Proben teils deutlich über Grenzwert

Nitrat belastet Grundwasser im Südkreis

Dieter Hoff nutzt Grundwasser für den Garten. ·
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Dieter Hoff nutzt Grundwasser für den Garten. ·

Kreis Rotenburg - Garten bewässern ja, trinken nein. Die Nitratbelastung oberflächennahen Grundwassers im Südkreis Rotenburg liegt häufig über dem von der Weltgesundheitsorganisation genannten Grenzwert von 50 Milligramm je Liter.

In zwei Untersuchungsreihen in Juni und Oktober hatte der Verein für Gewässerschutz (VSR) Proben aus insgesamt 77 privat genutzten Brunnen im Altkreis Rotenburg untersucht. Bei jeder fünften Wasserprobe wurde ein Nitratgehalt oberhalb des Grenzwertes gemessen. In der Spitze waren es 156 Milligramm bei einem Brunnen in Hemslingen.

Im Sommer hatte der im rheinischen Geldern ansässige VSR Bürger in der Kreisstadt und umzu aufgerufen, Proben aus ihrem privat genutzten Brunnen zur Untersuchung ins Labormobil nach Rotenburg zu bringen. 77 Bürger machten davon Gebrauch. Die Ergebnisse fasste der Pressesprecher des Vereins, Harald Gülzow, jetzt in einem Beitrag für die Medien zusammen. Der Anfang der 80er Jahre gegründete Verein ist Mitglied im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz.

Hohe Nitratwerte fanden sich neben Hemslingen auch in Brunnen in Jeersdorf (107 Milligramm), Scheeßel (106) und in Waffensen mit ebenfalls 106 Milligramm pro Liter. Weitere hohe Nitratbelastungen meldet der Verein aus Sottrum (87) und Lauenbrück mit 82 mg/l. Als Trinkwasser wären diese Brunnenwässer nicht geeignet, warnt der Verein und weist darauf hin, dass das durch Nitrat belastete Grundwasser den Bächen zusickere und letztlich in die Nordsee gelange. Dort wirke das Nitrat als Dünger und fördere das Algenwachstum. In dem Zusammenhang rät der VSR davon ab, das Grundwasser für private Teichanlagen zu verwenden; hier sei vermehrtes Algenwachstum schon ab 25 Milligramm Nitrat je Liter nachweisbar.

Die Feststellungen des Vereins VSR-Gewässerschutz seien für den Landkreises Rotenburg als Wasserbehörde nicht überraschend, sagt Dezernent Dr. Torsten Lühring auf Nachfrage. Der Landkreis sei in weiten Teilen geprägt durch leichte Böden mit hohem „Nitratauswaschungsgefährdungspotenzial“ sowie einer intensiven Landwirtschaft. In der Vergangenheit wäre sicherlich nicht immer in Art und Menge so mit den Düngemitteln umgegangen worden, wie das aus heutiger Sicht erforderlich sei. Die Intensivierung der Landwirtschaft, nicht zuletzt der Anbau von Bioenergiepflanzen und deren Reststoffe („Gärgülle“) hätten die Situation nicht einfacher gemacht. In wesentlichen Bereichen des Landkreises sei das oberflächennahe Grundwasser deutlich mit Nitrat belastet. Dieses bedeute jedoch nicht, dass das hiesige Trinkwasser in irgendeiner Form beeinträchtigt oder gar verunreinigt sei. Hausbrunnen seien keine angemeldeten Trinkwasserbrunnen. Für die öffentliche Trinkwasserversorgung existierten Wasserschutzgebiete, in denen besondere Anforderungen an die landwirtschaftliche Nutzung und den Umgang mit Düngemitteln gelten.

Wer privat einen Brunnen anlegen möchte, muss das Vorhaben dem Landkreis beziehungsweise dem Bergamt anzeigen. Das Formular für diese „Bohranzeige“ sei auf der Internetseite des Landkreises (http://www.lk-row.de) hinterlegt, betont Friedrich-Wilhelm Lüdemann von der Unteren Wasserbehörde. Für Gartenbewässerung oder auch für Viehtränken sei zwar die formale Anzeige Pflicht, eine Erlaubnis müsse aber nicht erteilt werden. Die werde erst fällig, wenn der Landwirt seine Felder mit Brunnenwasser beregnen oder der gewerbliche Gartenbauer Grundwasser anzapfen wolle. Dann müsse in der Regel ein hydrogeologisches Fachbüro ein Gutachten über die Auswirkungen erstellen. · sf

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