Organisatoren: La Strada in Rotenburg ist noch ausbaufähig und -würdig

„Wir wollen gerne noch wachsen“

Julia von Wild (links) und Kathrin Bahr sind „Zweifellos.net“.
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Julia von Wild (links) und Kathrin Bahr sind „Zweifellos.net“.

Rotenburg - Von Bettina Diercks. Mehr Potential als in Bremen hat das Straßenzirkusfestival La Strada in der Wümmestadt. Das bescheinigen die beiden Macherinnen Kathrin Bahr und Julia von Wild der Veranstaltungsagentur „Zweifellos.net“. Erleben kann man das am Wochenende. Knapp 20 Acts bespielen von Freitag bis Sonntag die Innenstadt.

„Schön in Rotenburg ist: Hier ziehen alle an einem Strang, weil hier alle das Festival wollen“, sagt Julia von Wild, die mit Bahr die Agentur „Zweifellos.net“ in Bremen betreibt. Die beiden Frauen haben sich vor drei Jahren aus dem Theaterkontor heraus, dem La-Strada-Organisator in der Hansestadt, mit der Agentur selbstständig gemacht.

„Der Unterschied zu Bremen: Da muss jeder kleinste Kleinigkeit genehmigt werden, in Rotenburg ist das anders“, sagt von Wild. „Wir genießen es sehr, in Rotenburg zu sein. Die Organisation mit der Kulturinitiative und der Stadt ist sehr gut, und es ist erstaunlich, was Rotenburg so alles auf die Beine stellt. Die Rotenburger sehen La Strada als ihr Fest.“ Sie sieht deshalb noch Potential für weiteres Wachstum: „Wir wollen gerne noch wachsen. Ich hoffe, dass die Rotenburger Bürger das annehmen.“

Ein Schritt, die Wümmestadt weiter einzunehmen, ist der neue Veranstaltungsort rund ums Heimathaus. Weshalb La Strada sich erst jetzt dorthin ausweitet, weiß von Wild auch nicht: „Das habe ich mich auch schon gefragt“, sagt sie lachend. Für diesen Spielort hätten sie extra Acts ausgewählt wie die Installation „Boot“ (ein Flugzeug) des Niederländers Vincent de Rooij. Und, für den Eröffnungsabend auf dem Pferdemarkt, hätten sie sich mit der „Funky MaMa Fire Crew“ ein besonderes Highlight gesichert. „Das ist eine wirklich tolle Show mit Jonglage und Feuer“, sagt von Wild. Zur Crew gehörten Manne Hanke, Urgestein der DDR-Breakdance-Szene, und Matthias Romir, einer der „kreativsten Köpfe unter Deutschlands Jongleuren“. Gerüchteweise versprühen die Jungs „Sexappeal“ bei ihrer Aufführung. „Zweifellos.net“ sei wichtig, „nicht einfach wie ein Ufo in der Stadt zu landen und die Veranstaltung dort stattfinden zu lassen“.

Zum sechsten Mal findet das Straßenzirkusfestival in Rotenburg statt, seit 20 Jahren wird es in Bremen veranstaltet. „Die ursprüngliche Idee war, La Strada auch in anderen Städten stattfinden zu lassen. Über Dirk Rademacher vom Theaterkontor, damals sehr aktiv in der Kir, kamen damals erste Kontakte zustande. Bürgermeister Detlef Eichinger war ebenfalls sofort dafür. So kam La Strada nach Rotenburg“, erzählt von Wild. In Norderstedt gebe es noch ein vergleichbares Straßenzirkusfestival, nur habe es da einen anderen Namen.

Offenbar betrachten mittlerweile nicht nur die Bürger aus Rotenburg und Umgebung La Strada als „ihr Fest“. Von Wild: „Das Festival in Rotenburg hat sich in der europäischen Straßenzirkusszene herumgesprochen.“ Die beiden Unternehmerinnen werden nahezu mit Bewerbungen überschüttet. „Vor allem in der heißen Phase bekommen wir bestimmt 20 Bewerbungen pro Woche“, erzählt sie. „Die meisten Gruppen buchen wir allerdings direkt selbst. Wir reisen viel herum und gucken. Im Sommer, in der großen Festivalzeit, sind wir ein bis zwei Mal im Monat unterwegs.“ Ein Muss ist allerdings für die beiden Profis der Besuch der Fachveranstaltung im April in Belgien, eine Art „Artistenbörse“. „Da entdecken wir immer wieder viele neue, junge Künstler, und dort laden wir oft direkt ein“, berichtet von Wild aus ihrem Schaffensprozess. Eine der Entdeckungen ist „Deux sans Trois“ aus Belgien. „Die haben wir dort gesehen und direkt eingeladen. Deux sans Trois spielt das erste Mal in Deutschland“, sagt die Agenturfrau.

Die Show der Akrobatik-Truppe heißt „TYPO“. Zu sehen sind vier Charaktere, drei Akrobaten, ein Musiker, die sich „konsequent im Weg stehen“ und das Beste daraus machen. Für die Akustik und Anreiz der Bilder sorgen eine Schreibmaschine sowie Musik von Elvis und Jef Hendrikx. Drama trifft auf Humor und Fantasie – das ergibt eine fesselnde Performance.

Gespannt ist von Wild auf „This Maag“ aus der Schweiz, der sein Publikum auf eine Stadtführung mitnehmen will und hier schon mal mit einer anderen Show gastierte. „Ich bin gespannt, ob er wirklich merkt, dass er in Rotenburg angekommen ist oder sich immer noch in der Schweiz aufhält“, sagt die Agentur-Mitchefin. „Das ist nun wirklich der Gipfel“ ist nämlich die Herausforderung, sich blitzschnell mit den örtlichen Gegebenheiten und deren Bewohnern auseinanderzusetzen.

Pieter Post (Niederlande) gehört zu de Favoriten von von Wild. „Mr. Jones“ kommt mit seinem ganz eigenen Zirkus nach Rotenburg – und mit Stuntschwein Fred.

Wichtig ist „Zweifellos.net“ allerdings die Wertschätzung des Publikums in finanzieller Form. Wie immer gilt: „Der Hut geht rum.“ Aufgestockt werden die Gaben zwar aus einem Gagentopf, doch je spendenfreudiger sich das Publikum zeigt, desto besser steht La Strada künftig da.

bd

Über die lokalen Mitveranstalter und die Künstler berichten wie im Laufe dieser Woche.

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