter der Deutschen Afrika-Linie, den Brief bekommen.

Heinecke hatte zu Gertrud Kruppa ein besonders herzliches Verhältnis. Die freundliche Chefsekretärin war nämlich jahrelang für ihn und seinen älteren Bruder, die beide sehr früh die Eltern verloren hatten, das Mündel gewesen. Immer wieder schrieben sie sich. Was soll sie wohl gedacht haben, wenn er gar nicht auf diesen bestimmten Brief reagiert hatte? Hatte Gertrud Kruppa doch von einem für sie sehr traurigen Erlebnis geschrieben: „,Krümel' ist am Sonnabend in den Hundehimmel gekommen. Wie sie mir fehlt“, hieß es in dem Brief mit der großen Verspätung weiter, „kann ich gar nicht beschreiben. Es ist schlimmer, als ich mir das vorgestellt habe. Es ist, als wäre alles plötzlich leer. Schlimm, wenn man so an einem Lebewesen hängt. Über 16 Jahre lang! Nun, das hoffe ich ja auch zu verkraften. Dabei hilft mir auch die Erwartung auf Dein baldiges Kommen.“

„Was die Tante wohl gedacht haben mag, dass ich nicht auf den Tod ihres geliebten Pudels ,Krümel' reagiert habe“, fragte sich Steffen Heinecke, als er den Brief gelesen hatte. Aber die Nachricht war erst mit fast zweijähriger Verzögerung bei ihm eingetroffen. Für ihn war es selbstverständlich, dass er so schnell wie möglich eine Verbindung über Norddeich Radio nach Rotenburg herstellen ließ. Neben den herzlichen Weihnachtsgrüßen für die Tante konnte er jetzt sein scheinbares Desinteresse an „Kümels“ Tod aufklären. Und dabei erfuhr er auch, dass Tante Gertrud längst vierbeinigen Ersatz für ihren verstorbenen Pudel hatte. Was ein Brief mit zweijähriger Verzögerung alles durcheinander bringen kann … Auch die besorgte Frage der Tante nach Steffen Heineckes „Nachterlebnis“ konnte der Seemann jetzt beantworten. Es ging dabei um eine aufregende Nacht im kenianischen Mombasa. Er hatte Wache, als das Schiff Gefahr lief, bei einem heftigen Monsunregen mit orkanartigem Sturm von der Pier weggerissen zu werden. Steffen Heinecke gelang es, ganz auf sich allein gestellt, das Schiff „durch technische Tricks“ zu halten.

Nach dem Telefonat und gegenseitigem Erzählen angestaubter Neuigkeiten war die Welt wieder gerade gerückt. Heinecke freute sich damals auf Heiligabend an Bord. Auf einem Schiff wird der Tannenbaum aus dem Kühlraum geholt, wo er liegt, damit er nicht vorzeitig nadelt. Einen möglichst schönen Platz, elektrische Kerzen. Das war es dann aber auch schon. Allerdings: „Es gibt ein Festessen wie in einem erstklassigen Hotel“, weiß Steffen Heinecke. „Kann sein, dass der Alte noch ein paar Worte sagt. Vielleicht hat auch einer eine Musikkassette mit Weihnachtsliedern dabei. Sicher ist aber nicht, ob die gespielt werden. Wir müssen nämlich wieder sehr schnell an unsere Plätze.“

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