Blauer Dunst: Heinz Baden ist im Erntestress / Bis zu 2500 Kilo pro Hektar

Prächtiger Virgina-Tabak aus Griemshop

+
Tabakblüte der Sorte Virgin. Die Blüten werden abgeschnitten, damit alle Kraft der Pflanze zufließt.

Helvesiek - Von Wieland Bonath · Tabakpflanzer muss man bei uns inzwischen mit „der Lupe“ suchen. Im Kreis Rotenburg sind es noch ganze zwei Landwirte, die sich diesem exotischen Gewerbe verschrieben haben: Heinz Baden (64), der Griemshop zwischen Helvesiek und Scheeßel bewirtschaftet und sein Nachbar Hans-Jürgen Meyer.

Aufhören? Das kommt für Baden zumindest im Augenblick nicht infrage! Dafür hängt er zu sehr an diesem Betriebszweig, den sein Vater Hinrich Baden vor mehr als 60 Jahren in der Not der Nachkriegszeit eingerichtet hatte.

Landwirt Baden, für den es ein eisernes Gesetz ist, die Fruchtbarkeit der Böden zu pflegen, hat 17 Hektar seines 156-Hektar-Betriebes dem Anbau von Virgin-Tabak vorbehalten. Jetzt ist Erntezeit, ein Drittel der Ernte ist eingefahren. Wenn die großen Blätter der bis zu zwei Meter hohen Pflanzen grünlich-gelb geworden sind, dann ist es soweit: Die Erntehilfsmaschine, die als Pflückhilfe gilt, fährt langsam in die Schläge, unten sitzen polnische Mitarbeiter und beernten die Tabakpflanzen. Fünf bis sechs Mal in der Zeit von Juli bis Ende September. Der Wassergehalt der Tabakblätter von 93 bis 94 Prozent wird beim Trocknen in Klimakammern in sechs Tagen auf zwölf Prozent reduziert. Den transportfähig zubereitete Tabak holt der Großhändler zweimal im Jahr ab.

Vor drei Jahren der große Einschnitt in bisher geltende Regeln: Durch das Aufheben der EU-Tabakmarktordnung fielen die Prämienzahlungen weg, die den Anbau stützten. Für die Zigarettenindustrie, die den Virgin aufgrund von wenig Nikotin und Kondensat gern in Zigaretten als Beimischung mitverarbeitete, nicht mehr lukrativ. Der helle und süßliche Virgin-Tabak aus Griemshop wird inzwischen als Wasserpfeifentabak nach Ägypten verkauft. Allerdings bei erheblicher Konkurrenz von osteuropäischen und asiatischen Anbietern.

Die Erträge schwanken nach den Worten von Heinz Baden zwischen 1200 und 2500 Kilogramm pro Hektar. Exakte Zahlen kann er für dieses Jahr noch nicht nennen, er weiß aber, dass das Wetter für seinen Tabak relativ günstig war. Er weiß auch, dass der trotz aller Mechanisierung noch sehr arbeitsintensive Tabak im Staat noch einen großen „Mitverdiener“ hat. Die Tabaksteuer beläuft sich nämlich pro Hektar auf 250 000 bis 300 000 Euro.

Der idyllisch gelegene Griemshop zwischen Helvesiek und Scheeßel, seine Spuren lassen sich fast 700 Jahre zurück verfolgen, hat kaum damit gerechnet, dass neben Getreide eines Tages auch mit Tabak beladene Gummiwagen einbiegen würden. Vater Hinrich war es dann, der bald nach dem Krieg das Wagnis einging und bald ein willkommener Lieferant der Zigarettenfirma Brinkmann wurde. Im Jahre 1956 gab es in Niedersachsen, von Dannenberg bis Südoldenburg, 417 Tabakanbauer, davon 17 im Raum Scheeßel. Ihr Umsatz belief sich auf 1942 Tonnen Tabak. Im Laufe der Jahre reduzierte sich die Zahl der Tabakanbauer immer mehr. 1971 waren es noch 105, heute ganze sechs.

Die gesamte Tabakanbaufläche betrug in der Bundesrepublik einmal 4600 Hektar. An der Spitze standen Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern. Heute sind es noch 2200 Hektar. Baden, der 15 Jahre Landesvorsitzender des Verbandes Nordwestdeutscher Tabakpflanzer war: „Zu jeder Frucht, die man anbaut, gehören spezielle Kenntnisse, die wir natürlich im Laufe der vielen Anbaujahre entsprechend der klimatischen Verhältnisse angepasst und verfeinert haben. Dieses Wissen hat uns jedes Jahr neuen Ansporn gegeben, den Tabakanbau fortzuführen. Letztlich haben auch unsere Abnehmer aufgrund unserer Qualitätserzeugung uns ermuntert, den Tabakanbau beizubehalten.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Freie Bahn für die Wümme

Freie Bahn für die Wümme

Freie Bahn für die Wümme
Sottrumer Ehepaar auf dem Weg zum Jagdschein

Sottrumer Ehepaar auf dem Weg zum Jagdschein

Sottrumer Ehepaar auf dem Weg zum Jagdschein
Was Rotenburg aus guten Vorsätzen macht

Was Rotenburg aus guten Vorsätzen macht

Was Rotenburg aus guten Vorsätzen macht
Was traut man uns noch zu?

Was traut man uns noch zu?

Was traut man uns noch zu?

Kommentare