Westervesedes Bürgermeister Ralf Jürges liefert Wismarer Tafel höchstpersönlich bei der Stadt ab

Ein Ortsschild auf der Rückreise

Wenn die Stadt nicht zum Dorf kommt, kommt das Dorf eben zur Stadt, dachte sich Westervesedes Ortsbürgermeister Ralf Jürges und schritt zur Tat. ·

Westervesede / Wismar - Von Lars Warnecke · Was hat ein Wismarer Ortsschild im Kofferraum eines Sportwagens zu suchen? Noch dazu mit Rotenburger Kennzeichen? Ganz einfach: Der Flitzer gehört Ralf Jürges. Auf der Rückfahrt eines Verwandtenbesuchs hat er die in Westervesede aufgetauchte Tafel jetzt der Hansestadt zurückgebracht.

Ankunft am Wismarer Rathaus. Hinter dem Buchsbaum halb verdeckt: das Auto von Ralf Jürges.

Wir erinnern uns: Mitte Juli hatten Spaßvögel das Ortsschild mit der Aufschrift „Hansestadt Wismar“ in den leeren Rahmen für die gestohlene Westerveseder Tafel angebracht. Von den Tätern fehlt bis heute jegliche Spur. Auch wie das blecherne Utensil die knapp 200 Kilometer von Wismar in das Dorf zurückgelegt haben könnte, ist für alle Beteiligten völlig unklar. Bis vor kurzem wurde das Schild bei der Straßenmeisterei Rotenburg verwahrt. Deren Leiter, Dieter Rosenberg, hatte in unserer Berichterstattung Vertreter der Ostsee-Stadt dazu eingeladen, sich ihr Eigentum bei Gelegenheit abzuholen. Diesem Angebot wäre man wohl auch nachgekommen, wäre jetzt nicht Ralf Jürges selbst zur Tat geschritten. „Neulich habe ich meine Tochter in Brandenburg besucht, da habe ich mir gedacht: ,Mensch Ralf, dann kannst Du das Schild ja auch gleich selbst abgegeben’“, erzählt er.

Gesagt, getan: Bei der Straßenmeisterei war man sofort bereit, die Tafel dem Ortsbürgermeister auszuhändigen. „Die waren ehrlich gesagt auch ganz froh, dass sie das Schild los sind – und das früher, als gedacht“, schmunzelt Jürges.

Nach seinem Aufenthalt in Brandenburg schlug schließlich die Stunde der Wahrheit. Wie würden die Wismarer auf die unangekündigte Rückgabe reagieren? „Eigentlich hätte ich ja gedacht, dass mich der Bürgermeister höchstpersönlich empfangen würde, aber leider war dieser gerade aus terminlichen Gründen verhindert, wie man mir sagte“, schildert Ralf Jürges die Ereignisse kurz nach seiner Ankunft am Wismarer Rathaus.

Mit dem Artikel der Rotenburger Kreiszeitung in der einen Hand und dem Ortsschild in der anderen sei er durch den Haupteingang gegangen, direkt ins Fundbüro. Dessen Mitarbeiterinnen staunten nicht schlecht, als ihnen Jürges den Grund für seinen Besuch angab. „Diesen Gesichtsausdruck werd’ ich wohl nicht so schnell vergessen“, erzählt er. Nach der Rückgabe habe er draußen durch das offene Fenster noch gehört, wie eine der Damen zu ihren Kolleginnen sagte: „So etwas habe ich ja noch nie erlebt.“

Für den Westerveseder Ortsbürgermeister ist das Kapitel damit abgehakt. Jetzt wartet er nur noch darauf, dass in seinem Dorf das in Auftrag gegebene neue Ortsschild an der L 131 angebracht wird. „Klar würde ich mich freuen, wenn sich die Stadt in einem kleinen Schreiben nochmals bedanken würde. Aber für mich war der Abstecher wirklich nicht gerade mit Unannehmlichkeiten verbunden.“  Und warum nicht? „Erstens habe ich so einmal die wunderschöne Mecklenburgische Seenplatte kennen gelernt, zweitens habe ich in Wismar den leckersten Eisbecher der Welt verdrückt“.

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