Sprachförderung im Elementarbereich / Interview mit Markus Pragal und Nancy Halfter

„Probleme haben zugenommen“

Dezernatsleiter Markus Pragal und sozialpädagogische Fachkraft Nancy Halfter: Großes Interesse am Programm zur Sprachbildung und -förderung. ·
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Dezernatsleiter Markus Pragal und sozialpädagogische Fachkraft Nancy Halfter: Großes Interesse am Programm zur Sprachbildung und -förderung. ·

Rotenburg - Der Landkreis Rotenburg hat damit begonnen, die „niedersächsische Richtlinie zur Förderung des Erwerbs der deutschen Sprache im Elementarbereich“ umzusetzen. Dazu gehörte unter anderem die Verteilung von 119 Fragebögen an die Kindertageseinrichtungen im Landkreis, um ein entsprechendes Fortbildungsangebot für pädagogische Fach- und Leitungskräfte planen zu können.

Davon wurden 95 Fragebögen zurückgeschickt. Das Interesse der Adressaten ist offensichtlich groß, die Notwendigkeit von Sprachbildung und -förderung wurde in den Einrichtungen erkannt. – Die Rotenburger Kreiszeitung führte das folgende Gespräch mit Kreisverwaltungsdirektor Markus Pragal, Leiter des Dezernats III (Sozialamt, Jugendamt, Gesundheitsamt, Jobcenter) und Diplom-Psychologin Nancy Halfter, sozialpädagogische Fachkraft.

Herr Pragal, müssen Kinder in Kindergärten beim Erlernen der einwandfreien Sprache von Ihrer Seite unbedingt unterstützt werden? Sieht es bei dem Nachwuchs denn so schlimm aus?

Markus Pragal: Das kann man so pauschal nicht sagen. Kinder sind ganz unterschiedlich, und so sind auch ihre Fähigkeiten zu sprechen oder Sprache zu erlernen. Manche haben von zu Hause bessere Voraussetzungen und manche schlechtere. Für diejenigen, die Probleme haben, ist es sehr sinnvoll, dass es in Einrichtungen, insbesondere Kindergärten, Unterstützung durch pädagogische Fachkräfte gibt.

Wer hatte die Idee, und wie sind die Inhalte?

Pragal: Es geht um die Umsetzung der Landesrichtlinie zur Sprachbildung und -förderung im Elementarbereich bei uns im Landkreis Rotenburg. Diese Landesrichtlinie ist im Mai 2011 in Kraft getreten und sieht vor, dass in den Landkreisen Handlungskonzepte zur systematischen Integration von Sprachbildung und -förderung in den pädagogischen Alltag von Kindertagesstätten erstellt werden. Dem soll primär durch Fortbildung und Beratung der Fachkräfte in den Kitas Rechnung getragen werden. Hierzu hat der Landkreis eine Fachberatung eingerichtet, die zurzeit von Frau Halfter und einer weiteren Fachkraft übernommen wird.

Nancy Halfter: Ich habe, um auf die Bedürfnisse der pädagogischen Fachkräfte zugeschnittenen Qualifizierungsmaßnahmen planen zu können einen Fragebogen entwickelt, den ich bei den persönlichen Besuchen in jeder einzelnen Kindertageseinrichtung im Landkreis verteilt habe. Das hatte den Hintergrund, dass ich den pädagogischen Fachkräften und Leitungen den Aufgabenbereich der neuen Richtlinie näher bringen konnte und durch das persönliche Gespräch ein höherer Rücklauf der Fragebögen erreicht werden konnte. Meine Bemühungen wurden durch einen Rücklauf von 80 Prozent belohnt.

Was gehört unter anderem zum Inhalt der verschickten Fragebögen?

Halfter: Besondere Wünsche der Fachkräfte sind Schulungen zu Themen wie Sprachentwicklungsverzögerung und Sprachentwicklungsstörungen. Dann Sprache im ganzheitlichen Kontext, zum Beispiel in Verbindung mit Bewegung und Denken. Dritter besonders nachgefragter Schwerpunkt ist die sprachanregende Gestaltung des Kita-Alltags. Allerdings: Hier handelt es sich nur um eine Auswahl. Es sind viele weitere Themen gewünscht worden. Diese werden selbstverständlich auch berücksichtigt.

Ist bei Kindern die Situation im Zusammenhang mit der Sprache immer dramatischer geworden, oder handelt es sich hier mehr um „Nachhilfeunterricht“ für die Fachkräfte?

Pragal: Genaue statistische Daten habe ich nicht parat, aber die Rückmeldungen aus dem Bereich der Kitas und der Schulen haben bei mir den Eindruck entstehen lassen, dass in den vergangenen Jahren Probleme in der Sprachentwicklung eher zugenommen haben. Insoweit ist es sehr sinnvoll, die Fachkräfte in den Kitas in dieser Hinsicht zu sensibilisieren und deren Kompetenzen im Umgang mit sprachauffälligen Kindern zu stärken.

Halfter: Insbesondere geht es darum, die Sprachbildung und -förderung in den Kita-Alltag zu integrieren.

Pragal: Ich will aber betonen, dass bereits heute sehr viel gute Arbeit im Bereich Sprache geleistet wird. Durch die Umsetzung der Richtlinie wird das Thema aber noch mal besonders bewusst gemacht und in den Vordergrund gerückt.

Die Qualität der Sprache bei Kindern ist vermutlich weitgehend eine soziale Frage?

Pragal: Nicht nur. Es gibt aber einen sozialen Hintergrund, als dass Kinder von Eltern, die mit den Kindern viel kommunizieren, vorlesen und sprechen bessere Voraussetzungen haben als die, deren Eltern dies nicht tun. Nach meiner Einschätzung hat auch die Intensität des Fernsehkonsums gerade bei kleinen Kindern Auswirkungen auf die Sprachentwicklung. · bn

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